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In die Jahre gekommen

Seit 1977 ist das Hanappi-Stadion in Hütteldorf die Heimstätte von Rapid. Doch „St. Hanappi“, wie es seit den Zeiten von Coach Josef Hickersberger auch gerne genannt wird, soll bald ausgedient haben. Der Stadionneubau wird konkret - zurück bleiben ein prominenter Namensgeber des Stadions und eine abwechslungsreiche Geschichte.

Nachdem Rapid über Jahrzehnte hinweg seine Heimspiele auf der legendären Pfarrwiese ausgetragen hatte, entschloss man sich in den 1970er Jahren zu einem Neubau in der Nachbarschaft. Mit der Planung beauftragt wurde der ehemalige Rapid- und ÖFB-Teamspieler Gerhard Hanappi, der nach seiner Fußballkarriere die Architektenlaufbahn eingeschlagen hatte.

Gerhard Hanappi Stadion

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Im Hanappi-Stadion wurden immer wieder Umbauarbeiten vorgenommen

Das Weststadion wurde am 10. Mai 1977 mit einem 1:0-Derby-Sieg Rapids gegen die Austria eröffnet. Nachdem Hanappi im Alter von 51 Jahren 1980 an Lymphdrüsenkrebs gestorben war, wurde das Stadion nach ihm benannt. Zwischen 2001 und 2003 gab es zahlreiche Umbauten, so wurden etwa alle vier Tribünen vollständig überdacht. Das Stadion ist seither für 17.500 Zuschauer zugelassen.

„Wunder in Hütteldorf“

Und diese erlebten viele mitreißende Partien im Westen Wiens. Nicht nur in der heimischen Bundesliga, sondern auch auf internationaler Ebene feierte man große Erfolge. Das wohl legendärste Rapid-Spiel in der 115-jährigen Vereinsgeschichte ging am 20. März 1985 im Hanappi-Stadion in Szene. Im Viertelfinal-Rückspiel des Europacups der Cupsieger gegen Dynamo Dresden spielten Hans Krankl, Anton Panenka und Co. wie von einem anderen Stern und deklassierten den DDR-Club nach einem 0:3 im Hinspiel mit 5:0. „Es ist ein Wahnsinn. Das war die beste Rapid-Mannschaft, in der ich je gespielt habe“, jubelte Rapid-Ikone Krankl nach dem „Wunder von Hütteldorf“.

Die Rapid-Spieler Jan Age Fjörtoft und Michael Konsel jubeln nach einem Sieg über Inter Mailand

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Die Publikumslieblinge Fjörtoft (l.) und Konsel bejubeln das 2:1 gegen Inter

Ein weiteres Highlight war am 19. September 1990 das UEFA-Cup-Erstrundenhinspiel gegen die damalige Weltklassemannschaft Inter Mailand, die mit den deutschen Weltmeistern Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme auflief. Beim 2:1-Erfolg trafen Heimo Pfeifenberger und Christian Keglevits in der zweiten Hälfte, nachdem Matthäus die Italiener früh in Führung gebracht hatte. Zudem hielt Michael Konsel in der Rapid-Viertelstunde einen Brehme-Elfmeter. Im Retourmatch mussten sich die Hütteldorfer übrigens erst in der Verlängerung mit 1:3 geschlagen geben.

Tor von Nikica Jelavic (Rapid) gegen Aston Villa

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Jelavic sorgte gegen Aston Villa für einen unvergessen Europacup-Abend

Ein Europacup-Spiel, das auch den jüngeren Rapid-Fans in Erinnerung ist, fand am 20. August 2009 in Wien-Hütteldorf statt. Der Kroate Nikica Jelavic köpfelte im Europa-League-Play-off-Hinspiel gegen Aston Villa bereits nach 16 Sekunden das spätere Siegestor zum 1:0 und verwandelte danach das Hanappi-Stadion in ein Tollhaus. Nach dem Schlusspfiff applaudierten sogar die mitgereisten englischen Anhänger ob der beeindruckenden Leistung der Rapidler. Das Rückspiel in Birmingham verloren die Wiener zwar mit 1:2, zogen aber dank der Auswärtstorregel in die Europa-League-Gruppenphase ein.

