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Hütteldorfer treten auf der Stelle

Rapid Wien steht im Play-off der Europa League nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel bei HJK Helsinki mit dem Rücken zur Wand. Die Hütteldorfer konnten auch im Europacup ihre Krise nicht abschütteln und zogen trotz Führung den Kürzeren. Das Auswärtstor bleibt am Ende die einzige positive Erkenntnis. Trainer Zoran Barisic stieg aber dennoch nicht unzufrieden in den Flieger nach Hause.

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In der 58. Minute hatte es in der Sonera-Arena von Helsinki, nur einen Steinwurf vom altehrwürdigen Olympiastadion entfernt, noch so ausgesehen, als würde Rapid den Befreiungsschlag schaffen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Louis Schaub zum Jubel Richtung der rund 600 mitgereisten Fans abgedreht, nachdem er den Ball sehenswert im finnischen Tor versenkt hatte. Eine Viertelstunde später dominierten bei den Wienern wieder die langen Gesichter. Robin Lod (63.) mit einem ebenfalls sehenswerten Weitschuss und Tim Väyrynen (73.) drehten die Partie zugunsten der Hausherren um.

Überlegen, aber harmlos

„Die Niederlage ist schwer zu erklären“, sagte Torschütze Schaub. Gar so schwer war es dann aber doch nicht. Rapid hatte das Spiel zwar optisch unter Kontrolle und deutlich mehr Ballbesitz als Helsinki, wirklich Zählbares schaute für die Wiener aber nie heraus. Rapid wirkte so wie in der Meisterschaft im Spielaufbau statisch, der „tödliche“ Pass in die Spitze fiel meist zu unpräzise aus. Und apropos Spitze: Solostürmer Robert Beric hing meist in der Luft und musste sich mit vier Finnen herumschlagen. Trotz Feldüberlegenheit erspielte sich Rapid erst in der 45. Minute die erste gefährliche Torchance.

Toni Doblas (HJK), Tapio Heikkilae (HJK) und Maximilian Hofmann (Rapid)

APA/Roland Schlager

Rapid (r. Maximilian Hofmann) biss sich an Helsinki die Zähne aus

Da hätte es übrigens schon 1:0 für Helsinki stehen müssen. Denn in der 36. Minute schlug Thomas Schrammel den Ball gerade noch vor der Linie weg, nachdem Lod Goalie Jan Novota bereits bezwungen hatte. In der Abwehr präsentierten sich die Hütteldorfer aber nach der Führung einmal mehr alles andere als sattelfest. Beim Ausgleich warf die verletzungsbedingte Behandlung von Christopher Dibon seine Kollegen aus dem Konzept, die Zuordnung stimmte überhaupt nicht. Und auch beim Siegestreffer der Finnen sahen die Verteidiger zu. Das Pech beim Schuss von Väyrynen - der Ball wurde unhaltbar abgefälscht - hatte man geradezu provoziert.

Überschaubare Selbstkritik

Viel Selbstkritik war bei Grün-Weiß nach der Niederlage nicht zu hören. „Ich sehe bei weitem nicht alles so negativ. Dafür fehlt mir jegliches Verständnis“, sagte Trainer Barisic und wischte Kritik an der nächsten schwachen Vorstellung vom Tisch: „Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir schon im Hinspiel alles perfekt machen. Mit der Leistung bin ich nicht unzufrieden.“ Immerhin gab Barisic zu, dass seine Mannschaft nach dem Ausgleich „nervös und viel zu hastig“ agierte. Der Trainer lobte seine Mannschaft für die Dominanz auf dem ungewohnten Kunstrasen. „Für mich war das definitiv ein Fortschritt“, sagte der Wiener.

Rapid-Coach Zoran Barisic erteilt an der Seitenlinie Anweisungen

GEPA/Josef Bollwein

Barisic versteht die Kritik an der Vorstellung seiner Mannschaft nur bedingt

Kapitän Steffen Hofmann sah die Niederlage nur als Verkettung unglücklicher Umstände: „Wir haben das Spiel dominiert.“ Der Ausgleich war für den 33-Jährigen „ein Sonntagsschuss“, auch beim 1:2 „ist der Ball zweimal abgefälscht worden, ansonsten war nicht viel“. Dabei hätte Hofmann selbst den „Sonntagsschuss“ von Lod leicht verhindern können. Doch der zuletzt mit einer leichten Gehirnerschütterung ausgewechselte Kapitän spielte nur passiven Begleitschutz.

Schaub sah die mäßige Leistung vor allem in der Mauertaktik des Gegners begründet. „Es war nicht so einfach, der Gegner hat sich hinten reingestellt und auf Konter gespielt“, sagte der 19-Jährige. Unter dem Strich war aber auch für den Torschützen die Niederlage zwar bitter, aber unglücklich. Für die finnische Presse war das Ergebnis kein Resultat von Glück, sondern das Resultat einer heroischen Leistung des finnischen Meisters. Die Internetzeitung Iltalehti.fi konnte sich einen Seitenhieb auf Rapid nicht verkneifen: „HJK hat sich gegenüber einer Mannschaft behauptet, die das vierfache Spielerbudget hat.“

Haussegen hängt schief

Auch von den Fans wird die positive Ansicht innerhalb der Rapid-Kabine nur bedingt geteilt. Von „Frechheit“ und „Arbeitsverweigerung“ gegen einen schwächeren Gegner ist etwa auf debatte.ORF.at die Rede. Auch die Aussagen von Trainer und Spielern nach dem Spiel werden heftig kritisiert. „Realitätsverweigerung“ ist noch die harmloseste Bezeichnung. Der Haussegen in Wien-Hütteldorf hängt ausgerechnet vor dem Derby gegen die Austria gehörig schief. Auch Rücktrittsforderungen werden immer lauter - nicht nur in Richtung Trainer.

Auch die mitgereisten Fans machten ihrem Ärger nach Spielende in Form von Pfiffen Luft - und erhielten dafür von Präsident Michael Krammer gleich einen Rüffel. „Nach einem 1:2 auswärts im Europacup die Mannschaft auszupfeifen, wenn sie zwar keine große, aber eine ordentliche Leistung gebracht hat, das verstehe ich nicht“, sagte der Rapid-Boss. „Es gibt überhaupt keinen Grund für den ‚Panic Button‘“, betonte der Clubchef auf der Rückreise aus Helsinki. „Wir haben noch immer alle Chancen, aufzusteigen.“

Mit einem hat Krammer recht: Die Chance auf den Aufstieg in die Gruppenphase - es wäre der fünfte in Folge für Rapid - lebt trotz der Pleite. Das Auswärtstor von Schaub ist der nötige Strohhalm, an den sich die Wiener klammern können. Ein 1:0, so wie beim bisher einzigen Sieg über Ried, würde zum Einzug in die Gruppenphase reichen. Beim Rückspiel im Wiener Ernst-Happel-Stadion muss sich Rapid aber noch härtere Betonmischung der Finnen einstellen. „Ich bin guter Dinge, dass wir den Aufstieg schaffen“, sagte etwa Hofmann. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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