Mit „Herz und Leidenschaft“ gegen Sturm
Außenseiter St. Pölten setzt am Mittwoch im ÖFB-Samsung-Cup-Halbfinale gegen Sturm Graz in der NV-Arena (20.30 Uhr, live in ORF eins) einmal mehr auf den „Baumgartner-Faktor“. Der Trainer der Niederösterreicher gilt als Cupspezialist und hat bisher alle 13 Partien als Betreuer der Red Bull Juniors, Vorjahrescupsieger Pasching und St. Pölten gewonnen.
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Gerald Baumgartner beerbte Anfang September den langjährigen St.-Pölten-Trainer Martin Scherb nach einer Niederlagenserie und leitete mit dem 4:3-Cuperfolg beim LASK die Wende ein. In der Folge ging es auch in der Ersten Liga stetig bergauf. Drei Runden vor Saisonschluss ist der Vizemeistertitel hinter dem dominierenden Aufsteiger Altach noch möglich. Im Interview mit ORF.at blickt der Salzburger auf den Cupschlager gegen Sturm Graz und spricht über seine Ziele mit dem SKN. Auch zum gescheiterten Wechsel in die Bundesliga zu Grödig nimmt der 49-Jährige Stellung.
ORF.at: St. Pölten kämpft gegen Sturm Graz um den Einzug ins ÖFB-Cupfinale. Nach vier Auswärtspartien in dieser Cupsaison hat der SKN nun zum ersten Mal Heimvorteil. Was ist für Ihre Mannschaft möglich?
Baumgartner: Wir freuen uns sehr auf dieses Match, denn endlich haben wir ein Heimspiel. Mit Sturm kommt zudem ein attraktiver Gegner, der 1.500 Fans mitbringt. Ich bin mir sicher, dass die NV-Arena ausverkauft sein wird. Das war erst einmal bei der Eröffnung vor knapp zwei Jahren der Fall. Wenn der Funke von den Zuschauern auf die Spieler überspringt, können wir vielleicht unsere kleine Chance nützen. Wir werden mit Herz und Leidenschaft auftreten und alles versuchen. In einem Spiel kann man in Österreich viel erreichen.
ORF.at: Der SKN hat im Viertelfinale mit Ried bereits einen Bundesligisten eliminiert. Jetzt wartet mit Sturm die nächste schwierige Aufgabe. Wie schätzen Sie den Gegner ein?
Baumgartner: Ich habe Sturm zuletzt zweimal gegen den WAC (1:0) und Wiener Neustadt (1:2) beobachtet. Sie sind auf jeder Position besser als mein Team besetzt und haben besonders in der Offensive mit Florian Kainz, Marco Djuricin und Robert Beric sehr gute Spieler. Auch wenn die Grazer in der Liga nicht immer beständig waren, sind sie klarer Favorit. Sie haben allerdings einen ganz anderen Druck als wir, denn für sie ist der Cup die letzte Europacup-Chance. Die wissen auch, dass eine Finalteilnahme zu 99 Prozent das Europacup-Ticket bedeuten würde, denn mit Salzburg muss man im Endspiel rechnen. Ansonsten müsste in Horn schon ein „kleines Düdelingen“ passieren.

GEPA/Walter Luger
In der NV-Arena soll gegen Sturm Cupgeschichte geschrieben werden
ORF.at: Sie sind ein absoluter Cupspezialist und haben als Trainer von 13 Spielen noch kein einziges verloren. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Baumgartner: Ich erwarte, dass meine Spieler in jedem Spiel alles geben. Genau in solchen Spielen muss jeder an seine Grenzen gehen. Der Sieg in Ried hat uns gezeigt, dass es auch gegen Sturm funktionieren kann. Wenn man diesen Bewerb ernst nimmt, dann entwickelt sich ein eigener „Cupspirit“. Und wenn man so weit kommt, dann will man auch ins Endspiel. Das Finale mit St. Pölten wäre eine schöne Sache. Ich weiß, wovon ich rede. Der Cupsieg mit Pasching im vergangenen Jahr gegen die Wiener Austria war der bisherige Höhepunkt meiner Trainerkarriere. Den Pokal im Happel-Stadion in die Luft zu stemmen, war wunderschön.
ORF.at: Ihre Erfolge als Trainer haben auch das Interesse von anderen Clubs geweckt. Grödig hat sich am intensivsten um Sie als Hütter-Nachfolger bemüht. Weshalb ist der Wechsel in die Bundesliga nicht zustande gekommen?
Baumgartner: Ich bin bis Sommer 2015 vertraglich an St. Pölten gebunden, der Verein hat mich nicht ziehen lassen. Wir haben eine Aufbruchstimmung und wollen nächste Saison um den Aufstieg mitspielen. Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, die Euphorie zu nützen. Leider muss der Club sparen und das Budget kürzen. Insofern ist es schade, dass mir die Möglichkeit genommen wurde, in die Bundesliga zu wechseln. Immerhin gibt es dort nur zehn Trainerposten. Natürlich wäre ich als gebürtiger Salzburger gerne zu Grödig gegangen. Ich möchte aber betonen, dass ich sehr gerne in St. Pölten arbeite. Das ist ein toller Verein mit einem tollen Umfeld und einem super Stadion.

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„Leitwolf“ Andreas Dober (2. v. l.) und Co. bauen auf ihre Heimstärke
ORF.at: Sie haben Anfang September 2013 Langzeittrainer Martin Scherb als Trainer in St. Pölten abgelöst. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz beim SKN aus?
Baumgartner: Wir sind auf einem guten Weg und wieder auf Kurs. Die Mannschaft hat seit meinem Amtsantritt voll mitgezogen und tritt vor allem in der NV-Arena so dominant auf, wie ich mir das erwarte. Dort haben wir uns zu einer echten Heimmacht entwickelt und seit September noch kein Pflichtspiel verloren. In der Liga wollen wir in den letzten drei Runden noch den zweiten Platz holen. Aufsteiger Altach war in sportlicher und finanzieller Hinsicht der Konkurrenz überlegen.
ORF.at: Die „Übermacht“ Altach spielt in der kommenden Saison in der Bundesliga. Ist nun der Weg für St. Pölten frei?
Baumgartner: Ich bin sehr erfolgsorientiert und verlange sehr viel von der Mannschaft und von mir selbst. Daher will ich so schnell als möglich in die Bundesliga, am liebsten natürlich mit dem SKN. Es ist aber ein harter Weg, bis wir dort sind, wo wir hinwollen. Die Erste Liga ist sehr ausgeglichen, im Prinzip kann fast jeder jeden schlagen. Wir brauchen auf jeden Fall die eine oder andere Verstärkung, um die Qualität im Kader anzuheben und Ausfälle verkraften zu können.
Das Gespräch führte Rainer Titsch, ORF.at
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