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Perfektes System, perfekte Umsetzung

In St. Pölten ist am Donnerstag ein neues Kapitel in der österreichischen Fußballgeschichte aufgeschlagen worden. Zum ersten Mal gelang einem Zweitligisten im Europacup der Aufstieg. Nicht nur das Weiterkommen in der Europa League an sich, auch die Art und Weise beim 2:0 über Botew Plowdiw konnte sich sehen lassen. „Es war eine sensationelle Vorstellung“, sagte Trainer Herbert Gager.

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Plowdiw, im Vorjahr immerhin erst in der dritten Qualirunde nach 1:1 und 0:0 nur dank der Auswärtstorregel gegen den deutschen Bundesligisten VfB Stuttgart ausgeschieden, war in der NV Arena ohne Chance. Aufmerksamen Beobachtern fiel nur ein Kopfball von Rosen Kolew in der 74. Minute auf, der klar über das Tor ging. „Wir haben sie beherrscht“, sagte Trainer Gager. Dass es „nur“ 2:0 ausging, lag an der mangelnden Chancenverwertung der Niederösterreicher. „Aber das will ich jetzt nicht kritisieren“, so Gager mit einem Augenzwinkern nach dem Aufstieg in die dritte Qualifikationsrunde der Europa League.

Nichts zu verlieren, viel zu gewinnen

Der 44-Jährige, der als Austria-Trainer den Europacup vergangene Saison noch knapp verpasst hatte, hatte seine Mannschaft nach dem 1:2 im Hinspiel für das Rückspiel perfekt eingestellt. „Wir waren schon in Bulgarien knapp dran. Ich war daher immer überzeugt, dass wir es schaffen können“, sagte Gager, „die Ausgangsposition war für uns super. Wir haben nichts zu verlieren, aber sehr viel zu gewinnen gehabt.“

St.-Pölten-Trainer Gager und Torschütze Segovia

GEPA/Mario Kneisl

Zwei Protagonisten des Erfolgs: Trainer Gager und Torjäger Segovia

Das überraschende, weil mittlerweile veraltete 3-5-2-System erwies sich als goldrichtig. „Das System hat perfekt gepasst“, sagte der St.-Pölten-Trainer, „aber es kommt auch auf die Umsetzung an. Das haben meine Spieler diesmal perfekt bewiesen.“ In insgesamt 93 Minuten kamen die Bulgaren nie gefährlich vor das Tor. Torhüter Patrick Kostner war im Gegensatz zu Plowdiws Adam Stachowiak chronisch unterbeschäftigt. „Wir sind nicht mit Glück weitergekommen, sondern wir haben den Gegner an die Wand gespielt“, so Gager, „es ist ein Meilenstein.“

Spielentscheidend war letztlich bereits das erste Tor von Torjäger Daniel Segovia in der sechsten Minute. „Die frühe Führung hat uns natürlich sehr geholfen“, sagte Konstantin Kerschbaumer. Denn mit dem 1:0 war das Konzept der Bulgaren über den Haufen geworfen. Auch das 2:0 in der 55. Minute, nachdem Plowdiw mit mehr Elan aus der Kabine gekommen war, fiel genau zum richtigen Zeitpunkt. „Mit dem zweiten Tor hat die Mannschaft die zweite Luft bekommen“, so Trainer Gager, der seine Mannschaft auch für das über weite Strecken hohe Tempo lobte.

Kein Grund zum Genieren

Die Genugtuung über den, man darf ruhig sagen historischen, Aufstieg war nicht nur dem Trainer ins Gesicht geschrieben. „Man hat in beiden Spielen gesehen, dass nicht viel Unterschied war. Die bessere Mannschaft hat sich am Ende durchgesetzt“, sagte Kerschbaumer, „Wir haben es allen gezeigt, die gesagt haben, wir haben keine Chance.“ Auch Doppeltorschütze Segovia, der nach zwei durchwachsenen Saisonen im Oberhaus bei Admira Wacker und dem WAC in St. Pölten wieder aufblüht, pflichtete bei: „Ich glaube, wir haben es verdient, in der nächsten Runde zu sein.“

Yordan Hristov (Plovdiv) and Gary Noel (St. Pölten)

GEPA/Walter Luger

St. Pölten (r. Gary Noel) ließ die Bulgaren nie ins Spiel kommen

Trainer Gager rechnete auch mit jenen Beobachtern ab, die nach der vergangenen Saison laut geraunzt hatten, dass mit St. Pölten ein Club aus der zweithöchsten Spielklasse und mit Grödig ein „Dorfclub“ Österreich auf europäischer Ebene präsentieren dürfen. „Beide Teams haben bewiesen, dass sie Österreich international gut vertreten können“, sagte der gebürtige Wiener, „Österreich muss sich für die beiden Clubs nicht genieren.“ Zur Erinnerung: Im Vorjahr war etwa Bundesligist Sturm Graz in der zweiten Qualirunde gegen den isländischen Club Breidablik hochkant aus dem Bewerb geflogen.

Vorfreude auf Eindhoven

Das St. Pöltner Europacup-Abenteuer geht hingegen zumindest noch eine Runde weiter. Ein weiterer Aufstieg wäre eine noch größere Sensation. Mit PSV Eindhoven wartet ein 21-facher niederländischer Meister und der Meisterpokalsieger des Jahres 1988 auf die Niederösterreicher, bei dem einst Superstars wie Ronaldo - der aus Brasilien - und Ruud van Nistelrooy die Fußballschuhe schnürten. „Gegen Eindhoven zu spielen, ist ein Traum. Aber wir werden versuchen, einfach so weiterzuspielen wie bisher“, sagte Kerschbaumer.

Allzu viel mit PSV, gegen das man kurioserweise so wie gegen Plowdiw bereits in der Vorbereitung ein Testspiel absolviert hatte, wollte sich Trainer Gager aber noch nicht beschäftigen. Am Montag wartet in der Ersten Liga Kapfenberg (Gager: „Für uns das wichtigere Spiel“). In einer Woche steigt dann in Eindhoven das Hinspiel, eine Woche darauf in St. Pölten das Rückspiel. Die ungewohnte Belastung ist für Gager jedenfalls keine Ausrede: „Dafür sind wir Profis. Es ist alles eine Kopfsache.“

Zumindest im Rückspiel sollte auch die Unterstützung von den Rängen etwaige Müdigkeit vertreiben. Denn gegen Eindhoven erwartet man sich in St. Pölten ein volles Haus. „Ich hoffe, dass wir das Ganze ins Rollen bringen und die Leute mobilisieren können“, sagte Trainer Gager. Gegen Plowdiw kamen mit 4.250 Zuschauern doch weniger als erhofft. Auch Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) verpasste den historischen Coup vor seiner Haustür. Sollte die NV-Arena aber am 7. August nicht aus allen Nähten platzen, wäre das ein kleiner Grund zum Genieren.

Karl Huber, ORF.at

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