Platzsturm als negativer Höhepunkt

Es gab allerdings auch weniger schöne Szenen im Hanappi-Stadion. Negativer Höhepunkt war wohl der Derby-Platzsturm am 22. Mai 2011. Nach der 2:0-Führung der Austria in der 26. Minute stürmten zahlreiche, teilweise vermummte Rapid-Fans den Rasen. Schiedsrichter Thomas Einwaller unterbrach die Partie sofort, beide Teams flüchteten in die Kabinen. 300 Polizisten versuchten, Herr der Lage zu werden und nahmen dabei auch zahlreiche Randalierer fest.

Vermummte stürmen das Spielfeld des Hanappi-Stadions

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Der Derby-Platzsturm 2011 ist ein trauriges Kapitel der Rapid-Geschichte

Nach fast halbstündigem Abwarten entschied sich Einwaller dann für den Abbruch. „Beide Mannschaften und das Schiedsrichterteam wollten weiterspielen. Die Sicherheitsbehörde konnte aber die Sicherheit nicht mehr garantieren“, erklärte Einwaller damals. Das Match wurde mit 3:0 für die Austria strafbeglaubigt, Rapid wurde zudem zu einem Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und einer Geldstrafe von 50.000 Euro verdonnert.

Sitzstreik und „Geld zurück“-Rufe

Weniger dramatisch ging es am 5. August 2001 zu. In der 76. Minute der Partie gegen den GAK (0:4) liefen rund 50 enttäuschte Fans auf den Platz und veranstalteten einen Sitzstreik, um damit ihren Frust über die gezeigte Leistung ihres Vereins kundzutun. Die Protestaktion, begleitet von „Wir wollen unser Geld zurück“-Rufen, verlief allerdings ohne Handgreiflichkeiten und wurde von der Polizei nach einigen Minuten aufgelöst.

Das Wiener Derby am 24. August 2008 stand hingegen bereits in der sechsten Minute vor dem Abbruch. Rapid-Tormann Georg Koch war zu Boden gegangen, nachdem ein aus dem dahinter liegenden Sektor der Austria-Fans geworfener Feuerwerkskörper in seiner Nähe explodiert war. Der Deutsche erlitt ein Gehörtrauma mit Vertäubung sowie einen Kreislaufzusammenbruch. Koch musste durch Raimund Hedl ersetzt werden und bestritt nie wieder ein Spiel für die Hütteldorfer. Rapid gewann die Partie schließlich 3:0.

Wer war Gerhard Hanappi?

Vielen jungen Rapid-Fans ist Gerhard Hanappi nur noch als Namensgeber ihres Lieblingsstadions ein Begriff, aber er war einer der ganz Großen des heimischen Fußballs. Der am 16. Februar 1929 geborene Wiener spielte in seiner Jugend bei Wacker in Wien Meidling und wurde mit dem Club 1947 erstmals Meister. Ein Jahr später gab er beim 2:1 gegen Schweden mit 19 sein Debüt in der österreichischen Nationalmannschaft, in der er mit 93 Partien lange Zeit Rekordspieler war. Überholt wurde der langjährige Teamkapitän bisher nur von Andreas Herzog (103 Spiele) und Toni Polster (95). Höhepunkt seiner Teamkarriere war die WM 1954 in der Schweiz, als Österreich Dritter wurde.

Gerhard Hanappi

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Hanappi war eine der großen Spielerpersönlichkeiten Österreichs

1950 erfolgte nach langem Hin und Her der nicht unumstrittene Wechsel von Wacker zu Rapid, wo sich der 169 Zentimeter messende „Gschropp“ zu einer Allzeitgröße entwickelte. Bis zu seinem Karriereende 1964 brachte er es im Dress der Hütteldorfer in der Meisterschaft auf 333 Spiele und 114 Tore. Mit den Grün-Weißen war er siebenmal österreichischer Meister, holte einmal den ÖFB-Cup und stand 1961 im Europacup-Semifinale der Landesmeister (gegen Benfica Lissabon, Gesamtscore 1:4). Zudem wurde er dreimal zu Österreichs „Fußballer des Jahres“ gewählt. Der langjährige Kapitän (1957 -1964) wurde 1999 ins Rapid-Team des Jahrhunderts gewählt.

Nach seiner aktiven Karriere wendete sich der Familienvater dann der Architektur zu, das ehemalige Weststadion gilt als sein Hauptwerk. Allerdings konnte er sich wegen seines frühen Todes nicht lange daran erfreuen.

Harald Maresch und Rainer Titsch, ORF.at

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