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Vienna: „Unmögliches möglich machen“

Man schrieb den 28. September 1996, als die Austria das letzte Pflichtspiel gegen die Vienna bestritt. Die Violetten unterlagen den Blau-Gelben überraschend mit 1:3, der Traum vom Cup-Titel war schon in der dritten Runde geplatzt. „Wir wollen unbedingt weiterkommen“, gab Neo-Trainer Gerald Baumgartner für die erste Cup-Runde am Freitag (20.30 Uhr, live in ORF Sport +) deshalb die Devise aus.

Auch Linksverteidiger Markus Suttner ist vom Aufstieg überzeugt: „Uns wird das nicht passieren.“ Dabei spielten in der damaligen Austria-Mannschaft von 1996 Größen wie Anton Pfeffer, Andreas Ogris, Raschid Rachimow, Thomas Flögel, Vitalijs Astafjevs, Herbert Gager und Ernst Dospel.

Ein Dreierpack des für Thomas Hickersberger eingewechselten Michael Strasser drehte nach dem Führungstreffer von Rachimow aber noch das Spiel für die Döblinger, die u. a. mit den Jank-Brüdern, Franz Blizenec, Zeljko Radovic und Hans Slunecko aufwarteten.

Hans Slunecko (Vienna), 1995

GEPA/Hans Punz

Slunecko zog einst als Spielmacher und neuerdings auch als Trainer die Fäden bei der Vienna

Vienna auf dem Boden der Realität

Von einer solchen Mannschaft, die von Rudi Eggenberger bzw. Helmut Senekowitsch betreut bis ins Cup-Finale vorstieß, kann die Vienna heute nur träumen. Vergangene Saison wurde der Abstieg aus der Ersten Division, der nicht nur aufgrund der verweigerten Lizenz erfolgte, in die Regionalliga Ost bittere Realität. Sieben Spieler aus der abgestiegenen Profitruppe blieben den Döblingern treu, die Mannschaft befindet sich im kompletten Umbruch und steckt „mittendrin“ in der Vorbereitung - die Stimmung bei der Vienna gehe aber ins Positive über. „Die Vienna ist schwierig einzuschätzen, weil sie gewissermassen über eine neue Mannschaft verfügt“, sagte auch Austria-Spielmacher Alexander Grünwald.

Ein Mann sorgt auf der Hohen Warte für zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer: der neue Trainer Hans Slunecko, der einstige Spielmacher, mit dem die Vienna in der Saison 1996/97 ins Cup-Finale kam. Ausgerechnet das Spiel gegen die Austria verpasste der heute 46-Jährige aber, weil er gesperrt war. An die Partie erinnert sich Slunecko dennoch gern: „Das war ein Superspiel.“ Auf eine ähnliche Sensation wie 1996 hofft Slunecko auch heuer: „Ich will aufsteigen“, machte er im Gespräch mit ORF.at klar. „Der Aufstieg muss das Ziel eines jeden Spielers sein“, so der Trainer weiter. Nicht ohne hinzuzufügen: „Austria ist der Topfavorit. Wir wissen, dass unsere Chance nicht sehr groß ist. Aber wir können das Unmögliche möglich machen.“

Cup-Spezialist auf Austria-Bank

Die Austria will sich gegen den Regionalligisten aber keine Blöße geben. Nach einer durchwachsenen vergangenen Saison, in der die Violetten als Tabellenvierte den Europacup verpassten und sich im Cup in der zweiten Runde gegen Kalsdorf blamierten, ist Wiedergutmachung angesagt. „Wir haben Respekt, wollen aber unbedingt eine Runde weiterkommen. Wir werden den Gegner nicht unterschätzen, sondern zu 100 Prozent Mentalität und Einsatz zeigen“, versprach Neo-Trainer Baumgartner.

„Es kann sonst immer etwas passieren im Cup, ich weiß das am besten“, so der Cup-Spezialist, der vergangene Saison St. Pölten bis ins Finale führte und in der Spielzeit davor mit Außenseiter Pasching (1:0 im Finale gegen Austria) sensationell den Titel eroberte. Die Bilanz des 49-Jährigen im ÖFB-Cup steht bei 14 Siegen in 15 Spielen, nur Meister Salzburg erwies sich letzte Saison im Finale als stärker als St. Pölten.

Neue Taktik für Austria

Die Austria befindet sich wie die Vienna im Umbruch: Elf Spieler wurden abgegeben, darunter Torjäger Philipp Hosiner, der wie Trainer Baumgartner einst auch bei der Vienna kickte. Dem gegenüber stehen sechs Neuzugänge, wie etwa Marco Meilinger.

Dazu kommt noch die taktische Umstellung unter dem neuen Trainer: Baumgartner will die Austria auf ein 4-3-3-System mit offensivem Pressing einschwören. „Wir haben jetzt wieder eine offensivere Ausrichtung, wollen mehr Druck ausüben. Das, glaube ich, kommt unserem Spielstil zugute“, sagte Verteidiger Suttner auf der Austria-Homepage. Baumgartner fasst die neue Ausrichtung so zusammen: „Wir wollen mit den Eigenschaften agieren, die die Austria in den letzten Jahrzehnten geprägt haben, und guten Fußball in einem modernen Spielsystem zeigen.“

Vorerst gilt es für die Violetten, die in der traditionsreichen Geschichte des „kleinen“ Wiener Derbys seit Oktober 1945 mit 71:35 Siegen bei 123 Duellen (Tore: 316:195) klar die Oberhand haben, die harte Vorbereitung wegzustecken. „Geistig und physisch frischer werden nach dem intensiven Trainingslager“, lautet für Baumgartner die Devise. Und seinen Ruf als Cup-Spezialist einzuzementieren.

Oliver Mück, ORF.at

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