Nach 14 Jahren Biathlon ist Schluss
Mit den letzten Weltcup-Rennen wird am Wochenende in Oslo die Saison der Biathleten beendet. Auf dem Holmenkollen stehen für Damen und Herren je ein Sprint (Donnerstag), die Verfolgungsrennen (Samstag) und ein Massenstart (Sonntag) auf dem Programm. Aus österreichischer Sicht steht alles im Zeichen des letzten Auftritts von Christoph Sumann, der seine Rennski nach 14 Jahren in die Ecke stellt.
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Der 38-Jährige kämpft beim Saisonkehraus zum letzten Mal in seiner erfolgreichen Karriere um Weltcup-Punkte. „Die Erwartungshaltung ist die gleiche wie bei jedem Rennen. Ich will am Ende möglichst weit vorne sein“, kommt beim Steirer keine Wehmut auf. „Ich bin nicht hier, um Tourist zu spielen oder Abschied zu feiern, sondern um einen anständigen Wettkampf zu zeigen. Natürlich spüre ich keinen Druck mehr, aber die Nervosität ist genauso da wie immer. Und das ist gut so.“

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Nach seinem letzten Olympiaauftritt verabschiedet sich Sumann auch vom Weltcup
Dass er ausgerechnet im „Mekka“ des nordischen Skisports zum letzten Mal an den Start geht, freut den zweifachen Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Winterspielen von Vancouver 2010 (Verfolgung und Staffel) und Sieger des Einzel-Weltcups in der Saison 2009/10 aber natürlich besonders. „Der Holmenkollen steht für den nordischen Skisport. Er ist ein echter Wohlfühlort und eine meiner Lieblingsstationen. Ich freue mich auf die Rennen“, meinte Sumann.
Erste Erfolge als Langläufer
Der Leitwolf im österreichischen Team, der nie mit flotten Sprüchen geizte, hat erst spät zum Biathlon gefunden. Nach zehn Jahren in der Langlaufnationalmannschaft (1991 bis 2000) wagte er im Jahr 2000 auf Anraten des ehemaligen ÖSV-Trainers Walter Mayer den Umstieg, und der zuvor auch von Daniel Mesotitsch und Fritz Pinter vollzogene Schritt trug unerwartet schnell erste Früchte.
Nach einem starken Einstieg mit dem ersten Weltcup-Sieg gleich im zweiten Biathlon-Jahr in Osrblie Ende Dezember 2001 musste Sumann dann allerdings lange auf weitere große Erfolge warten. Auf Staffel-Bronze bei der Heim-WM 2005 in Hochfilzen folgte mit dem von Mayer ausgelösten Olympiaskandal 2006 in Turin nämlich ein herber Tiefschlag. Sumann war zwar nicht in die Dopingcausa verwickelt, benötigte aber wie die gesamte ÖSV-Sparte lange, um sich davon zu erholen und sich in der Öffentlichkeit zu rehabilitieren.
„Kleinigkeiten, die große Wirkung zeigen“
Zwischenzeitlich hatte er sogar ans Aufhören gedacht, er machte aber weiter, und es sollte sich bezahlt machen. So feierte er im Jahr 2007 etwa zwei weitere Weltcup-Siege. Nach einem miserablen Winter 2007/08 beschritt er dann neue Wege, er stieg in die neue Trainingsgruppe von Reinhard Gösweiner um. Damit stellte er die tägliche Arbeit spät in seiner Karriere noch einmal komplett um. Forciertes Krafttraining, erhöhte Intensität, das strikte Einhalten der Regenerationszeiten standen ab der Saison 2008/09 auf dem Plan. „Es sind Kleinigkeiten, die große Wirkung zeigen“, nannte Sumann einmal als Erfolgsgeheimnis.
Einen weiteren Anteil an den Erfolgen schreibt er aber auch einer radikalen Ernährungsumstellung mit dem gänzlichen Verzicht auf Milchprodukte zu, die gemeinsam mit dem geänderten Training ihre Wirkung zu zeigen begann. All diese Kleinigkeiten bescherten dem Polizeiangehörigen aus Frojach einen Weltcup-Sieg in Oberhof und Platz sechs im Gesamtweltcup 2008/09 und als Höhepunkte dann den Vizeweltmeistertitel im Massenstart hinter Dominik Landertinger und das Staffel-Silber bei den Titelkämpfen in Pyeongchang.
Historische Triumphe bei Olympia in Vancouver
Und auch bei seinen dritten Olympischen Spielen folgten historische Triumphe. Er holte in Vancouver mit Silber in der Verfolgung als erst zweiter Österreicher nach Wolfgang Perner (2002) olympisches Edelmetall. Außerdem sicherte er sich den Sieg im Einzel-Weltcup und das noch nie da gewesene zwischenzeitliche Tragen des roten Trikots durch einen ÖSV-Athleten. Den Weltcup-Gesamtsieg am Saisonende verpasste er schließlich als Zweiter nur ganz knapp.

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Bei den Winterspielen 2010 schrieb Sumann österreichische Sportgeschichte
Seinen letzten großen Triumph im Einzel feierte der Steirer bei der WM 2011 im sibirischen Chanty-Mansijsk, als er mit Bronze auch beim dritten Großereignis in Folge eine Einzelmedaille gewinnen konnte. Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi im Februar füllte Sumann schließlich seine Edelmetallsammlung noch einmal mit Bronze in der Staffel auf, Platz zwölf im vorherigen Verfolgungsrennen über 12,5 km hatte ihm und seinem 38-jährigen Körper allerdings - auch aufgrund einer Erkältung - die Grenzen aufgezeigt.
„Wie soll ich solche Schmerzen, die ich hatte, jemandem erklären, der nicht Biathlon macht. Es war brutal hart“, sagte Sumann, der älteste der 130 ÖOC-Olympiateilnehmer. Auf den Anstiegen hätte er, wie er sagte, eine Seilwinde gebraucht, um das Tempo irgendwie halten zu können, „oder irgendjemanden, der mich hinaufschiebt“. Auf der Schlussrunde sei ihm durch den Kopf gegangen: „Jetzt wird’s Zeit.“ Und dieser Moment ist in Oslo nun auch gekommen.
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