Daumendrücken für New York Rangers
Wer an Herbert Prohaska denkt, denkt zuerst einmal an Fußball. Das runde Leder war und ist das Leben des ehemaligen Teamchefs und langjährigen ORF-Experten. Doch der 59-jährige Wiener ist auch heiß auf Eis. Nämlich dann, wenn die National Hockey League (NHL) ihre Pforten öffnet. Vor allem wenn die New York Rangers mit ihren Gegnern Schlitten fahren, ist es für „Schneckerl“ eine gute Nacht.
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Schon als Kind war die lebende Fußballlegende ein Eishockey-Fan, wie Prohaska im Gespräch mit ORF.at erzählt. „Ich war ein großer Fan der Russen, sie waren für mich die Brasilianer des Eishockeys“, so Prohaska, der heute noch immer bei Heimspielen der Vienna Capitals vorbeischaut, wenn es die Zeit erlaubt. Ein Besuch im legendären Madison Square Garden von New York entfachte aber endgültig das NHL-Feuer in Prohaska - besonders für die New York Rangers. „Jaromir Jagr war immer mein Lieblingsspieler“, so Prohaska.
Im Vorjahr durfte der Wiener Edelfan, der Trikots von Wayne Gretzky, Brendan Shanahan und eben Jagr sein Eigen nennt, lange auf den ersten Titel seiner Rangers seit 1994 hoffen. Erst im Finale mussten sich die Rangers den Los Angeles Kings geschlagen geben. Der amtierende Champion gehört für Prohaska auch heuer wieder zu den Topfavoriten auf den Stanley Cup. Österreichs Jahrhundertfußballer bei ORF.at über seine Titelkandidaten, die Chancen des rot-weiß-roten Trios und warum es heute schwieriger ist, Profi zu sein.
ORF.at: Herr Prohaska, wer sind heuer Ihre Favoriten auf den Stanley Cup?
Herbert Prohaska: Das ist immer schwierig, es gibt dort zehn, zwölf Mannschaften, die den Titel holen können. Es ist schon extrem schwer, sich für das Play-off zu qualifizieren. Und dort geht es erst richtig los. Es werden wieder die üblichen Verdächtigen sein. Los Angeles als Titelverteidiger ist klar, dann hast Du Chicago, die super Spieler haben. Auch Pittsburgh musst Du immer auf der Rechnung haben. Denn Jewgenij Malkin und Sidney Crosby sind für mich die Besten. Es gibt viele Topspieler, aber wenn die zwei verletzungsfrei sind, dann sind die Penguins immer ein Thema. Auch im Westen hast Du noch viele gute Mannschaften. Da kann man gar nicht alle aufzählen.

Reuters/USA Today Sports
Die New York Rangers gehören als Vorjahresfinalisten auch zum Favoritenkreis
ORF.at: Was trauen Sie Ihren New York Rangers zu?
Prohaska: Ihre Transferpolitik ist jetzt besser als früher, aber leider wird jedes Jahr ein Lieblingsspieler von mir abgegeben. Früher haben sich die Rangers immer die Topstars geholt und haben trotzdem nie etwas gewonnen. Heuer haben sie wichtige Verträge verlängert und daher aber auch wichtige Spieler abgegeben, wie etwa Brad Richards. Der wird schwierig zu ersetzen sein, obwohl er vor seiner Zeit bei den Rangers deutlich besser war. Verteidiger Dan Boyle ist zwar gut, aber leider auch schon alt. Ich glaube aber, sie haben wieder eine Mannschaft, mit der sie das Play-off auf alle Fälle erreichen werden.
ORF.at: Wie groß war Ihre Enttäuschung nach der letztjährigen Niederlage der Rangers im Finale?
Prohaska: Was mich an der Finalserie geärgert hat, war, dass Rick Nash als großer Superstar nur so wenige Tore geschossen hat. Das war für mich ein Skandal. Ich war so sauer, dass ich gesagt habe, den müssen sie abgeben. Es war natürlich im vergangenen Jahr ihre Stärke, dass alle Linien getroffen haben. Sie hatten keinen, der 40 Tore geschossen hat. Aber wenn Du einen Topstürmer wie Nash hast und der schießt in 25 Spielen ein Tor – das ist einfach zu wenig. Man kann natürlich nicht sagen, deshalb haben sie nicht den Stanley Cup gewonnen. Es war überhaupt schon sensationell, dass sie bis ins Finale gekommen sind.
ORF.at: Macht die Ausgeglichenheit der Liga die NHL so interessant?
Prohaska: Ich glaube, in der Vorrunde ist der Osten deutlich ausgeglichener. Im Westen gibt es ein paar Mannschaften, die schon deutlich - unter Anführungszeichen - schwächer sind. Wenn West gegen Ost spielt, hat man aber den Eindruck, dass die Spitzenclubs im Westen ein wenig stärker sind. Aber in der NHL ist es so: Teams, die auch zehnmal in Serie verlieren, sind gut. Im Fußball weißt Du, wenn zum Beispiel Bayern daheim gegen Paderborn spielt, dann werden sie zu 99 Prozent gewinnen. Und das ist im Eishockey nicht so. Jeder Club darf ja wegen des Salary Caps nur eine gewisse Summe ausgeben. Eine Mannschaft verliert zuerst zehn Spiele und schlägt dann den Tabellenführer.
