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„Ich könnte kotzen“

Die Dienstreise des Nationalteams nach Moldawien hat genau das gebracht, was sich Teamchef Marcel Koller, seine Spieler und das fußballinteressierte Österreich gewünscht haben: einen 2:1-Sieg und drei wichtige Punkte in der EM-Qualifikation. Marc Janko strafte seine Kritiker mit dem Siegestor Lügen. Die Rote Karte kurz vor Schluss machte aus dem strahlenden dann doch einen tragischen Helden.

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Fast genau eine halbe Stunde lagen Hoch und Tief für Janko am Donnerstag im Zimbru-Stadion von Chisinau auseinander. In der 51. Minute sorgte der Legionär des australischen FC Sydney mit seinem 18. Länderspieltor für die Entscheidung, in der 82. Minute flog der 31-jährige Janko vom Platz. Janko hatte sich vom moldawischen Keeper Ilie Cebanu zu einem Rempler hinreißen lassen und wurde vom portugiesischen Unparteiischen Manuel de Sousa unter die Dusche geschickt.

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In der Schlussphase verlor Janko die Nerven und sah die Rote Karte

Frust statt Freude

Dementsprechend war dem Mann des Abends – Janko hatte auch den Elfmeter zum 1:0 von David Alaba herausgeholt (11.) – nach dem Spiel der Frust anzusehen. „Ich könnte kotzen, ich bin richtig angepisst“, sagte der Niederösterreicher, „es frustrierend, weil ich weiß, dass ich den Jungs nicht gegen Montenegro helfen kann und wahrscheinlich gegen Russland auch nicht.“ Ein Spiel Sperre ist nach dem Ausschluss fix, beurteilt die Disziplinarabteilung des europäischen Verbandes Jankos Vergehen noch schlimmer, muss sich der Australien-Legionär auch für die Partie gegen Russland im November kein Ticket buchen.

Im Rückblick auf die entscheidende Situation in der 82. Minute bewies der Schiedsrichter – der überhaupt nicht seinen besten Tag erwischte – aus Jankos Sicht zu wenig Gespür für das Geschehen. „Natürlich bin ich da befangen, aber der Torhüter läuft raus, stößt mich, ich stoße zurück, und er hat ein wenig mehr daraus gemacht als ich“, so der Stürmer. „Wenn er Rot gibt, muss er konsequent sein und beiden die Rote Karte geben. Es war eine hitzige Partie, und deshalb habe ich mir erhofft, dass der Schiedsrichter mehr Fingerspitzengefühl zeigt.“

Marc Janko umringt von Gegegenspielern und Mannschaftskollegen

APA/Robert Jäger

Tumultartige Szenen nach Jankos Aufeinandertreffen mit Goalie Cebanu

Hart erkämpfte Punkte

Sein 18. Tor im 43. Länderspiel war für ihn auch kein Trost. Lob hören oder als Held bezeichnet werden wollte er nicht. „Ich möchte nicht sagen, dass ich der Held des Spiels war“, sagte Janko, „alle elf Spieler auf dem Platz haben versucht, das Spiel zu entscheiden.“ Selbst Genugtuung gegenüber seinen Kritikern, die seine Einberufung aufgrund der fehlenden Spielpraxis im Club und der langen Anreise zuletzt hinterfragt hatten, war nach dem turbulenten Match in Chisinau nicht zu spüren. „Natürlich war vor dem Spiel viel Druck auf meinen Schultern, und ich war von einigen Experten schon abgeschrieben. Aber das ist nichts Neues für mich“, sagte der Stürmer.

Druck war nach dem erst neunten Auswärtssieg in den vergangenen 48 Länderspielen auch von Jankos Kollegen abgefallen. Denn die Angst vor einem ähnlichen Dämpfer wie in der WM-Qualifikation für 2014 mit dem 0:0 in Kasachstan hatte es doch irgendwie in das Flugzeug nach Moldawien geschafft. Dass endlich wieder eine knappe Partie zugunsten des österreichischen Teams ausgefallen war, ließ den Spielern einen Stein von der Seele fallen. „Es war auch höchste Zeit, dass wir einmal so eine Schweinspartie gewinnen“, sagte Zlatko Junuzovic. Da es zwischen Schweden und Russland (1:1) und auch beim Duell des kommenden Gegners Montenegro mit Liechtenstein (0:0) keine Sieger gab, zählen die Punkte in Chisinau für das ÖFB-Team fast schon doppelt. „Das waren richtige ‚Big Points‘ für uns“, so Junuzovic.

Gute Moral auf schlechtem Boden

Die „Big Points“ mussten sich die Österreicher aber wie erwartet hart erarbeiten. „Es war ein Arbeitssieg und auf alle Fälle kein schöner Sieg“, so Kapitän Christian Fuchs. Moldawien baute einen Abwehrriegel auf, den die Österreicher nur nach Standards (Elfmeter und Eckball) knacken konnten. Sowohl beim von Janko herausgeholten Elfmeter für Österreich als auch bei jenem für Moldawien zum Ausgleich agierte der portugiesische Schiedsrichter recht kleinlich. „Den Elfmeter an mir muss man nicht geben, aber der Schiedsrichter hat es dann auf der Gegenseite kompensiert“, sagte Janko.

Marko Arnautovic und Ion Jardan

APA/Robert Jäger

Auch Marko Arnautovic besann sich seiner kämpferischen Fähigkeiten

Dass es nicht schöner ging, lag für die ÖFB-Kicker zum einen am Gegner und zum anderen am Untergrund. „Der Platz hat von außen vielleicht gut ausgesehen, war aber zum Spielen nicht überragend. Aber wir haben 2:1 gewonnen, das ist das Wichtigste“, sagte Marko Arnautovic. Fuchs lobte die Einstellung der Mannschaft, die auch in Unterzahl erst in den letzten Sekunden unter Bedrängnis geriet. „Die Mannschaft hat den Sieg festgehalten. Das zeigt, welche Moral sie hat“, so Fuchs. Zur Moral kam an diesem Abend auch das nötige Glück. Denn in der Nachspielzeit hämmerte Eugeniu Sidorenco den Ball nicht unter, sondern über die Latte.

So geht Österreich nach dem zweiten Sieg gegen Moldawien im dritten Duell mit einer Serie von sieben ungeschlagenen Partien in Folge in die nächste Aufgabe auf dem Weg zur EM 2016 in Frankreich. Und die kommt schon bald. Nur etwas mehr als 48 Stunden nach der geplanten Ankunft des Teams in Wien wartet am Sonntag Montenegro. Wer in Wien den Part von Janko übernehmen wird, ist noch offen. In Moldawien holte man sich aber genug Selbstvertrauen, um den Ausfall zu kompensieren - dessen sind sich zumindest die Spieler sicher. „Wenn einer ausfällt, wird ein anderer einspringen. Wir verlieren gemeinsam und gewinnen gemeinsam“, sagte Verteidiger Aleksandar Dragovic.

Karl Huber, ORF.at, aus Chisinau

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