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Traumtore und Klassefußball

In einem Spiel, das über 95 Minuten Werbung für den heimischen Fußball gemacht hat, hat Red Bull Salzburg am Sonntag zum Abschluss der 25. Runde der tipp3-Bundesliga Rapid Wien mit 6:3 (2:1) geschlagen. Vor 17.600 Zuschauern spielte der Leader in der ersten Hälfte seine aktuelle Klasse aus, ehe in der zweiten Halbzeit ein Schlagabtausch und ein fulminantes Finish von Salzburg folgten.

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Jonatan Soriano (10.) und Stefan Ilsanker (41.) sorgten für eine 2:0-Führung, ehe Terrence Boyd in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch verkürzte. Thanos Petsos (56.), Rodnei (58.) und Christopher Trimmel (66.) unterhielten dann die Fans mit einem Torspektakel. In der Schlussphase schlug Torjäger Soriano mit seinem 20. Saisontor zum 4:3 zu (84.), und Kevin Kampl erhöhte auf 5:3 (89.). Das 6:3 Sorianos war noch eine Draufgabe in der 95. Minute.

Mario Sonnleitner (Rapid), Robert Zulj (RBS), Jan Novota (Rapid) und Jonatan Soriano (RBS)

GEPA/Felix Roittner

Mit seinem Heber zum 1:0 (10.) eröffnete Soriano (r.) den Torreigen

So schwer wie gegen Rapid haben sich die Salzburger zuletzt gegen keine Mannschaft getan. Den bisher letzten Punkteverlust in der Liga setzte es gegen die Hütteldorfer (1:2 am 24. November), auch die bisher letzte Heimniederlage (0:2 am 12. August 2012). Von den vergangenen sechs Duellen mit dem Rekordmeister hat die Red-Bull-Elf nur ein einziges gewonnen - am 27. April 2013 mit 3:1. Auch am Sonntag verlangte Rapid dem überlegenen Tabellenführer alles ab.

Soriano beweist Gefühl

Bei Salzburg begannen Dusan Svento für den verletzten Andreas Ulmer und Robert Zulj als zweite Sturmspitze anstelle des angeschlagenen Alan neben Soriano. In der Verteidigung wurde Rodnei anstelle von Andre Ramalho aufgeboten. Die ersten Minuten verliefen ausgeglichen. Rapid versuchte, über den Kampf ins Spiel zu kommen, doch bereits in der zehnten Minute brachte das „Bullen“-Kombinationsspiel den ersten Erfolg.

Ilsanker eroberte im Mittelfeld den Ball spielte auf Soriano, der auf Sadio Mane, der zurück auf Ilsanker, und der bediente mit einem idealen Lochpass Soriano, der an der Strafraumgrenze schon auf ein Anspiel lauerte. Der Spanier war der überrumpelten Rapid-Verteidigung zwei Schritte voraus und ließ Jan Novota im Rapid-Tor mit einem Lupfer keine Chance. Das 1:0 war der 19. Ligatreffer des Salzburger Kapitäns.

Ein „falsches“ und ein „richtiges“ 2:0

Zur Hälfte der ersten Halbzeit lautete das Ballverhältnis 66:34 Prozent für Salzburg. Die Statistik unterstrich das Spielgeschehen. Die Hütteldorfer liefen dem Ball meist hinterher, hatten so gut wie nie ein Übergewicht in der gegnerischen Spielhälfte. Rapid profitierte in dieser Phase lediglich von unpräzisen Pässen der Salzburger. Ein Weitschussversuch (32.) von Louis Schaub, der knapp am Pfosten vorbeirauschte, blieb die einzige Ausbeute für die Barisic-Elf. Der Jubel über das vermeintliche 2:0 (37.) währte dann nur kurz.

Kampl und Mane tauchten nach einem Rapid-Ballverlust im Mittelfeld vor Novota auf, der Slowene servierte Mane selbstlos den Ball. Kampl hätte jedoch selbst den Abschluss suchen sollen, denn Mane stand knapp, aber doch im Abseits. Das „echte“ 2:0 folgte kurz darauf. Ilsanker lenkte eine Svento-Freistoßflanke unbedrängt per Kopf ins lange Eck (41.). Er rief sich damit auch wieder bei ÖFB-Teamchef Marcel Koller in Erinnerung, der den aktuell in Hochform spielenden Salzburger Mittelfeldabräumer anstelle des verletzten Guido Burgstaller in den Teamkader gegen Uruguay nachholte.

