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„War vorübergehend ein Pflegefall“

Mit Günther Weidlinger hat am Montag einer der vielseitigsten und erfolgreichsten österreichischen Leichtathleten das Ende seiner internationalen Karriere bekanntgegeben. Der 36-Jährige teilte am Montag in einer Pressekonferenz in Linz mit, dass er aus gesundheitlichen Gründen nur noch nationale Einsätze plane.

Anfang April hatte Weidlinger seinen Start beim Halbmarathon in Linz abgesagt. Der Oberösterreicher hatte laut seinem Trainervater Heinrich Weidlinger während des Trainings einen Schwächeanfall erlitten und musste deshalb auf den Linz-Start verzichten. Das große Ziel für 2014 war die Teilnahme an den Europameisterschaften in Zürich gewesen, doch der Kollaps („Ich war vorübergehend ein Pflegefall“) läutete das Umdenken ein.

Günther Weidlinger in Sydney 2000

GEPA/Hans F. Punz

Seinen größten Erfolg feierte Weidlinger bei Olympia 2000 in Sydney als Achter

„Dass ich jetzt aufhöre, fällt mir nicht leicht“

Er habe mittlerweile alle Untersuchungsergebnisse bekommen, die Befunde seien unauffällig, Weidlinger führt den Schwächeanfall auf Stress zurück. Dass er seinen dreieinhalbjährigen Sohn nicht mehr habe aufheben können, habe ihm zu denken gegeben. Die Entscheidung aufzuhören sei dann im Osterurlaub gefallen. „Da habe ich mitten in der Nacht die Presseerklärung in mein Handy getippt“, erzählte Weidlinger, der bei dem Pressegespräch in Linz mehrmals gegen die Tränen kämpfte. „Dass ich jetzt schon aufhöre, fällt mir nicht leicht.“

Weidlinger bedankte sich bei seinen Wegbegleitern, natürlich auch bei seinem Vater Heinrich Weidlinger, der ihn als Trainer durch all die Jahre geführt hatte. Neben der Gesundheit war aber auch die finanzielle Situation angespannter als sonst. Ende November 2013 hatte der Innviertler nach 15 Jahren als Heeressportler abrüsten müssen. „Ich habe zuletzt keine Förderung mehr bekommen. Ich hätte mir die Saison privat finanziert“, erklärte der Innviertler.

Größte Erfolge über 3.000 m Hindernis

Weidlinger ist auf sieben Freiluftdistanzen österreichischer Rekordhalter, von 1.500 m bis zum Marathon. Sein bestes Olympiaergebnis ist Platz acht 2000 in Sydney, bei Weltmeisterschaften erreichte er Rang neun 1999 in Sevilla und bei Europameisterschaften Platz sieben 2006 in Göteborg, jeweils über seine Paradedistanz 3.000 m Hindernis.

Sturz von Günther Weidlinger in Osaka 2007

GEPA/Wolfgang Grebien

Mit seinem Sturz in Osaka sorgte Weidlinger auch für internationales Aufsehen

Aber auch mit Stürzen und Missgeschicken machte er sich international einen Namen. Schmerzhaft wie spektakulär war der Vorfall bei der WM 2007 in Osaka, als er in der zweiten Runde unmittelbar vor der ersten Hürde zu Sturz kam und mit dem Gesicht voll gegen den Balken prallte. Er war 30 Minuten bewusstlos und erlitt Rissquetschwunden an Unterlippe und Unterkiefer.

Letzter großer Auftritt beim Frankfurt-Marathon

Mit einem Ausfall endeten auch die Sommerspiele 2012 in London, er zog sich eine Partialruptur am Ansatz der rechten Achillessehne zu. Bei seinen vier Sommerspielen war er jeweils in einer anderen Disziplin an den Start gegangen. Sein letzter großer Lauf war der Marathon am 27. Oktober 2013 in Frankfurt am Main, als er auf der Jagd nach seinem 2009 dort fixierten ÖLV-Rekord (2:10:47) nach 17 Kilometern aufgrund von muskulären Problemen im Oberschenkel aussteigen musste. Seinen letzten Wettkampf bestritt er am 31. Dezember 2013 in Peuerbach, als er beim Silvesterlauf auf Rang vier lief.

Weidlinger hat seit seinem Kollaps Anfang April nur ein 20-minütiges Training absolviert. Am Dienstag will er wieder in die Laufschuhe steigen. Für seine Zukunft als „Hobbysportler“, als solcher will er nationale Straßenläufe bestreiten und vielleicht auch bei Staatsmeisterschaften antreten. Fix ist sein Start am 28. Juni beim City-Run in Rohrbach. Aktuelle Sponsoren haben Interesse bekundet, auch in Zukunft mit ihm zusammenarbeiten zu wollen.

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