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Milanic packt die Chance am Schopf

Darko Milanic ist nicht mehr Trainer des österreichischen Bundesligisten Sturm Graz. Der Slowene verlässt die Steirer und wechselt zum englischen Zweitligisten Leeds United, wie am Sonntag auf einer Pressekonferenz bestätigt wurde. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

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Für das Cupauswärtsspiel am Dienstag gegen Austria Salzburg und eventuell auch noch für das Ligaheimspiel am Samstag gegen Altach springt Amateure-Kotrainer Günther Neukirchner als Interimslösung ein. Markus Schopp, der Cheftrainer der Amateure und Ex-Coach des Profiteams, bleibt auf eigenen Wunsch bei den Amateuren. „Er wäre für mich erster Ansprechpartner und Topkandidat gewesen“, sagte General Manager Gerhard Goldbrich.

Goldbrich wollte dem Clubpräsidium noch am Sonntagnachmittag einen Dreiervorschlag für den Milanic-Nachfolger übermitteln, eine Entscheidung soll in den kommenden Tagen fallen. „Ein Schnellschuss wäre ganz schlecht“, betonte Goldbrich, ohne Namen zu nennen.

Trainer Darko Milanic

GEPA/David Rodriguez Anchuelo

Nach 15 Monaten nimmt Milanic Abschied

Nach den Angaben des 47-Jährigen erhielt Milanic in der Nacht auf Freitag ein Angebot von Leeds und informierte umgehend die „Blackys“, die sich schon seit Freitag um einen Nachfolger umschauen. Am Samstag folgte schließlich die offizielle Anfrage des englischen Vereins an Sturm. „Dann war relativ schnell klar, dass man ihm nichts in den Weg legen wird, wenn er so eine Chance bekommt“, erzählte Goldbrich. Zwar sei die Letztbestätigung des Trainertransfers noch ausständig, „aber wir gehen davon aus, dass es passt“.

„Nicht nur sportlicher Verlust“

Neben Milanic wechselt auch dessen Kotrainer Novica Nikcevic mit einem Vertrag bis Sommer 2016 auf die Insel, für beide Betreuer muss Leeds an Sturm eine Ablöse zahlen - wie viel, wurde naturgemäß nicht verraten. „Es hat eine Ausstiegsklausel gegeben, die zur Gänze erfüllt wird“, sagte Goldbrich.

Wirklich freuen konnte sich der Manager trotz des finanziellen Gewinns nicht. „Man kann nicht zufrieden sein, wenn das Trainerteam weggeht“, sagte der sichtlich gerührte Goldbrich und schenkte Milanic und Nikcevic zum Abschied ein One-Way-Ticket Leeds - Graz.

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Sturm Graz muss den Abgang von Trainer Milanic kompensieren

So wie Goldbrich bedankte sich auch Sturm-Präsident Christian Jauk bei Milanic für die vergangenen 14 Monate. „Sein Abschied ist nicht nur ein sportlicher Verlust, sondern vor allem ein menschlicher“, sagte der Clubchef und wandte sich direkt an den scheidenden Coach. „Es wird in Leeds keine einfache Aufgabe für dich, aber die war es auch bei uns nicht, also bist du gut vorbereitet.“

Abschied schweren Herzens

Milanic hat sich die Entscheidung laut eigenen Angaben nicht leicht gemacht. „Der Abschied fällt nicht leicht, ich habe mich hier sehr wohlgefühlt. Eigentlich wollte ich länger bleiben, aber dann ist dieses Angebot gekommen, das man nicht ablehnen konnte“, sagte der 46-Jährige, dessen Familie in Graz bleibt.

Seinem nunmehrigen Ex-Club wünschte Milanic alles Gute. „Ich bleibe ein großer Fan von Sturm Graz und hinterlasse eine intakte Mannschaft, die sich aber noch steigern muss.“ Die Bilanz des Trainers fiel grundsätzlich positiv aus. „Man kann es immer besser machen, doch ich bin mit der Zusammenarbeit mit allen sehr zufrieden.“

Sturm-Kapitän Michael Madl meinte zum Abgang des Slowenen: „Der Abschied tut mir leid für die Mannschaft, er war ein sehr guter Trainer. Vielleicht nicht so erfolgreich, wie er es erwartet hat.“

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Milanic war nach der Absage des spanischen Wunschkandidaten Oscar Garcia, der zu Watford ging, die Nummer eins auf der Liste von Leeds-Clubchef Massimo Cellino. Der Italiener wurde auf Milanic durch dessen erfolgreiche Arbeit bei NK Maribor aufmerksam. Nun tritt der Slowene die Nachfolge des am 28. August entlassenen David Hockaday an. In den vergangenen Wochen wurde der dreifache englische Meister Leeds, der im Moment in der Football League Championship nur an der elften Stelle liegt , interimistisch von Akademie-Trainer Neil Redfearn betreut.

Milanic holte als Coach mit Maribor von 2008 bis 2013 viermal den slowenischen Meistertitel und dreimal den Cupsieg. Im Sommer des Vorjahres erhielt er bei den „Blackys“ einen Vertrag bis 2016, schaffte es danach aber nicht, den Verein in die Erfolgsspur zu bringen. In der vergangenen Saison reichte es nach einem blamablen frühen Europacup-Out gegen den isländischen Vertreter Breidablik nur zu Platz fünf, womit ein internationaler Startplatz verpasst wurde. Derzeit liegen die Steirer an der sechsten Stelle. Sturms Ligabilanz mit Milanic steht bei 16 Siegen, elf Unentschieden und 18 Niederlagen.

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