Ärger beim Red-Bull-Boss
Sportlich hat RB Leipzig den Aufstieg in die zweite deutsche Bundesliga geschafft. Doch die Zukunft der deutschen Abteilung des Getränkekonzerns Red Bull hängt an einem seidenen Faden. Am Donnerstag lehnte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Beschwerde des Clubs gegen die mit der Lizenz verbundenen Auflagen ab. Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz zeigte sich „not amused“.
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Mit einem 5:1 gegen Saarbrücken fixierte Leipzig am Wochenende den Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse. Doch die Überzeugung, dass auch die genehmigte Lizenz in Kürze auf dem Tisch liegen würde, erfüllte sich nicht. Denn anders als bei der Drittligalizenz, die RasenBallsport Leipzig ohne Probleme erhielt, knüpft die Liga an die Zweitligalizenz Auflagen, die Mateschitz’ Plan in Deutschland gehörig aus dem Konzept und an den Rand des Scheiterns bringen. Denn eine weitere Saison in der dritten Liga schloss der Konzernchef aus.
„Bin im falschen Film“
Die DFL verlangt von RB Leipzig eine Logoänderung, Umbesetzungen in den Führungsgremien und die Senkung des Mitgliedsbeitrags inklusive Wegfall der Eintrittsbarrieren. Für Red-Bull-Chef Mateschitz sind diese Auflagen ein Schlag ins Gesicht. „Vielleicht will man ganz einfach nicht, dass wir mit Leipzig an der Bundesliga teilnehmen. Jetzt, wo alles sportlich funktioniert, droht das Aus“, sagte Mateschitz in einem Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“ vom Donnerstag.

GEPA/Roger Petzsche
Nach der Aufstiegsfeier in Leipzig folgte das böse Erwachen
„Man verlangt von uns vor allem - und zwar schriftlich -, dass wir auf jedwedes Mitspracherecht im Verein verzichten“, wird der 69-Jährige zitiert. „Das heißt im Klartext, dass wir zwar weiterhin Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe tätigen dürfen, aber gleichzeitig unseren Entmündigungsantrag unterschreiben sollen.“ Der gebürtige Steirer wollte seine Wut über das Vorgehen der deutschen Liga gar nicht verbergen. „Ich dachte, ich bin im falschen Film“, so Mateschitz.
Auf das Mitspracherecht im Verein zu verzichten, lehnt Mateschitz ohne Kompromisse ab. Für den Red-Bull-Boss kommt diese Auflage „einem unsittlichen Antrag“ gleich. Sportlicher Erfolg ist für den 69-Jährigen so nicht gegeben. „Ich glaube nicht, dass wir auf diese Art und Weise mit Sebastian Vettel viermal Formel-1-Weltmeister geworden wären“, sagte der Milliardär, der auch einen Ausstieg bei Leipzig in den Raum stellte. „Wir versuchen nach wie vor, einen Konsens mit der DFL zu finden. Aber wir wollen auch niemanden zwangsbeglücken, das haben wir ehrlich gesagt auch nicht notwendig“, so der Steirer.
50+1-Regel wird umgangen
RB Leipzig ist den Ordnungshütern der deutschen Liga, die sich als letzte Bastion gegen die Kommerzialisierung des Fußballs sieht, seit dem Einstieg von Mateschitz 2009 ein Dorn im Auge. Leipzig verstößt zwar nicht formal gegen die der Liga heilige 50+1-Regel, die verhindert, dass Investoren einen Club übernehmen können. Aber die Regelung wird geschickt umgangen. Der Verein hat nur neun stimmberechtigte Mitglieder, allesamt Mitarbeiter oder Beauftragte von Red Bull. Der eingesetzte Ehrenrat vereint alle Machtbefugnisse auf sich, alle drei Ratsmitglieder sind zugleich Vertraute der Führungsebene von Red Bull.
Auch der neue Vorstandsvorsitzende Oliver Mintzlaff, früher Berater von Sportdirektor Ralf Rangnick, befindet sich seit 1. Jänner in einem Angestelltenverhältnis mit dem Konzern. Eine hohe Hürde, die jedoch nach dem deutschen Vereinsrecht zulässig ist, stellt der jährliche Mitgliedsbeitrag von 800 Euro dar. Schließlich stößt sich die DFL am Vereinslogo des Clubs, das zu eng an das Firmenlogo von Red Bull angelehnt sein soll. Zu Jahresbeginn soll zwar eine neue Vereinssatzung beschlossen worden sein, diese wurde vom Amtsgericht Leipzig bislang aber noch nicht anerkannt.
Unverständnis beim Trainer
Trainer Alexander Zorniger und Kapitän Daniel Frahn äußerten sich am Donnerstag schockiert über die Ablehnung des Protestes. „Ich frage mich, warum wir vom DFB die Lizenz kriegen, die wir von der DFL nicht bekommen“, sagte Zorniger. Auch Torjäger Frahn war ernüchtert: „Das ist für uns schon komisch, so etwas jetzt lesen zu müssen, wo wir sportlich aufgestiegen sind.“ Obwohl in Leipzig auch gerade eine Fußballakademie für 35 Millionen Euro gebaut wird, Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Zorniger mitten in den Zweitligaplanungen sind, droht das von vielen ungeliebte Projekt plötzlich zu scheitern.
Schon bei der Gründung des Clubs vor fünf Jahren war Red Bull von der Liga gewarnt worden, damals kam Mateschitz mit beschwichtigenden Aussagen noch einmal davon. Eine Entscheidung über die Lizenz für RB Leipzig fällt am 28. Mai bei der Tagung des Lizenzierungsausschusses in Frankfurt am Main. Sollte die Liga bei ihrer Linie bleiben - und davon ist nach der in allen Punkten abgelehnten Beschwerde auszugehen -, droht der Streit zwischen den „Bullen“ und der DFL zum Fall für die ordentlichen Gerichte zu werden.
„Wir treffen keine Entscheidung für oder gegen Leipzig, wir treffen eine Entscheidung über die Teilnahme an diesem Wettbewerb. Und das nach den Regeln, die sich die Clubs selbst gegeben haben“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert laut der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ am Donnerstag. Eine offizielle Stellungnahme der Liga wird es erst wieder am 28. Mai nach der Entscheidung geben.
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