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Defensive stellt Frankreich kalt

Österreichs Nationalteam greift bei der 13. Ausgabe der Europameisterschaft im American Football nach Gold. Die Mannschaft von Teamchef Jakob Dieplinger besiegte im entscheidenden Gruppenspiel am Mittwoch in Graz Frankreich mit 28:9 (14:3) und sicherte sich damit das Finalticket. Gegner im Endspiel am Samstag im Wiener Ernst-Happel-Stadion ist Titelverteidiger Deutschland.

Vor der Grazer Rekordkulisse von 9.800 Zuschauern legten die Österreicher dank zweier Touchdowns von Runningback Andreas Hofbauer einen Start nach Maß hin. Mit einer überragenden Defensivleistung gegen die Franzosen, vor vier Jahren noch Vizeeuropameister, gab Österreich die Führung nicht mehr her und erzielte dank Laurinho Walch und Manuel Thaller weitere Touchdowns zur richtigen Zeit. Damit hat die EM 2014 ihr Traumfinale (Samstag, 19.00 Uhr live in ORF Sport + und im Livestream) und Österreich die Chance zum ersten Titel in der Geschichte des heimischen Football-Sports.

Szene aus Football Match

APA/Erwin Scheriau

Selbst von Regenschauern waren die Österreicher nicht zu stoppen

Traumstart im strömenden Regen

Die Franzosen hatten beim Einmarsch plakativ ihre Fahne in den Rasen der UPC Arena gepflanzt, den ersten Punktesieg feierten aber so wie gegen Dänemark die Österreicher. Als nominelles Gastteam entschied sich Quarterback Christoph Gross beim Münzwurf für die richtige Seite und holte das erste Angriffsrecht auf die Seite der Österreicher. Und rechtzeitig zu Spielbeginn öffnete auch der Himmel seine Schleusen und sorgte für richtiges Football-Wetter.

Angestachelt von den Fans, legten die Österreicher gleich los wie die Feuerwehr. Ein missglückter Trickspielzug gleich zu Beginn brachte Gross und Co. nicht aus dem Konzept. Rot-Weiß-Rot marschierte 80 Yards über das Feld. Zwei spektakulär gefangene Pässe von Clemens Erlsbacher und ein langer Lauf von Hofbauer legten den Grundstein zur Führung. Hofbauer selbst vollendete mit einem 19-Yard-Sturmlauf in die Endzone und riss die Zuschauer von den Sitzen - ein Start nach Maß aus heimischer Sicht.

Hofbauer legt nach

Die Franzosen schienen von der Aggressivität der Österreicher zu Beginn überrascht. Im strömenden Regen endete ihr erster Angriff nach drei Versuchen mit einem Punt. Und aus dem schlugen die Österreicher gleich wieder Kapital. Zuerst verhinderte Erlsbacher mit einem schönen Return eine Angriffsserie an der eigenen Ein-Yard-Linie. Stattdessen begann Österreich an der 30-Yard-Linie. Und nur Sekunden später stand es 14:0 für die Gastgeber. Hofbauer fand die Lücke in der französischen Abwehr und stoppte erst nach der Torlinie. Das war eine Aktion für Football-Feinspitze.

Andreas Hofbauer

APA/Erwin Scheriau

Hofbauer sorgte für die frühe Vorentscheidung

Frankreich stand vorzeitig das Wasser bis zum Hals - und das nicht nur aufgrund der Wassermassen, die sich über die Spieler ergoss. Aber je stärker es regnete, umso besser fanden die Franzosen in der Offensive zu ihrem Spiel. Die Abwehr der Österreicher hatte alle Hände voll zu tun. Je näher sich Frankreich jedoch der Endzone näherte, umso sicherer agierten die Gastgeber, angeführt vom überragenden Andreas Lunzer. Das war gut so, denn im Regen lief bei den Österreichern offensiv in dieser Phase nicht viel zusammen.

Abwehr stemmt sich dagegen

Rechtzeitig zu Beginn des zweiten Viertels hatte der Wettergott wieder ein Einsehen mit den durchweichten Spielern. Auch wenn die Franzosen weiter den ersten Punkten nachliefen, drängten sie die Österreicher weit in deren Hälfte zurück. Doch Rot-Weiß-Rot stemmte sich dagegen und wurde belohnt. Markus Krause fing einen Pass von Quarterback Perez Mattison ab und ließ den 40-jährigen Spielmacher der Franzosen alt aussehen.

Aber die Franzosen blieben im Spiel. Denn mittlerweile hatten sich „Les Bleus“ auf die Angriffe der Österreicher eingestellt. Quarterback Gross war nun mehr unter Druck und brachte seine Pässe daher nicht mehr an. Zweimal musste der Spielmacher auch zu Boden. Mit 14:3 ging es schließlich in die trockene Kabine - weil Erlsbacher als letzter Mann einen Punt-Return-Touchdown von Guillaume Rioux unterbinden konnte, Defensivback Lunzer alles verteidigte, was in seine Richtung geworfen wurde, und Frankreichs Kicker Boris Bede daher nur ein Fieldgoal aus 35 Yards erzielen konnte.

