Nicht für ÖSV-WM-Quartett nominiert
Das Fliegen liegt ihm im Blut. Martin Koch liebt die weiten Sprünge von den größten Schanzen und er hebt auch als Pilot sehr gerne ab. Am Donnerstag verabschiedete er sich leise von den Skiflugschanzen, nach zwei Trainingssprüngen für die WM in Harrachov war für den 32-Jährigen Schluss. Er wurde nicht für das ÖSV-Quartett für die Titelkämpfe nominiert.
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Wehmut sei spürbar gewesen, als er mit dem Lift zum Riesenbakken in Tschechien hinaufgefahren sei, gab Koch zu. „Natürlich ist es bitter, dass ich nicht dabei bin, aber ich habe keinen Grant“, sagte der Kärntner, der sich im zweiten Versuch deutlich gesteigert hatte. „Ich bin dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, es zu versuchen. Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, betonte Koch. Die anderen vier Athleten seien einfach besser gewesen. Und für eine Chance auf eine Medaille habe ohnehin viel gefehlt.
Der Villacher wird bis zum WM-Ende in Harrachov bleiben und seine jungen Kollegen unterstützen. Seine Karriere wird er am darauffolgenden Wochenende beim Weltcup-Finale in Planica (diesmal auf der Großschanze) offiziell beenden. „Ich werde mich auf der Schanze verabschieden, aber wahrscheinlich nicht im Wettkampf“, sagte Koch.
Teamplayer im Hintergrund
Der großgewachsene Athlet war keiner, der sich in den Vordergrund drängte, er war immer da, wenn das Team einen verlässlichen Mann brauchte. Seine sieben Team-Goldmedaillen bei Großereignissen (eine bei Olympia, drei bei WM, drei bei Skiflug-WM) zeugen davon. Olympiagold in Turin 2006 bezeichnet Koch im Rückblick als einen seiner schönsten Erfolge, ebenso die Skiflug-WM in Vikersund 2012.
Prädestiniert für das Skifliegen, fehlte Koch zweimal nur eine Kleinigkeit zum Erreichen des großen Ziels. Bei der WM 2008 in Oberstdorf lag er drei Durchgänge in Führung, am Ende gab es Platz zwei hinter Gregor Schlierenzauer. Und 2012 hätte die Weite im entscheidenden Durchgang für Gold gereicht, doch Koch stürzte - und holte trotzdem Bronze. Das Wissen, einen optimalen Sprung geschafft zu haben, sei wichtiger als die Farbe der Medaille, sagte er damals.
Im Weltcup musste er lange auf seinen ersten Erfolg warten. Nach 224 Bewerben und rund einem Dutzend Podestplätzen gelang ihm 2011 in Harrachov der erste von insgesamt fünf Weltcup-Siegen. Auch ein erster Platz auf dem Holmenkollen ist darunter.
„Irgendwann das Gefühl verloren“
Seit dem dritten WM-Rang 2012 vermochte Koch seinen Standard nicht mehr zu halten. „Ich war immer ein Gefühlsspringer, aber irgendwann habe ich das Gefühl verloren“, sagte der Flugspezialist der APA. „Ich wollte es mir erarbeiten, aber es ist einfach nicht mehr gelungen.“ Die Regeländerung hin zu engen Anzügen habe sich ungünstig ausgewirkt, Fehler würden nicht mehr verziehen, merkte der „Superadler“ an.
„Das Skispringen wird mir fehlen“, gab Koch zu. Das Drumherum wird er allerdings nicht vermissen. „Früher war es familiärer. Da ist man auch einmal auf ein Bier gegangen, das ist jetzt undenkbar. Und der Revoluzzer-Gedanke ist verlorengegangen. Es ist Zeit, dass ich aufhöre.“ Cheftrainer Alexander Pointner weiß, was er an Koch hatte. „Er war immer ein sehr verlässliches Teammitglied, hat Verantwortung übernommen und war auch vom sozialen Aspekt her sehr wichtig für uns“, so der Coach.
Koch war nie einer, der mit dem Strom schwimmt („Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“, so sein Lebensmotto) - nun ist er der erste der Erfolgstruppe Pointners, der abtritt. „Jetzt ist es Zeit, dass die Jungen ihre Chance bekommen. Es freut mich, dass so viele da sind und in unsere Fußstapfen treten.“ Koch selbst will sich nun seinem Studium (Wirtschaft und Recht) widmen, im Herbst einen Urlaub genießen und Silvester in der Badehose in Australien verbringen.
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