Viveiros übt heftige Kritik
Die Ablöse von Teamchef Emanuel Viveiros trotz geschafften Aufstiegs bei der B-WM in Südkorea hat dem Österreichischen Eishockey Verband (ÖEHV) nun eine Schlammschlacht beschert. Im Mittelpunkt: Viveiros und Sportdirektor Alpo Suhonen. In einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ rechnete der geschasste Teamchef mit dem Finnen ab. Und dieser konterte ebenso wortgewaltig.
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Am Montag hatte die ÖEHV-Spitze entschieden, den nach drei Jahren ausgelaufenen Vertrag mit Viveiros nicht zu verlängern. Eine Maßnahme, die aufgrund des Erfolges bei der WM der Division IA mit einem stark verjüngten Team doch überraschend schnell getroffen wurde. Schon in einer ersten Reaktion hatte Viveiros verdutzt reagiert, in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ legte der 48-Jährige nach. Zielscheibe seiner Abrechnung: Sportdirektor Suhonen.
Harte Bandagen
Per Telefon habe ihn der Finne über das Ende seiner Zeit als Teamchef informiert. „Er konnte oder wollte mir keine Gründe sagen“, wird Viveiros zitiert, „er hat nur gesagt: Manny, das ist so. Schließlich läuft dein Vertrag nicht mehr.“ Dass Viveiros und Suhonen nicht auf einer Wellenlänge lagen, war seit Amtsantritt des Finnen im Sommer 2012 zu spüren und für genaue Beobachter offensichtlich. Der Teamchef war noch ein Überbleibsel der Ära Giuseppe Mions, der als Verbandskapitän lange Jahre so etwas wie der Vorgänger Suhonens im Verband war.

GEPA/Martin Hörmandinger
Viveiros (l.) ließ sich zu harter Kritik an Suhonen hinreißen
„Meine Ablöse geht ausschließlich von Alpo aus“, so Viveiros, der dem Finnen die Präsidiumsentscheidung nicht abkauft: „Keiner dieser Leute hat je mit mir ein Gespräch gesucht.“ Der ehemalige Teamchef zweifelte in dem Zeitungsinterview auch die Qualifikation des Sportdirektors an. Der von Suhonen installierte und von Oktober 2012 bis April 2013 als U18-Trainer tätige Sakari Pietilä habe laut Viveiros „nicht einmal eislaufen“ können, weil er ständig so betrunken gewesen sei. Auch ein bei einer Coaches Clinic in Kapfenberg eingeladener finnischer Arzt „war sogar bei seinem Vortrag stockbetrunken“.
Den von Suhonen angekündigten Plan für Österreichs Eishockey kann zumindest Viveiros nicht erkennen. „Es gibt kein Programm. Keiner weiß, was passieren soll. Der Verband ist planlos. Nur ist es verboten, das zu hinterfragen“, wird der 48-Jährige zitiert. Mit seiner eigenen Arbeit ist Viveiros zufrieden. „Wir waren in eine gute Richtung unterwegs“, sagte der Austrokanadier mit Hinweis auf die Aufstiege 2012 und eben heuer, so wie die geschaffte Olympiaqualifikation für Sotschi. Das Ende seiner Zeit bezeichnete Viveiros als „Tiefpunkt in meinem Leben“.
„Viveiros lügt“
Sportdirektor Suhonen reagierte auf die Vorwürfe seines ehemaligen Mitarbeiters ebenfalls mit starken Worten. „Viveiros lügt. Und das weiß er auch ganz genau“, wird der Finne ebenfalls in der „Kleinen Zeitung“ zitiert. Viveiros, der behauptete, Suhonen habe ihm negative Ergebnisse bei einem Testturnier als Grund für das Ende seiner Tätigkeit als Teamchef genannt, sei nicht so erfolgreich gewesen. „Wir haben sechs von sieben Mal gegen Slowenien verloren. Gegen Deutschland zwei von drei Spielen verloren und gegen Frankreich nie gewonnen. Wo ist hier eine Weiterentwicklung?“
Auch die Kritik an der Tätigkeit des Sportdirektors schmeckte dem 65-Jährigen nicht. „Herrn Viveiros steht es nicht zu, mich zu fragen, was ich hier mache. Ich muss Herrn Viveiros fragen, was er hier macht? Ich bin sein Vorgesetzter, sein Arbeitgeber“, so Suhonen, „nicht der Verband und nicht ich haben kein Programm und keine Pläne. Manny Viveiros hat uns bis heute kein einziges strukturiertes Programm vorlegen können.“ Das Ende der Zusammenarbeit sollte zudem nicht über Telefon, sondern in einem persönlichen Gespräch in Klagenfurt erfolgen. Laut Suhonen lehnte Viveiros das jedoch ab.
Teamchef-Frage offen
ÖEHV-Präsident Dieter Kalt stärkte seinem Sportdirektor den Rücken. „Ich weiß nicht, wie Manny darauf kommt, dass ich mich nach der WM in Südkorea nicht bei ihm gemeldet hätte. Ich habe ihm am 28. April von meinem Büro in Wien aus ein E-Mail geschickt“, wird Kalt zitiert, „ich habe ihm mitgeteilt, dass sich das Präsidium entschieden hätte, dass sein Vertrag nicht mehr verlängert wird.“ Der 72-Jährige, der 2016 genug vom Präsidentsein hat, wunderte sich auch über die Aufregung vonseiten des Trainers. Denn schon vor dem Turnier in Südkorea soll Viveiros einem Journalisten seinen Plan nach einer Jobveränderung preisgegeben haben.
Die Entscheidung über Viveiros’ Nachfolger soll im Gegensatz zu jener bezüglich der Zukunft des Austrokanadiers im ÖEHV erst nach einem „Time-out“ fallen. Mit der Suche nach dem neuen Teamchef soll in den kommenden Wochen begonnen werden. Wer auch immer schließlich auf Empfehlung Suhonens installiert wird, könnte im Sommer 2015 vor einem ähnlichen Dilemma wie Viveiros im Sommer 2012 stehen. Sprich einem neuem Boss. Denn der Vertrag mit Sportdirektor Suhonen läuft nur noch ein Jahr. Und der Finne könnte nach der aktuellen Schlammschlacht die Lust verloren haben, sein Gehalt darüber hinaus vom Verband zu kassieren.
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