Katastrophaler Saisonstart
Der 26. August 2014 wird den Fans von Manchester United lange in Erinnerung bleiben. Just an dem Tag, an dem die „Red Devils“ mit der Verpflichtung von Angel di Maria den teuersten Transfer in der Geschichte der englischen Premier League tätigten, blamierte man sich im Ligacup. Nach dem 0:4 gegen den Drittligisten Milton Keynes Dons wird ManUnited immer mehr zur Lachnummer.
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Vor 27.000 Zuschauern im Stadium:mk von Milton Keynes ging die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal nach Treffern von Will Grigg (25., 63.) und Benik Afobe (70., 84.) sang- und klanglos unter. Nach der 1:2-Niederlage in der ersten Runde der Premier League gegen Swansea City - der ersten Heimniederlage zum Auftakt seit 1972 - und dem mageren 1:1 eine Runde später beim FC Sunderland ist der katastrophale Saisonstart der „Red Devils“ perfekt. Für die englische „Sun“ ist der Zustand des Rekordmeister ein „Desaster“, das 0:4 in Milton Keynes sei die „Höchststrafe“.
„Spiel der Schande“
Erstmals seit 1995 musste Manchester United bereits in der zweiten Runde des Ligacups (offiziell: Capital One Cup) einsteigen. Und zum ersten Mal seit 2010 ging der Rekordmeister mit 0:4 vom Platz. Damals fertigte West Ham United Manchester ebenfalls im Ligacup, allerdings erst in der fünften Runde, mit dem gleichen Ergebnis ab. Die Abfuhr gegen Milton Keynes war aber deutlich bitterer. Das Gehaltsbudget der Dons beträgt drei Mio. Pfund (rund vier Mio. Euro) - laut englischen Medien weniger als ein Viertel von dem, was Di Maria bei United verdienen wird.

Reuters/Eddie Keogh
Afobe (r.) vollendete das Debakel für den englischen Rekordmeister
Auch seriösere englische Medien als die „Sun“ gingen mit Manchester United hart ins Gericht. „Es ist ein neuer Tiefpunkt erreicht“, stellte der „Independent“ fest. Der „Telegraph“ nannte das Duell in Milton Keynes aus Sicht des Rekordmeisters das „Spiel der Schande“. Der Spott im Internet ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten. „Nehmen wir uns eine Minute Zeit und lachen über ManUnited“, war etwa im Kurznachrichtendienst „Twitter“ zu lesen. Auch Fotomontagen eines entgeistert dreinblickenden Di Maria mit dem Zusatz „Das war ein großer Fehler“ machten die Runde.
Van Gaal nicht schockiert
Nur einer nimmt den bisherigen Saisonstart locker: United-Trainer Van Gaal. Der Niederländer, der sein Heimatland bei der WM in Brasilien zu Platz drei coachte, zeigte sich auch nach der Blamage im Ligacup unbeeindruckt. „Natürlich bin ich enttäuscht, aber nicht schockiert“, sagte der 63-Jährige. Van Gaal verwies auf seine junge Mannschaft. Im Vergleich zum 1:1 gegen Sunderland setzte der Trainer zehn neue Spieler ein. „Wir hatten neun Verletzte und haben das zweite Spiel in 48 Stunden absolviert“, sagte Van Gaal, „ich musste auf die zweite Mannschaft und die Jugend zurückgreifen.“
So gaben etwa der Schweizer U19-Teamspieler Saidy Janko und Youngster Reece James ihr Debüt bei ManUnited. Aber auch Teamspieler wie Danny Wellbeck und Javier Hernandez konnten die Blamage nicht verhindern. Das Resultat gegen die Dons - Nachfolger des 2003 übersiedelten FC Wimbledon - war für den Trainer die Folge individueller Schnitzer. „Wir haben zu viele Fehler gemacht, und so gibt man ein Spiel einfach aus der Hand“, sagte Van Gaal, der aber gleichzeitig dem Gegner Respekt zollte: „Milton Keynes hat sehr gut gespielt, hatte bei den Toren aber auch das nötige Glück.“
Systemwechsel braucht Zeit
Dass Van Gaal die mageren Ergebnisse schwer im Magen liegen, konnte er aber nicht verhehlen. Auf Fragen der Journalisten reagierte der ohnehin schwierige Niederländer noch unwirscher als sonst. „Es ist als Trainer schwierig, wenn man in der Liga mit einer Niederlage und einem Remis startet und dann auch noch im Cup verliert“, sagte der 63-Jährige, „es ist für die Fans in so einer Situation schwer, die Philosophie von Louis van Gaal zu verstehen.“

Reuters/Eddie Keogh
Van Gaal sieht die Ergebnisse als normalen Vorgang bei einem Neubeginn
Dennoch forderte der Trainer erneut Zeit und Geduld vonseiten der Anhänger. „Ich bin hier, um ein neues Team aufzubauen. Und das geschieht nicht in einem Monat oder sogar einem Jahr.“ Auch die Neuverpflichtung von Di Maria ändert für den Niederländer nichts. Trotz des Argentiniers könnte die Durststrecke des Clubs weitergehen. „Wir werden sehen, ob wir mit Di Maria unser System umstellen müssen“, sagte der Trainer, der weiter auf seinen ersten Sieg in England wartet.
Manchester United setzte bisher dort fort, wo man unter Van Gaals glücklosem Vorgänger David Moyes aufgehört hatte. Unter dem Schotten hatte das Starensemble rund um Wayne Rooney und Robin van Persie im Vorjahr erstmals seit 1990 einen Platz im Europacup verpasst. Rang sieben in der Liga war ein Tiefschlag für die erfolgsverwöhnten United-Fans in Manchester.
Eine erfolgreiche US-Tour im Sommer ließ die Anhänger wieder hoffen. Doch diese Hoffnung wurde spätestens am Dienstag in Milton Keynes zerstört. Gelingt am Samstag gegen Aufsteiger Burnley nicht der erste Sieg in der Ära Van Gaal dürfte der Geduldsfaden der Fans wohl endgültig reißen.
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