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Twenty20 als lukratives Geschäft

Eine Champions League gehört mittlerweile in der Welt der Mannschaftssportarten zum guten Ton. Kricket ist dabei keine Ausnahme. In Indien geht derzeit die Twenty20-Champions-League - die Königsklasse - über die Bühne. Dass der Sieger aus dem Land des Gastgebers kommt, gilt fast als ausgemacht. Denn in der Kricketwelt ist der Subkontinent vor allem finanziell mittlerweile die klare Nummer eins.

Zum sechsten Mal geht die 2009 aus der Taufe gehobene Twenty20-Champions-League in Szene. Waren bei den ersten Ausgaben der Champions League auch Teams aus dem Kricketmutterland England mit von der Partie, beschränkt sich die Teilnehmerzahl mittlerweile auf Teams aus Ländern, wo Kricket in der Beliebtheit noch immer weit vor Fußball steht. Neben Indien waren heuer auch Mannschaften aus den Krickethochburgen Australien, Neuseeland, Pakistan, Südafrika, Sri Lanka und den Westindies am Start.

Die erste Ausgabe vor fünf Jahren gewannen die New South Wales Blues aus Australien, vor zwei Jahren konnte mit den Sydney Sixers ebenfalls ein Club aus „Down Under“ überraschen. Aber heuer wäre alles andere als ein Sieg eines Clubs aus Indien eine Sensation. Auch wenn der zweifache und damit Rekordsieger und Titelverteidiger Mumbai Indians heuer bereits in der Qualifikation scheiterte, dominieren die restlichen drei Clubs - die Kolkata Knight Riders, die Chennai Super Kings und die Kings XI Punjab - das Geschehen fast nach Belieben.

Indische Kricketfans

Reuters/Philip Brown

In Indien ist Kricket Volkssport Nummer eins, und die Stadien sind immer gefüllt

Finanzielle Power

Die Dominanz der indischen Teams liegt nicht nur am Beliebtheitsgrad des Spiels auf dem Subkontinent, sondern auch an der finanziellen Power. Denn in Sachen Geld hat Indien den anderen Nationen der Kricketwelt längst den Rang abgelaufen. Der Gesamtwert der acht Clubs in der indischen Topliga - der Indian Premier League - wird mit fast drei Milliarden US-Dollar (rund 2,4 Mrd. Euro) angegeben. Und die besten vier mischen auch die Champions League auf.

Das Geld wird in erster Linie von TV-Stationen in den Subkontinent gepumpt. So legte der US-Sender ESPN für einen Zehnjahresvertrag mit der Champions League nicht weniger als 900 Millionen Dollar (rund 710 Mio. Euro) auf den Tisch. Damit lag die Summe nur knapp unter jener, die die indische Premier League einstrich – hier ließen sich die TV-Anstalten die Übertragungen der obersten Spielklasse etwas mehr als eine Milliarde Dollar kosten.

„Unser wichtigster Markt“

Und diese Investitionen machen sich auch bezahlt. Denn nirgendwo auf der Welt wird im TV so viel Kricket verfolgt wie in Indien. Und das wissen auch die Europäer, speziell die Engländer. „Indien ist unser wichtigster Markt in Asien“, sagte etwa Andrew Walpole, Kommunikationschef des England and Wales Cricket Board (ECB), das mit einem Umsatz von 78 Millionen Euro pro Jahr deutlich im Schatten der indischen Liga steht.

Sogar der seit 1882 über mehrere Tage im traditionellen Kricketformat ausgetragene Länderkampf The Ashes zwischen England und Australien muss um seinen Status als Aushängeschild der ECB zittern. „Indien ist für uns kommerziell so wichtig wie The Ashes“, sagte Walpole, „auch wenn The Ashes noch immer sehr wichtig sind, bekommen sie Konkurrenz mit einer Serie gegen Indien im nächsten Sommer.“ Die ECB bezieht laut Walpole bis zu 75 Prozent ihrer Einkünfte aus TV-Geldern, und „Indien ist einfach der wichtigste Markt“.

Indischer Kricketspieler Mahendra Singh Dhoni

Reuters/Philip Brown

Mahendra Singh Dhoni ist Topstar und Topverdiener im Twenty20

Hohe Sponsorengelder, niedrige Dotierung

Das wissen auch die Sponsoren der Twenty20-Champions-League. Denn die zeigen sich bei der Königsklasse der Kurzversion des ehemals elitären Sports spendabel: Der indische Telekommunikationsriese Airtel stieg 2009 für 40 Millionen Dollar (32 Mio. Euro) pro Saison ein, mittlerweile gingen die Rechte zunächst auf Nokia und zuletzt an Karbonn Mobiles, beides Mobilfunkbetreiber, über. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, man darf aber von einem satten Anstieg der Rechtekosten ausgehen.

Trotzdem ist die Dotierung des Turniers im Vergleich etwa mit der Fußball-Champions-League bescheiden. Insgesamt sechs Millionen Dollar (4,7 Mio. Euro) werden ausgespielt. Alleine der Einzug in die Gruppenphase bringt einem Fußballclub sechs Millionen Euro. Der Sieger der Twenty20-Liga darf sich über rund zwei Millionen Euro freuen. Zum Vergleich: Im Fußball bringt alleine der Finalsieg 10,5 Millionen Euro - Punkteprämien in der Gruppenphase und Aufstiege in der K.-o.-Runde nicht mitgerechnet.

Millionengage für drei Wochen

Für die Spieler selbst ist ein Engagement in der Champions League dank der Finanzkraft der einzelnen Clubs deutlich lukrativer: So streicht etwa Sunil Narine aus Trinidad und Tobago, Superstar der Kolkata Knight Riders, 1,6 Millionen Dollar (1,26 Mio. Euro) ein. Mahendra Singh Dhoni, eine Kricketlegende in Indien, bringt es in den drei Wochen gar auf 3,1 Millionen (2,45 Mio. Euro). Auch der Südafrikaner David Miller lässt sich für seinen Auftritt für die Kings XI Punjab mit 1,7 Millionen Euro fürstlich entlohnen.

Die Kricketstars müssen sich damit auch nicht vor den Fußballtopverdienern wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo verstecken. Denn die oben angeführten Gehälter sind nur das Salär für das knapp drei Wochen dauernde Turnier. So kassiert Dhoni, der Indien 2011 zur Weltmeisterschaft im One-Day-Kricket geführt hatte und über 20 Sponsorenverträge verfügt, im Jahr rund 30 Millionen Dollar (23,7 Mio. Euro). Damit ist der Inder auf der traditionellen „Forbes“-Liste auf Rang 22 der höchstbezahlten Sportler der Welt zu finden.

Karl Huber/Christoph Lüftl, ORF.at

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