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Alles unter Kontrolle

Red Bull Salzburg hat die Hürde Ajax Amsterdam genommen. Die Elf von Roger Schmidt ließ der 3:0-Auswärtsgala vor einer Woche auch im Heimspiel in der ausverkauften „Bullen“-Arena wieder eine souveräne Vorstellung folgen. Salzburg setzte sich mit einem 3:1-Heimsieg am Donnerstag und damit dem beeindruckenden Gesamtscore von 6:1 durch. Im Achtelfinale wartet nun am 13. März auswärts der Schweizer Tabellenführer FC Basel (3:0 gegen Maccabi Tel Aviv).

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Nach einer guten ersten Hälfte, in dem Salzburg Spiel und Gegner dominierte, jedoch „nur“ zu zwei Aluminiumtreffern kam, sicherten schließlich ein Eigentor von Ajax-Verteidiger Mike van der Hoorn (56.) und Tore von Sadio Mane (66.) und Jonatan Soriano (77.) später den Aufstieg. Der heimische Tabellenführer war über 180 Minuten die in allen Belangen bessere Mannschaft. Dafür wurde vor den Augen von Clubmäzen Dietrich Mateschitz, „Fußballkaiser“ Franz Beckenbauer und ÖFB-Teamchef Marcel Koller einmal mehr Pressing- und Tempo-Fußball der Marke „Salzburg“ demonstriert.

Spielszene aus Salzburg gegen Ajax

ORF.at/Christian Öser

Soriano ließ Ajax-Goalie Cillessen beim 3:0 aussteigen

Latte verhindert Salzburg-Führung

Die Stimmung war aufgeheizt, die Fangruppen lieferten einander ein Duell der Stimmbänder, und auf dem Feld zeigte Ajax gleich vom Anpfiff weg, dass sie aus dem Hinspiel gelernt hatten. Die Niederländer wollten diesmal die „Bullen“ mit ihren eigenen Waffen schlagen. Jeder ballführende Salzburger wurde sofort aggressiv attackiert, Platz für Fehler war da keiner. Den ersten schweren Patzer machte dann aber die Ajax-Defensive, Alans Schuss (6.) von der Strafraumgrenze war für Jasper Cillessen jedoch keine große Gefahr.

Ajax blieb weiter bissig, doch die zwingenden Chancen hatte weiter Salzburg. Ein Heber von Kevin Kampl (11.) sprang nur an die Querlatte. 29.320 Zuschauer, darunter etwa die niederländische Torhüterlegende Edwin van der Sar, hielten gebannt den Atem an. Amsterdam bot im Vergleich zum Hinspiel mit dem Talent Stefano Denswil und Mike van der Hoorn ein neues Innenverteidigerpaar auf. Trotzdem erhöhte Salzburg jetzt schön langsam wieder den Druck nach vorne, die Schmidt-Elf machte es Ajax immer schwerer, den Ball an den freien Mann zu bringen.

Das 1:0 liegt in der Luft

In der 17. Minute tauchte Alan plötzlich wieder allein im Ajax-Strafraum auf, sein Schuss ging jedoch am langen Eck vorbei. Das 1:0 für Salzburg lag weiter in der Luft und wäre für alle Fans des heimischen Tabellenführers eine Erlösung gewesen. Zwar hat es in der Europa League noch keine Mannschaft geschafft, nach einer Hinspielniederlage mit drei Toren Unterschied noch die nächste Runde zu erreichen, doch ein Gesamtscore von 4:0 wäre wohl der endgültige Schritt ins Achtelfinale gewesen.

Das Tor wäre dann beinahe auf der anderen Seite gefallen. Doch Peter Gulacsi setzte seine 1,91 Meter zur Gänze ein, um den Flugkopfball von Kolbeinn Sigthorsson noch aus dem Tor zu drehen (22.). Die Mannschaft von Frank de Boer hatte den Glauben an das Wunder von Salzburg nicht aufgegeben. Immer wieder deutete De Boer, wohin es gehen sollte: schnell nach vorne. Doch Salzburg stand kompakt und schaltete vor allem über Sadio Mane blitzschnell in die Offensive um.