Zusammenstoß mit Folgen

Schmerzhaft verlief dann die Schlussphase der ersten Hälfte. Rapid-Verteidiger Christopher Dibon und Salzburg-Torhüter Peter Gulacsi prallten bei einem Luftduell zusammen. Dibon blieb verletzt liegen und musste gegen Brian Behrendt ausgetauscht werden. Nach dem Spiel wurde bei dem Verteidiger ein Kieferhöhlenbruch diagnostiziert. Wie lange Dibon ausfällt, ist noch offen. Die erforderliche Nachspielzeit nutzte dann Terrence Boyd zum überraschenden 1:2-Anschlusstreffer (45. + 4). Er wuchtete einen von Gulacsi nur kurz abgewehrten Wydra-Schuss vom Fünfer ins Tor. Ilsanker wurde dabei von Boyd kompromisslos aus dem Weg geräumt.

Jubelnde Rapid-Spieler

APA/Daniel Krug

Nach Trimmels (M.) Treffer zum 3:3 (66.) waren die Rapidler aus dem Häuschen

Drei Tore in zehn Minuten

Nach der Pause war auch klar, dass Gulacsi nicht mehr weiterspielen konnte. Der Ungar litt unter leichten Schwindelanfällen und wurde durch Alexander Walke ersetzt. Auch Dibon war zu dieser Zeit bereits mit Verdacht auf Gehirnerschütterung auf dem Weg ins Spital. Er verpasste das wunderschöne 2:2 durch Petsos in der 56. Minute. Der Deutsch-Grieche zog volley mit dem Vollrist aus gut 25 Metern ab, und der Ball schlug unhaltbar für Walke im rechten Kreuzeck ein.

Salzburg gab postwendend die Antwort zum 3:2. Ein Svento-Freistoß wurde im Strafraum per Kopf ins Tor verlängert (58.), als Letzter am Ball dürfte Salzburgs Verteidiger Rodnei gewesen sein. Rapid steckte nicht auf und erspielte sich laufend Chancen auf den neuerlichen Ausgleich. Das dritte Tor in zehn Minuten war die Folge. Trimmel, der Rapid zu Saisonende Richtung Union Berlin verlässt, setzte, nachdem zunächst Steffen Hofmann nach herrlicher Schaub-Vorarbeit noch gescheitert war, den Ball halbvolley aus 17 Metern ins Netz.

Soriano und Kampl: Immer für Tore gut

Selten war Salzburg in den letzten Wochen defensiv so unter Druck, selten war die „Bullen“ in der Abwehr so unorganisiert. Das Fehlen von Ramalho machte sich bemerkbar. Hinten fehlte die Zuordnung, vorne fehlte es an Bewegung und auch an brachbaren Pässen. Für frischen Schwung wollte Trainer Roger Schmidt mit der Einwechslung von Valentino Lazaro und Valon Berisha sorgen, und dieser Schachzug gelang.

Jonatan Soriano Casas (FC Red Bull Salzburg) erzielt Tor gegen Torwart Jan Novota (Rapid Wien)

APA/Daniel Krug

Soriano (von Rapid-Spielern verdeckt) setzte sich beim 4:3 (84.) auf engstem Raum durch

Die Vorentscheidung war wieder der personifizierten Torgarantie überlassen. Soriano nahm im Strafraum auf engstem Raum den Ball an und erzielte mit einem genauen Schuss ins lange Eck das 4:3 (84.). Nach einem Konter über Lazaro, der der Rapid-Verteidigung von der Mittellinie auf und davon lief, verwertete Kampl den Stanglpass des Salzburger Talents ohne Schwierigkeiten zum 5:3 (89.). Soriano stillte seinen Torhunger mit dem 6:3 (95.) schließlich endgültig. Die „Bullen“ bauten ihren Vorsprung auf „Verfolger“ Grödig damit auf 22 Punkte aus.

Martin Wagner, ORF.at

Tipp3-Bundesliga, 25. Runde

Sonntag:

Red Bull Salzburg - Rapid 6:3 (2:1)

Red Bull Arena, 17.612 Zuschauer, SR Harkam

Torfolge:
1:0 (10.) Soriano
2:0 (41.) Ilsanker
2:1 (45.+4) Boyd
2:2 (56.) Petsos
3:2 (58.) Rodnei
3:3 (66.) Trimmel
4:3 (84.) Soriano
5:3 (89.) Kampl
6:3 (95.) Soriano

Salzburg: Gulacsi (46. Walke) - Schwegler, Rodnei, Hinteregger, Svento - Ilsanker - Kampl, Ch. Leitgeb (78. V. Berisha), Mane (78. Lazaro) - R. Zulj, Soriano

Rapid: Novota - Trimmel, Sonnleitner, Dibon (45.+4 Behrendt), Schrammel - Petsos, Wydra - S. Hofmann (81. Starkl), Schaub (86. Alar), Sabitzer - Boyd

Gelbe Karten: Hinteregger, Walke bzw. Behrendt, Trimmel, Boyd

Die Besten: Hinteregger, Svento, Ilsanker, Soriano bzw. Sonnleitner, Petsos, Schaub

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