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Finnischer Newcomer zeigt auf

Während Mercedes seine Überlegenheit offenbar mühelos ausspielt und sich auch durch technische Probleme kaum bremsen lässt, schickt sich ein 24-jähriger Finne an, den Silberpfeilen die Stirn zu bieten. Am Sonntag ließ Valtteri Bottas im Williams beim GP von Deutschland Lewis Hamilton im Duell um Platz zwei verzweifeln und sicherte sich mit fahrerischem Können seinen dritten Podestplatz in Serie.

Insgesamt landete Bottas in den bisherigen zehn WM-Rennen neunmal in den Punkterängen, einzig beim GP von Monaco wurde der Finne auf Platz neun liegend von einem Motorschaden gestoppt. Erstmals richtig ins Rampenlicht einer breiteren Öffentlichkeit fuhr der Newcomer allerdings erst in Spielberg. Nach Platz zwei im Qualifying hinter seinem Williams-Teamkollegen Felipe Massa, der damit auch die Pole-Dominanz von Mercedes in dieser Saison durchbrach, sicherte sich Bottas mit Rang drei im Rennen hinter WM-Leader Nico Rosberg und Hamilton den ersten Podestplatz seiner Karriere.

Williams-Fahrer Bottas jubelt mit Teamkollegen

APA/EPA/Jens Buettner

Williams ist dank Bottas in dieser Saison wieder auf dem Weg nach oben

Und ganz im Gegensatz zu seinen stillen Landsleuten Kimi Räikkönen, Mika Häkkinen oder Keke Rosberg, die allesamt nicht gerade für große Gefühlsausbrüche bekannt sind, ist Bottas für jeden Spaß zu haben. Nach dem Rennen ließ er seiner Freude freien Lauf und lief wie versprochen in kurzen Lederhosen durch das Fahrerlager. „Ich bin so glücklich, das ist schwer in Worte zu fassen“, jubelte der 24-Jährige über seinen ersten Stockerlplatz. Den Schwung aus Österreich nahm Bottas dann auch zum nächsten Rennen nach Silverstone mit, wo er vor zwei Wochen mit Rang zwei hinter Hamilton den nächsten Meilenstein seiner Karriere folgen ließ.

Bisherige Meisterprüfung in Hockenheim

Seine bisherige Meisterprüfung legte der Williams-Pilot nun am Sonntag beim GP von Deutschland ab, als er mit einer Ausnahmeleistung einen weiteren Doppelschlag von Mercedes, das nun neun der bisher zehn Rennen gewonnen hat und den ersten Sieg eines Werk-Silberpfeiles in Deutschland seit Juan Manuel Fangio 1954 bejubelte, verhinderte. Hamilton, hatte in einem bärenstarken Rennen gleich 17 Plätze gutgemacht, an Bottas biss sich der Brite nach seiner fulminanten Aufholjagd aber die Zähne aus. „Ich bin wirklich glücklich“, freute sich der Finne. „Es war aber nicht einfach und hat auch unseren Ingenieuren eine Menge abverlangt.“

Über den Zuspruch der Fans freute sich Bottas ganz besonders. „Ich habe so viele finnische Flaggen hier gesehen, vielen Dank“, sagte der Finne, der nun mit beachtlichen 91 Punkten auf Platz fünf der WM-Wertung liegt. Hätte sein Teamkollege Felipe Massa nicht gleich zu Beginn des zehnten Saisonlaufs einen unverschuldeten Crash gehabt, wäre das Ergebnis für Williams vielleicht noch besser ausgefallen. Der Traditionsrennstall liegt dennoch in der Teamwertung hinter Mercedes und Red Bull auf Position drei. „Es wäre schön, wenn wir immer zwei Fahrer auf dem Podium hätten“, sagte Koteamchefin Claire Williams forsch.

Bottas in zweiter Saison auf der Überholspur

Erst seit dem Vorjahr ist Bottas Rennpilot in der Königsklasse. Nachdem er in der Formel 3 und GP3 überzeugt hatte, dockte er nicht zuletzt wegen Teilhaber Toto Wolff als Testfahrer beim britischen Traditionsrennstall an. Als solcher erlebte der Blondschopf 2012 zwar den seit zehn Jahren einzigen Williams-Sieg von Pastor Maldonado in Barcelona, der chaotische Venezolaner ist dort aber längst Geschichte und kämpft - bisher vergeblich - im Lotus um WM-Punkte. Rang zwölf in Spielberg und Hockenheim waren bisher die besten Platzierungen von Maldonado.

Jetzt sitzen Bottas und der fast zehn Jahre ältere Massa am Steuer des ehemaligen Weltmeisterteams aus Grove, das 2014 dank des Motorenwechsels von Renault zu Mercedes und des Engagements von Technikchef Pat Symonds wieder deutlich im Aufwind ist. Auch Alexander Wurz ist dort Managementberater. Wirklich um den Sieg fährt Williams angesichts der Mercedes-Überlegenheit allerdings noch nicht. Viel wichtiger für das Privatteam sind derzeit später in Geld umzumünzende WM-Punkte. Im Vorjahr holte man nur fünf, heuer sind es bereits 121.

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