„Bullen“ kontrollieren das Spiel

Salzburg erarbeitete sich Chance um Chance, und als Torjäger Jonatan Soriano den Ball an die Stange knallte (34.), tobte das Stadion endgültig. Schön langsam drängte sich die alte Fußballweisheit von den nicht geschossenen Toren auf. Vor allem der flinke Lesly de Sa sorgte rechts für Bewegung im Ajax-Angriff. Aber Salzburgs Verteidigung leistete sich keine Unkonzentriertheiten, auch wenn De Sas Schuss in der 38. Minute nach kurzer Gulacsi-Abwehr von Soriano geklärt werden musste.

Das Mittelfeld der „Bullen“ war außerdem mit seiner Aggressivität und Laufstärke dafür verantwortlich, dass viele „zweite“ Bälle bei der Schmidt-Elf blieben und so der Druck Richtung Ajax-Tor konstant blieb. Der niederländische Rekordmeister fand nach wie vor nicht zu seinem Spiel, konnte den Ball kaum kontrolliert in die Spitze bringen. Gegenstöße blieben daher zu Salzburgs Glück Mangelware. Mit 0:0 ging es schließlich in die Kabinen, es hätte locker auch 4:1 stehen können.

Ajax macht es selbst, Mane und Soriano legen nach

Dort beschlossen die Niederländer offensichtlich, dass das mit der Salzburger Dominanz nicht so weitergehen könne, und Denswil streckte Soriano mit einem Karatetritt in die Rippen nieder (48.). Es gab Gelb für Denswil, und der Spanier konnte auch weiterspielen. Die Partie blieb trotz des Gesamtstandes von 3:0 spannend, und schließlich war es so weit. Was der Salzburger Sturm bis dahin nicht zusammengebracht hatte, erledigte Ajax selbst.

Spielszene aus Salzburg gegen Ajax

ORF.at/Christian Öser

Ein Tritt in die Rippen konnte Soriano nur kurz außer Gefecht setzen

Kampl spielte rechts auf Soriano, den Stanglpass des Spaniers spitzelte Van der Hoorn ins eigene Tor. Cillessen konnte nicht mehr entscheidend eingreifen (56.). Jetzt erst war die endgültige Befreiung bei Salzburg zu spüren. Vier oder fünf Ajax-Treffer in gut einer halben Stunde schienen doch nicht mehr wahrscheinlich. Erst recht nicht, als Mane nach einem Konter in der 66. Minute auf 2:0 und der Europa-League-Torschützenführende Soriano mit 3:0, Gesamtstand 6:0, erhöhte.

Das 1:3 durch Davy Klaassens abgefälschten Schuss, der sich glücklich über Gulacsi ins Tor senkte, war nur noch Resultatskosmetik. Für Ajax gab es allerdings nach 180 enttäuschenden Minuten gegen überlegene Salzburger nichts zu beschönigen. Sie waren am Ende nur eine Station auf dem Erfolgsweg der „Bullen“.

Martin Wagner, ORF.at aus Salzburg

UEFA Europa League, Sechzehntelfinal-Rückspiel

Donnerstag:

Red Bull Salzburg - Ajax Amsterdam 3:1 (0:0)

Red Bull Arena, 29.320 Zuschauer (ausverkauft), SR Tagliavento (ITA)

Torfolge:
1:0 Van der Hoorn (56./Eigentor)
2:0 Mane (66.)
3:0 Soriano (77.)
3:1 Klaassen (83.)

Salzburg: Gulacsi - Schwegler (89./Klein), Ramalho, Hinteregger, Ulmer (78./Svento) - Kampl, Leitgeb, Ilsanker, Mane - Alan (73./Zulj), Soriano

Ajax: Cillessen - Van Rhijn, Van der Hoorn, Denswil, Blind - Klaassen, Poulsen (63./Riedewald), De Jong (63./Krkic) - De Sa, Sigthorsson, Duarte (78./Andersen)

Gelbe Karten: Leitgeb bzw. Poulsen, Denswil

Hinspiel: 3:0 - Salzburg mit Gesamtscore von 6:1 im Achtelfinale

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