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Verband hofft auf Lerneffekt

Österreichs Eishockey steht eineinhalb Monate nach Olympia in Sotschi vor einem sportlichen Neuanfang. Denn der „Hangover“ - die Nachwirkungen der feucht-fröhlichen Party einiger Spieler vor dem Play-off-Spiel gegen Slowenien - ist in der Vorbereitung auf die am 20. April beginnende WM der Division Ia in Südkorea noch immer zu spüren. Nach zahlreichen Absagen gilt es, ein neues Team aufzubauen.

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An der Nacht des 16. auf den 17. Februar 2014 kommt man im Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV) bei öffentlichen Auftritten wohl länger nicht vorbei. Damals feierten sieben Spieler den 3:1-Sieg über Norwegen über Gebühr. Zwei Tage später verpasste man mit einem klaren 0:4 gegen Slowenien den historischen Aufstieg ins Viertelfinale. Ein möglicher Grund für die Abfuhr, die Party, kam erst nach dem Slowenien-Spiel ans Tageslicht. Die Namen der sieben „Saufkumpanen“ blieb man von Verbandsseite schuldig und beließ es bei Geldstrafen. Ein Vorgehen, dass in der Eishockeyszene für viel Kritik von Fans und vor allem Spielern sorgte.

„Es ist ein Zeichen“

Die alleinige Schuld am „nächtlichen Vorfall“ will man sich von Verbandsseite aber nicht in die Schuhe schieben lassen. Etwa eine vermeintliche „verletzte Aufsichtspflicht“ des ÖEHV. „Die Verantwortung tragen viele Instanzen“, sagte Sportdirektor Alpo Suhonen, „einige Spieler haben ihre Verantwortung als Profi in Sotschi aber nicht getragen.“ Für den Finnen war der Partymarathon einiger Spieler „ein Signal, das im österreichischen Eishockey etwas nicht stimmt.“ Vor allem in Sachen Professionalität: „Es war ein Zeichen, dass die Spieler das Team und ihren Beruf nicht respektiert haben.“

ÖEHV-Teamchef Manny Viveiros und Sportdirektor Alpo Suhonen

GEPA/Martin Hörmandinger

Viveiros (l.) und Suhonen (r.) kämpfen mit den Nachwehen der „Olympiaparty“

Namen will auch Suhonen nicht nennen, vielmehr wartet er auf weitere Geständnisse. „Ich habe die Hoffnung, dass die betroffenen Spieler ihre Verantwortung tragen und sich melden“, sagte der ÖEHV-Sportdirektor bei einer Pressekonferenz, „ein Spieler hat sich gemeldet, auf die anderen warte ich noch.“ Der eine Spieler ist Verteidiger Florian Iberer, bei dem einige Zeit nach Sotschi das Erinnerungsvermögen zurückkehrte. Österreichs NHL-Trio Thomas Vanek, Michael Grabner und Michael Raffl gestanden bereits einen Tag nach dem Publikwerden der Party via offenen Brief zwar nicht direkt, aber doch ihre Beteiligung.

Viveiros über NHL-Spieler „sehr enttäuscht“

Dass gerade die drei Profis aus der National Hockey League, die Teamchef Emanuel Viveiros immer als Vorbild für das österreichische Eishockey gepriesen hatte, beim mittlerweile berüchtigten Partyabend zu tief ins Glas geschaut hatten, schmerzt den Trainer noch immer. „Sicher war ich über die drei sehr enttäuscht“, sagte Viveiros, der weiterhin beteuert, von dem Ausflug der Partygruppe erst nach dem Slowenien-Spiel von Journalisten erfahren zu haben, „aber sie haben für Österreich mehr Positives als Negatives getan.“

Das olympische Turnier bleibt trotz teils ansprechender Vorstellungen gegen Finnland und Kanada sowie des Sieges gegen Norwegen negativ in Erinnerung. Langfristig soll die Partynacht aber auch einen positiven Lerneffekt für künftige Spielergenerationen haben. „Wir müssen viel besser verstehen, was Professionalität ist. An dem Tag, an dem wir die Verantwortung verstehen, werden wir Erfolg haben“, sagte Sportdirektor Suhonen, der gleichzeitig auch mehr Respekt der Spieler untereinander forderte. „Es gefällt mir nicht, dass Spieler aufeinander zeigen“, sagte der Finne.

Auf der Suche nach Verteidigern

Jene Spieler, die unter dem Eindruck von Sotschi, ohne Namen zu nennen, öffentlich auf ihre Kollegen und den Verband zeigten, sind im Kader für Südkorea nicht zu finden. Robert Lukas und Matthias Trattnig ließen ihrem Ärger über das Verbandvorgehen in Zeitungsinterviews freien Lauf, beendeten ihre Teamkarriere (Lukas) bzw. sagten für Südkorea (Trattnig) ab. Da beide Verteidiger sind, steht Teamchef Viveiros nun vor einem Problem.

Neben Lukas beendeten auch Thomas Pöck, Andre Lakos und Gerhard Unterluggauer, allerdings nicht wegen Sotschi, ihre Teamkarrieren. Da Stefan Ulmer verletzt ist und Florian Iberer wenig überraschend für die B-WM kein Thema war, steht mit Mario Altmann nur noch einer der acht Verteidiger von Olympia zur Verfügung. Viveiros flüchtete sich daher in Zweckoptimismus: „Es ist der richtige Moment, jungen Spielern eine Chance und die Erfahrung zu geben“, sagte Viveiros, der mit dem jüngsten Nationalteam aller Zeiten am Donnerstag in Wien gegen Slowenien und Sonntag in Ungarn testet und am Dienstag in einer Woche nach Südkorea fliegt.

Keine Aufstiegsgarantie

Dass mögliche routinierte Alternativen offiziell aus persönlichen Gründen oder inoffiziell aus Ärger über den Verband dem Team den Rücken kehrten, ist zumindest Sportdirektor Suhonen egal: „Jeder kann sagen, wenn er nicht mehr will. Es ist eine freie Welt.“ Dass sich im Kader aber auch Partygäste von Sotschi befinden, fällt für die Verantwortlichen unter das Motto „zweite Chance“. Frei aufspielen will daher auch Viveiros mit seiner jungen Mannschaft. „Wir haben viel Vertrauen in die Spieler und haben eine gute Chance in diesem Turnier. Aber ich kann nicht sagen, dass wir nächstes Jahr in der A-Gruppe spielen“, sagte der Austro-Kanadier.

Für Viveiros könnte das Turnier in Südkorea das letzte in der Funktion des Teamchefs sein. Auch wenn offiziell niemand davon spricht. „Jetzt konzentrieren wir uns auf die B-WM“, sagte Sportdirektor Suhonen, „nach Korea werden wir über das gesamte Bild sprechen.“ Der von der Partypartie in Sotschi losgetretene Umbau hat im Hintergrund aber schon längst begonnen. Mit Dieter Kalt junior und Christoph Brandner hat Viveiros neben Rob Daum neue Assistenten anstelle des Schweizers Christian Weber. Das Duo soll auch dafür sorgen, dass es von der Eishockeyversion der Filmkomödie „Hangover“ keinen zweiten oder gar dritten Teil gibt.

Karl Huber, ORF.at

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