ORF.at: Wäre ein Salary Cap auch für den europäischen Fußball interessant?
Prohaska: Das ist eine Frage der Philosophie. Zuerst müsste man sich einig sein, dass alle nur einen gewissen Betrag für Spieler ausgeben und damit müssen wir auch schon gar nicht mehr weiterdiskutieren. Das geht im Fußball nicht. Auch dass die schlechtesten Teams sich im nächsten Jahr die besten Nachwuchsspieler holen können, gefällt mir. Aber daran ist im Fußball niemand interessiert. Ich glaube nicht, dass etwa Bayern daran interessiert wäre, dass sich zum Beispiel Paderborn die besten jungen Spieler holt. Die wollen sie ja selber haben.

GEPA/USA Today/Marilyn Indahl
Nicht nur für Prohaska ist Vanek einer der Topstürmer der NHL
ORF.at: Thomas Vanek geht heuer mit einem neuen Club in die Saison. Kann er mit Minnesota noch einmal durchstarten?
Prohaska: Seine Zeit ist sicher noch nicht vorbei. Er gehört ohne Frage zu den Topspielern. Für mich ist er einer der Besten im Powerplay, weil er mörderisch gut die Scheibe abfälscht. Obwohl es oft so einfach ausschaut, solche Schüsse mit diesem Tempo musst Du erst einmal mit dem Schläger erwischen und auch noch so ablenken, dass sie ins Tor gehen. Nur für ihn wird es halt immer enger. Er möchte natürlich auch den Stanley Cup gewinnen, und ich glaube, das wird heuer wieder nichts. Natürlich spielt er jetzt wieder mit Jason Pominville, aber ich denke, es gibt bessere Mannschaften und es wird wieder nicht reichen. Aber möglich ist alles.
ORF.at: Werden sich Michael Grabner und Michael Raffl ebenfalls so lange wie Vanek in der NHL etablieren können?
Prohaska: Ich glaube, Grabner ist durch seine Schnelligkeit mörderisch. Die Islanders sind zwar keine Überdrüber-Mannschaft, aber er hat sich dort gut präsentiert. Ich glaube, Grabner kommt aufgrund seiner Schnelligkeit bei den Islanders und auch in der NHL sehr gut an. Raffl habe ich nur einmal ein bisschen gesehen, aber für das erste Jahr NHL hat er gute Eiszeiten bekommen und auch ein paar Tore gemacht. Im ersten Jahr ist es dort immer schwer - schon alleine, dass Du in einen Kader kommst. Man darf sich keine fünf Minuten ausrasten, denn dann bist Du gleich in der zweiten Mannschaft.
ORF.at: Wie sehr hat die Olympiaparty, bei der die NHL-Spieler dabei waren, ihrem Image geschadet?
Prohaska: Es wird ihm egal sein, aber ich denke, in erster Linie hat es Vanek geschadet. Denn er hat bei uns den Status des Superstars in der NHL, auf den wir stolz sein können, gehabt. Eishockey-Fans waren sicher enttäuscht, eher hätte man geglaubt, das gibt es dort nicht. Es war auch für mich eine Enttäuschung, denn es war ja doch eine wichtige Partie. Nichtsdestotrotz müssen wir stolz sein, dass wir diese drei Spieler in der NHL haben. Weil die meisten Ausländer sind Russen oder Schweden, und wenn dann drei Österreicher fix spielen, ist das schon eine super Sache.
ORF.at: Ist es heute schwieriger, Profisportler zu sein, als noch zu Ihrer aktiven Zeit?
Prohaska: Es ist gut, dass alles professioneller geworden ist. Die Schwierigkeit ist, dass du zehnmal mehr aufpassen musst, weil das Medienaufkommen auch zehnmal größer ist. Heute trifft sich ein Bastian Schweinsteiger mit einer Ana Ivanovic in New York und am nächsten Tag ist ein Bild in der Zeitung. Früher hättest du nach New York fahren und dort Purzelbäume auf der Straße schlagen können und das wäre nirgendwo gestanden.
Aber auch früher war es schon heikel, wenn du so ein Spiel verloren hast und dann in der Früh noch gesehen wurdest. Heute würde ich sagen, wozu muss einer aus dem Trainingslager ausreißen oder warum muss man nach einem Match so lange weggehen? Man kann das noch hundertmal wiederholen und verpasst auch nichts Großartiges. Ich habe meinen Spielern immer gesagt, ich kontrolliere sie nicht und renne ihnen nicht nach. Aber eine Karriere ist sehr kurz, und man kann alles nachholen.
Das Gespräch führte Karl Huber, ORF.at
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