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Auf und ab im Melbourne Park

Stanislas Wawrinka hat erstmals die Australian Open gewonnen. Der Schweizer setzte sich am Sonntag im Finale von Melbourne gegen Rafael Nadal mit 6:3 6:2 3:6 6:3 durch und holte damit seinen ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier. Nadal war ab dem zweiten Satz von einer Rückenverletzung gehandicapt und muss weiter auf seinen 14. Major-Titel warten.

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Wawrinka, der auf dem Weg zu seinem Triumph u. a. auch den serbischen Titelverteidiger Novak Djokovic aus dem Bewerb geworfen hatte, ist der zweite Major-Sieger aus der Schweiz nach Rekordhalter Roger Federer. Mit dem Erfolg in Melbourne wird er in der Weltrangliste bis auf Platz drei vorstoßen und damit seinen berühmten Landsmann erstmals überholen.

Der 28-Jährige ist der erste Spieler seit dem Spanier Sergi Bruguera bei den French Open 1993, der bei einem Grand-Slam-Event die Nummer eins und zwei der Welt geschlagen hat. Außerdem ist er erst der zweite Spieler seit 2004 außerhalb der „Big Four“, der im Herren-Einzel ein Major gewinnt - in seinem 36. Anlauf bei einem Grand-Slam-Turnier. Der Einzige, der in den vergangenen zehn Jahren in die Phalanx von Federer, Nadal, Djokovic und dem Schotten Andy Murray eingedrungen war, ist der Argentinier Juan Martin del Potro als US-Open-Sieger 2009.

„Glückwunsch an Stan“

„Es tut mir sehr leid, dass ich die Partie so beenden muss. Ich habe es wirklich sehr versucht“, sagte ein sichtlich geknickter Nadal nach der Niederlage. „Glückwunsch an ‚Stan‘ - die Chancen waren heute gegen mich, aber er hat es verdient.“ Ans Aufgeben habe er nicht gedacht, sagte der Melbourne-Sieger von 2009. „Das Letzte, woran ich gedacht habe, ist aufzugeben. Ich hasse so etwas, besonders in einem Grand-Slam-Finale“. Stefan Edberg war 1990 der letzte Spieler, der in einem Grand-Slam-Finale aufgegeben hatte, damals ebenfalls in Melbourne.

Jubel von Stanislas Wawrinka

Reuters/Jason Reed

Der erlösende Moment nach dem Matchball

Der Sieger spendete Trost: „Es tut mir sehr leid für dich, ‚Rafa‘. Ich hoffe, dass es deinem Rücken bald besser geht, du bist ein genialer Kerl und ein unglaublicher Champion.“ Zu seinem Erfolg sagte er: „Ich weiß nicht, ob ich träume oder nicht, das werden wir morgen sehen.“

Blitzstart von Wawrinka

Der Außenseiter ging hoch konzentriert in die Partie in der Rod Laver Arena und machte mit seinem Service von Beginn an viel Druck. Doch auch als Rückschläger war er rasch erfolgreich: Schon im vierten Game holte er sich das erste Break, stellte mit eigenem Service auf 4:1 und hatte danach sogar noch eine Breakchance zum 5:1. Mit 11:2 direkten Punkten für den Schweizer war das Kräfteverhältnis auf dem Platz zu diesem Zeitpunkt überraschend klar auf der Seite des Außenseiters.

Als der Schweizer dann bei 5:3 auf den ersten Satzgewinn überhaupt gegen den Weltranglistenersten servierte, schien der Faden plötzlich gerissen und er lag rasch 0:40 zurück. Doch Wawrinka kämpfte sich ins Spiel zurück und holte sich mit einem Ass nach 37 Minuten den ersten Durchgang.

Nadal körperlich angeschlagen

Und in dieser Tonart ging es auch weiter. Der (Noch-)Weltranglistenachte legte mit einem weiteren Break nach. Nadal wirkte hingegen weiterhin viel zu passiv und konnte sich nicht wirklich auf die harten Schläge seines Gegners einstellen - auch wegen einer akuten Rückenverletzung.

Rafael Nadal bückt sich

APA/EPA/Mast Irham

Der Körper spielte plötzlich nicht mehr mit

Der Spanier ließ sich nach dem mühevollen ersten Gamegewinn zum 1:2 in der Kabine behandeln, was bei Wawrinka auf Unverständnis stieß, da Nadal aus seiner Sicht den Platz ohne Begründung verlassen hatte. Seine erregte Diskussion mit dem Stuhlschiedsrichter brachte da auch keine Klärung.

Auf dem Platz hatte sich Wawrinka aber wieder unter Kontrolle - das zeigte sein zu null gewonnenes nächstes Aufschlagspiel. Nadal war hingegen völlig von der Rolle und konnte überhaupt nicht mehr laufen und servieren - das Break zum 1:4 war die Folge. Immerhin konnte er in seinem nächsten Servicegame drei Satzbälle abwehren, im folgenden Spiel sicherte sich Wawrinka aber auch den zweiten Durchgang.

Schmerzmittel wirkten offenbar

Obwohl ein Großteil der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt vermutlich mit der Aufgabe Nadals rechnete, versuchte dieser weiterhin sein Glück. Und tatsächlich bewegte er sich in der Folge wieder besser, brachte seinen Aufschlag durch und kam gegen einen plötzlich fehlerhaften Wawrinka zu einem Break. Dass es kurz darauf 3:0 für Nadal hieß, hätte man wenige Minuten davor nicht geglaubt. Offenbar zeigten die in der Kabine verabreichten Schmerzmittel Wirkung.

Wawrinka, dem im dritten Satz die Lockerheit vom Beginn der Partie völlig abhanden gekommen war, fing sich zwar wieder, den Rückstand konnte er aber nicht mehr wettmachen. Nach insgesamt 1:48 Stunden und zwei bei 5:3 abgewehrten Breakbällen war Nadal wieder richtig zurück im Match.

Offener Schlagabtausch im Finish

In der Folge verlief die Partie erstmals seit langer Zeit wieder offen, beide Spieler brachten ihr Service vorerst sicher durch. Doch dann hatte der nun wieder bissige Wawrinka erneut die Breakchance, die er diesmal auch zur 4:2-Führung nutzte. Obwohl sich Nadal sofort zurückbreakte, blieb der Schweizer ruhig und nahm seinem Gegner erneut den Aufschlag ab. Mit seinem ersten Matchball sicherte er sich nach 2:21 Stunden seinen ersten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier und feierte im 13. Duell mit Nadal seinen ersten und bisher wichtigsten Sieg.

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