Walch mit „Big Play“

Frankreich blies in der zweiten Hälfte zum Angriff. Gleich mit der ersten Angriffsserie näherten sich die Franzosen gefährlich der österreichischen Endzone. Stefan Ruthofer verhinderte aber letztlich einen erfolgreichen Touchdown-Pass. Und es kam für die Österreicher noch besser: Bede, ansonsten ein Mann mit einem sicheren Fuß, setzte seinen zweiten Fieldgoal-Versuch an diesem Abend aus 34 Yards sehr zum Ärger seines Coaches Larry Legault an die Stange.

Ein Fehler, den die Österreicher sofort bestraften. Quarterback Gross fand auf der rechten Seite mit einem weiten Pass über 45 Yards Walch, und der Wide Receiver war auf dem Weg zum dritten rot-weiß-roten Touchdown nicht mehr aufzuhalten. Schon zuvor hatte Thomas Haider mit einem schönen Lauf nach Pass von Gross die Angriffsserie am Leben gehalten. Das Traumfinale gegen Deutschland war nach dem „Big Play“ von Walch zum genau richtigen Zeitpunkt zum Greifen nahe, die Stimmung in der UPC Arena auf dem Höhepunkt.

Kurioser Touchdown

Österreich wurde aber auch mit der relativ deutlichen Führung im Rücken nicht übermotiviert. Die Defensive, obwohl sehr oft auf dem Feld, drehte den Angriffsversuchen der Franzosen immer wieder das Gas ab. Offensiv setzte Teamchef Dieplinger verstärkt auf Laufspiel, um möglichst viel Zeit von der Spieluhr zu nehmen und Frankreich nicht in Ballbesitz kommen zu lassen. Und wenn Runningback Hofbauer gestoppt wurde, schüttelte Quarterback Gross im richtigen Moment einen schönen Pass aus dem Ärmel

1:16 Minuten vor dem Ende des dritten Viertels stieß Thaller mit einem kuriosen Touchdown die Tür zum Finale noch weiter auf. Der Tight End bekam einen Pass von Gross auf Erlsbacher von einem französischen Verteidiger genau in die Hände abgewehrt. Auch das gilt als gefangener Pass. Während die Franzosen ihr Pech kaum fassen konnten, jubelten die Österreicher über den vierten Touchdown. Auch der Extrapunkt von Christopher Kappel saß, so wie bisher immer bei dieser EM, sicher.

Finale als Belohnung

Die Franzosen versuchten es nun mit der Brechstange. Doch was auch immer Quarterback Mattison und seine Kollegen versuchten, die österreichische Abwehr hatte das richtige Gegenmittel. Die Zuschauer skandierten bereits „Finale, Finale“. Dass Kappel seinen ersten Fieldgoal-Versuch verkickte, ging im Jubel der Fans unter. Die konzentrierten sich ohnehin schon längst darauf, dass die Welle auf den Rängen gut funktionierte.

Am Ende wurde der Wunsch der Zuschauer erfüllt. Den Franzosen blieb hingegen ein Comeback verwehrt, auch weil die Österreicher in der entscheidenden Phase das Glück bei einigen Entscheidungen der Referees auf ihrer Seite hatten. Der Ehren-Touchdown von Franck Bozec blieb die einzige Ausbeute von „Les Bleus“. Die Revanche für die 16:24-WM-Niederlage war damit mehr als geglückt. Als Belohnung wartet am Samstag das Finale gegen Deutschland. Und damit die Chance, noch mehr Historisches zu schaffen.

Karl Huber, ORF.at, aus Graz

Stimmen zum Spiel

Österreich-Head Coach Jakob Dieplinger: „Wir haben ein sehr starkes Team Frankreich erwartet, vor allem eine starke D-Line. Unser Fokus lag darauf, schnell zu starten und schnell zu Scores zu kommen. Das ist uns gelungen. In den Spielen davor hatten wir zu Beginn Probleme, offensiv unseren Rhythmus zu finden. Unsere ganze Konzentration richtet sich jetzt auf das Finale gegen Deutschland, auf das wir uns sehr freuen.“

Frankreich-Headcoach Larry Legault: „Wir waren nicht davon überrascht, was die Österreicher gespielt haben, sondern davon, wie stark sie gespielt haben. Die frühen Touchdowns von Österreich vor dem Starkregen, der beide Offenses stark behindert hat, hat Österreich in die Hände gespielt. Wir müssen die Niederlage nun wegstecken. Gegen Finnland wollen wir eine Medaille holen.“

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