„Das erleben zu dürfen ist unglaublich“
Anna Fenninger hat sich am Donnerstag beim Saisonfinale in Lenzerheide mit Rang zwei im Super-G den Gesamtweltcup geholt. Zwei Rennen vor Schluss liegt die 24-jährige Salzburgerin 215 Punkte vor der Schweizer Siegerin Lara Gut, die Fenninger als Einzige noch abfangen hätte können. Für Fenningers größte Rivalin Maria Höfl-Riesch war die Saison nach ihrem Sturz in der Abfahrt vorzeitig vorbei.
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„Ich kann gar nichts sagen, ich glaube es noch nicht. Das ist so cool“, fehlten Fenninger zunächst fast die Worte. „Mir ist es heute so gut gegangen am Start und ich habe endlich geschafft, dass ich das fahre, was ich kann. Dass das für das große Ziel reichen kann, ist unglaublich.“ Für den Kopf sei natürlich der Super-G-Triumph in Sotschi extrem wichtig gewesen. „Der Olympiasieg ist eines der größten Dinge, die man gewinnen kann. Danach habe ich keinen Druck mehr verspürt.“ Dass es mit dem Gesamtsieg klappen könnte, daran glaubte sie erst am Donnerstag. „Gestern war ein spezieller Tag, da war ich sehr nervös“, so Fenninger. „Das erleben zu dürfen ist unglaublich“

APA/Barbara Gindl
Anna Fenninger krönte ihre großartige Saison mit dem Sieg im Gesamtweltcup
Erster ÖSV-Gesamtsieg bei Damen seit 2007
Fenninger beendete damit eine siebenjährige Durststrecke der ÖSV-Damen. Zuletzt hatte sich Nicole Hosp 2007 die große Kristallkugel gesichert. Der Schlüssel zum Erfolg Fenningers, die bei Olympia Gold im Super-G und Silber im RTL gewonnen hatte, war deren konstant gute Saison. „Sie war über die ganze Saison in Riesentorlauf, Super-G und Abfahrt fast immer in den Top Sechs“, sagte ÖSV-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum. „Man muss sie bewundern, wie konstant sie war. Es ist ein sehr, sehr toughes Programm, wie sie das abspulen.“
Fenninger war in all ihren Rennen nach den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit Ausnahme der Abfahrt in Lenzerheide am Mittwoch, in der sie Sechste wurde, nie schlechter als Zweite. „Wenn sie den Gesamtweltcup holt, dann ist das hochverdient“, betonte deshalb Höfl-Riesch am Donnerstag vor dem Super-G in einem ARD-Interview, dass Fenninger eine würdige Gewinnerin der großen Kristallkugel ist. Auch Tina Maze, die den Gesamtweltcup im Vorjahr mit Punkterekord geholte hatte, vertrat diese Meinung. „Sie ist eine super Fahrerin. Sie hat viel Talent und arbeitet gut. Gratulation, dass sie es jetzt geschafft hat“, sagte die Slowenin nach ihrem dritten Super-G-Rang.
Gut legt nach Abfahrtssieg nach
Der Sieg im letzten Super-G ging an Gut, die sich mit dem vierten Saisonerfolg in der Disziplin auch die kleine Kristallkugel in der Spezialwertung sicherte. Die 22-Jährige lag im Ziel 0,61 Sekunden vor Fenninger und 0,95 Sekunden vor Tina Maze aus Slowenien. Dass Gut den Sieg ausgerechnet in ihrer Heimat einfahren konnte, sei „natürlich genial“. Gut, die schon tags zuvor in der Abfahrt einen Heimsieg gefeiert hatte, ist erst die dritte Schweizerin, die die Super-G-Wertung für sich entscheiden konnte. Zuvor war das nur Maria Walliser (1987) und Michela Figini (1988) gelungen. Die letzte Schweizer Disziplinensiegerin hieß Sonja Nef, die 2001 und 2002 im Riesentorlauf triumphierte.

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Mit dem Sieg in Lenzerheide sicherte sich Gut die kleine Kristallkugel im Super-G
Als zweitbeste Österreicherin landete Nicole Schmidhofer (+ 1,08) unmittelbar vor Regina Sterz (1,45) auf Rang vier. Cornelia Hütter (1,86) rundete das gute ÖSV-Ergebnis als Siebente ab. Und dass obwohl mit Elisabeth Görgl, am Vortag noch Zweite in der Abfahrt, und Hosp gleich zwei Österreicherinnen ausschieden. Bei Fenningers rot-weiß-roter Vorgängerin als Gesamtweltcup-Siegerin überwog allerdings die Freude. „Ein Wahnsinn! Anna hat echt eine Bombensaison gehabt, das ist mehr als verdient“, sagte Hosp. „Ich vergönne es ihr von Herzen, dass sie das jetzt geschafft hat. Es ist schon eine beachtliche Leistung. Ich weiß, wie man sich da jetzt fühlt, das sind wahnsinnig schöne Momente in sportlicher Hinsicht. Man kann es nur genießen.“
Höfl-Riesch denkt über Karriereende nach
Höfl-Riesch versuchte indes einen Tag nach ihrem Sturz, bei dem sie sich einen Muskelfaserbündelriss an der Adduktorengruppe im linken Oberschenkel, schwere Prellungen im Schulter- und Ellenbogenbereitgelenk sowie eine Kapselverletzung im linken Ellenbogengelenk zugezogen hatte, ein positives Fazit zu ziehen. „Nach dem gestrigen Schock und einer kurzen, tränenreichen Nacht überwiegt jetzt schon wieder langsam der Gedanke an eine sehr erfolgreiche Saison mit Gold und Silber bei Olympia und dem erstmaligen Gewinn der Abfahrts-Kristallkugel“, schrieb die 29-jährige Deutsche am Mittwoch.
Ob Höfl-Riesch ihre Karriere fortsetzen wird, ist allerdings offen. Eine Entscheidung soll „in den nächsten zehn bis 14 Tagen auf jeden Fall“ getroffen werden. „In den Urlaub möchte ich das nicht mitnehmen, den Urlaub möchte ich auf jeden Fall genießen. Ich glaube, das kann ich nur, wenn da klare Verhältnisse herrschen“, sagte die dreimalige Olympiasiegerin in einem Interview der ARD. „Wenn es so sein sollte, dass es wirklich vorbei ist, dann ist das natürlich kein schönes Ende gewesen. Aber trotzdem muss man einfach sagen, dass die Saison super war.“
Damen-Super-G in Lenzerheide
1. |
Lara Gut |
SUI |
1:17,14 |
2. |
Anna Fenninger |
AUT |
1:17,75 |
3. |
Tina Maze |
SLO |
1:18,09 |
4. |
Nicole Schmidhofer |
AUT |
1:18,22 |
5. |
Regina Sterz |
AUT |
1:18,59 |
6. |
Nadia Fanchini |
ITA |
1:18,73 |
7. |
Cornelia Hütter |
AUT |
1:19,00 |
8. |
Viktoria Rebensburg |
GER |
1:19,21 |
9. |
Kajsa Kling |
SWE |
1:19,22 |
10. |
Julia Mancuso |
USA |
1:19,34 |
11. |
Stacey Cook |
USA |
1:19,54 |
12. |
Ilka Stuhec |
SLO |
1:19,90 |
13. |
Verena Stuffer |
ITA |
1:20,27 |
14. |
Leanne Smith |
USA |
1:20,33 |
15. |
Dominique Gisin |
SUI |
1:20,71 |
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