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1:17 Minuten unter der alten Bestmarke

Der 31. Vienna City Marathon (VCM) hat am Sonntag eine fantastische Siegerzeit gebracht. Getu Feleke triumphierte nach 42,195 Kilometern in 2:05:41 Stunden und pulverisierte damit den Streckenrekord von Henry Sugut aus dem Jahr 2012 gleich um 1:17 Minuten. Mit dem Erfolg des Äthiopiers riss auch die sieben Rennen währende VCM-Siegesserie der kenianischen Läuferphalanx.

Auf Rang zwei landete mit einem Rückstand von 2:47 Minuten der Kenianer Alfred Kering (2:08:28), Dritter wurde sein Landsmann Philip Kimutai (2:08:58). Bester Österreicher wurde Christian Pflügl, der als Elfter 2:18:00 Stunden benötigte und damit das Limit für die Leichtathletik-EM in Zürich um exakt eine Minute verpasste.

Bei den Damen siegte Anna Hahner nach dramatischen letzten Metern. Die Deutsche fing die völlig ausgepumpte Caroline Chepkwony, die nach dem Rennen mit Infusionen behandelt werden musste, noch ab und gewann in 2:28:59 Stunden 19 Sekunden vor der Kenianerin.

Teilnehmerfeld

APA/Herbert Pfarrhofer

Der Start auf der Reichsbrücke bot einmal mehr eine imposante Kulisse

Hohes Tempo von Beginn an

Der Streckenrekord der Herren war von Beginn an im Visier, denn die Topleute schlugen ein hohes Tempo an. Beim Schloss Schönbrunn lag die Spitze bereits eine Minute unter dem Streckenrekord, zur Halbzeit lag die Durchgangszeit klar unter den angepeilten 1:03 Stunden. Sugut hatte da schon keine Chance auf die Titelverteidigung. Der 28-Jährige lag stets am Ende des Spitzenfeldes, ehe er auf der Mariahilfer Straße endgültig abriss und später sogar aufgab. Der dreifache VCM-Sieger musste damit seinen Traum vom Rekorderfolg in Wien begraben.

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An der vier Läufer umfassenden Spitze gab es ein beinhartes Ausscheidungsrennen, in dem Feleke klar der stärkste Läufer war. Bei Kilometer 30 stieg der letzte der drei Pacemaker aus. Wilfred Kirwa Kigen, Felix Kiprotich und Kimutai konnten sich allerdings nur ganz kurz im Windschatten von Feleke halten. Der Äthiopier drehte noch einmal an der Temposchraube und konnte sich absetzen. Die Konkurrenz fiel weit zurück, denn Feleke funktionierte wie ein Uhrwerk, spulte Kilometerzeiten unter drei Minuten ab und lief dem Solosieg entgegen.

Getu Feleke beim Zieleinlauf

APA/AP/Ronald Zak

Nach 42,195 Kilometern hatte Feleke noch Kraft für ein entspanntes Siegerlächeln

Für Feleke war fast „alles super“

Seine persönliche Bestzeit vom Rotterdam-Marathon 2012 verpasste er aber um 51 Sekunden. „Es war ein sehr gutes Rennen für mich. Nur der Wind hat mich auf den Kilometern 24 bis 26 ein wenig gestört, aber sonst war alles super“, freute sich Feleke. „Nachdem die Tempomacher aufgehört haben, war ich alleine. Ich hätte unter 2:04 laufen können“, glaubte der 27-Jährige, der am Ende auch von Magenproblemen geplagt wurde. „Da konnte ich dann nicht mehr schneller laufen“, gestand Feleke, der das Ambiente in Wien trotzdem sehr genoss.

Die 24-jährige Hahner rechnete indes nicht mehr wirklich mit ihrem Sieg, lag sie doch bei Kilometer 32 knapp eine Minute hinter Chepkwony. Am Ende durfte sie sich aber über den größten Erfolg ihrer noch jungen Laufkarriere freuen. „Ich kann es selbst kaum glauben, weil alles so überraschend kam. Zuerst bin ich auf dem vierten Platz vorgelaufen, dann war ich Dritte und Zweite. Dann haben alle gerufen, dass Caroline fast steht. Als ich dann vorbei war, traute ich mich gar nicht, mich umzudrehen, und habe nur noch gehofft, dass es reicht.“

Anna Hahner beim Zieleinlauf

APA/AP/Ronald Zak

Anna Hahner war von ihrem überraschenden Sieg überwältigt

Pflügl mit VCM-Debüt zufrieden

Nicht ganz gereicht hat es für Pflügl mit dem angestrebten A-Limit für die EM. Der Oberösterreicher, der mit Luke Kibet (Wien-Sieger und Weltmeister 2007) einen prominenten Pacemaker hatte, war mit seinem VCM-Debüt dennoch zufrieden. „Wien war vom Start bis ins Ziel Erlebnis pur. Gratulation an die Organisatoren“, bilanzierte der 35-Jährige. „Leider ist der Tempomacher schon bei Kilometer 30 raus, er hätte bis 35 laufen sollen“, sagte Pflügl, der mit erreichter B-Norm aber auf ein Antreten in der Schweiz hofft.

Beste Österreicherin im Marathon wurde Karin Freitag (2:52:01) als Achte. Nur einen Platz davor landete die japanische Mitfavoritin Mai Ito (2:35:15), die lange mit Chepkwony mitgelaufen war.

Andrea Mayr gewinnt Halbmarathon

Beim Damen-Halbmarathon gab es indes einen österreichischen Sieg. Andrea Mayr gewann in 1:13:46 vor der Dänin Malene Munkholm (1:21:27) und ihrer Landsfrau Katharina Zipser (1:22:11). Bei den Männern setzte sich der Ire Mick Clohisey (1:06:30) vor den Österreichern Christian Kresnik (1:11:28) und Alexander Weiß (1:12:30) durch.

Mayr war mit ihrer Leistung, mit der sie österreichische Jahresbestzeit markierte, zufrieden. „Als ich auf den Heldenplatz gekommen bin, habe ich an 2009 denken müssen, als ich meinen großen Triumph im Marathon gefeiert habe. Heute habe ich das im Kleinen noch einmal erleben dürfen“, sagte die Turnusärztin, die aufgrund ihrer Berufsausübung nicht mehr so viel Zeit zum Trainieren hat wie in ihrer Hochzeit, als sie Rekorde im Marathon (2:30:43 beim VCM-Sieg 2009) und Halbmarathon (1:11:49) aufgestellt hatte.

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