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Vereine mahnen zur Besonnenheit

Das 309. Wiener Derby zwischen Austria und Rapid am Sonntag (15.00 Uhr, live in ORF2 und im Livestream) wäre aus sportlicher Sicht interessant genug: Beide Teams zeigten sich zuletzt in guter Form und kämpfen um die Europacup-Plätze. Die Attacke einiger Rapid-Fans auf den Jung-Austrianer Valentin Grubeck lenkt den Fokus aber wieder einmal auf das Geschehen abseits des grünen Rasens.

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„Hier wurden Grenzen überschritten, das ist nicht mehr tolerierbar“, sagte Austria-Manager Thomas Kraetschmer. „Wenn man nicht aufpasst, weiß ich nicht, wo das hinführen wird. Wir wollen am Sonntag ein Fußballfest feiern, müssen bei solchen schrecklichen Vorfällen aber aufpassen, damit die Lage nicht umschlägt.“

Keine Rachegelüste bei Austria

Die Polizei rüstet bereits für das Derby, das mit 12.500 Zuschauern in der Generali Arena ausverkauft sein wird, auf. Zumindest 400 Polizeibeamte und 200 Ordner werden am Sonntag im Einsatz sein. Zudem hat die Austria für die Trainingseinheiten am Freitag und Samstag sowie die Rückkehr des Amateur-Mannschaftsbusses am Freitagabend Polizeibewachung angefordert.

Fanbusse

APA/Herbert P. Oczeret

Die Busse werden so wie hier vor dem Hanappi-Stadion wieder schwer bewacht

Nach Ansicht Kraetschmers werden die Austria-Fans am Sonntag etwaige Rachegelüste im Griff haben. „Die Zeiten von ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘ sind lange vorbei. Wir werden die Gespräche mit unseren Fans vor dem Sonntag intensivieren. Das soll ein Fußballfest ohne Kurzschlussreaktionen werden“, sagte der Manager. Sportvorstand Thomas Parits weiß, dass nun alle nur mehr über die Attacke sprechen werden: „Die Mannschaften haben gute Werbung fürs Spiel gemacht, solche Vorfälle machen alles kaputt.“

VdF fordert Konsequenzen

Der Verein der Fußballer (VdF) nahm in einer Aussendung die Verantwortlichen aller Vereine und die Bundesliga selbst, aber auch Behörden und den Gesetzgeber in die Pflicht. „Spieler und friedliche Fans müssen vor solchen Chaoten geschützt werden, und gewaltbereite Fans müssen rigoros aus den Stadien verbannt werden“, so VdF-Vorsitzender Gernot Zirngast in der Aussendung.

Der VdF stellte vor dem Derby Rapid kein gutes Zeugnis aus. „Rapid Wien ist leider in dieser Hinsicht kein Vorbild. Unter Präsident Rudolf Edlinger ging man zu lax mit solchen Fans um, die alles Mögliche, aber nur nicht den Fußball im Kopf haben“, ist in der Aussendung zu lesen. Die Austria wurde hingegen für Stadionverbote in jüngster Vergangenheit lobend erwähnt. Als Vorbild in Sachen gewalttätiger Anhänger wird Salzburg nach der Übernahme durch Red Bull erwähnt, „als man Radau machende Fans von vornherein aus dem Stadion verbannt hat“.

„Veilchen“ droht Saison ohne Derby-Sieg

Dabei gäbe es im Derby sportlich genug zu erzählen: Im Kampf um Platz zwei in der Bundesliga führen die Grün-Weißen derzeit zwei Zähler vor den Violetten. Beide Mannschaften präsentierten sich zuletzt in guter Form. Rapid feierte zuletzt vier Siege, wobei hinten immer die Null stand. Torverhältnis: 9:0. Die Austria ist seit dem 1:3 gegen Rapid am 9. Februar acht Runden ohne Niederlage.

Es war aber nicht die einzige Niederlage gegen Rapid in dieser Saison, die Austria verlor alle drei bisherigen Derbys. Ein von der Prügelattacke auf Grubeck schwer schockierter Austria-Trainer Herbert Gager setzt daher alles daran, nicht erstmals seit der Saison 2007/08 gegen den Erzrivalen sieglos zu bleiben. „Wir wollen das Derby am Sonntag für Valentin gewinnen. Für uns ist das eine zusätzliche Motivation, um auf dem Platz die richtige Antwort zu geben.“

Barisic mit „kühlem Kopf“

Rapid-Trainer Zoran Barisic missfallen die Worte seines Gegenübers. „Wenn so eine Aktion bei der Austria zur zusätzlichen Motivation beiträgt, dann tut es mir leid. So etwas würde ich niemals als Motivationsspritze heranziehen, das macht man nicht“, sagte der Coach der Hütteldorfer, „wichtig wird sein, dass jetzt alle einen kühlen Kopf bewahren.“

Auch Rapid-Kapitän Steffen Hofmann war über den gewalttätigen Vorfall vor der Generali Arena entsetzt. „Gewalt hat im Fußball nichts verloren. Durch diese Aktion wird das Sportliche sicher verdrängt. Es wird jetzt weniger um dieses tolle Spiel gehen, auf das sich alle freuen sollen. Jetzt wird etwas Thema sein, das nie stattfinden hätte sollen“, sagte der 33-jährige Routinier.

Rapid-Boss entschuldigt sich

Rapid-Präsident Michael Krammer entschuldigte sich am Freitag mit einem Brief bei Grubeck. Der Clubchef des Stadtrivalen wünschte dem 19-Jährigen eine rasche Genesung - und versprach ihm, dass Rapid gegen überführte Täter alle möglichen „Konsequenzen und Sanktionen“ durchsetzen werde. „Sollten diese tatsächlich im Umfeld unseres Vereins zu finden sein, drohen nicht nur bundesweite Stadionverbote, sondern gegebenenfalls auch Vereinsausschluss und/oder Entzug von Mitgliedschaften“, erklärte Krammer.

Die Attacke vor der Generali Arena sei „nicht zu tolerieren und absolut inakzeptabel“. Die betreffenden Personen würden „nicht nur dem SK Rapid und seinen Hunderttausenden Fans, sondern dem Gesamtimage des von uns allen so geliebten Fußballsportes in Österreich schaden“, meinte Krammer. Der verletzte Grubeck verspürt weder Groll noch Hass: „Das hat mit Fans nichts zu tun, was da passiert ist. Rapid ist bekannt für super Stimmung im Stadion.“

Beim Derby der Amateurteams, das Grubeck aufgrund seiner Verletzungen verpasste, blieb es am Freitagabend ruhig. Die Youngsters von Rapid und Austria trennten sich auf dem Hauptfeld des Hanappi-Stadions mit 1:1. Erkennbare Gästefans hatten sich nicht unter die knapp 900 Zuschauer gemischt. Zu Zwischenfällen kam es nicht.

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