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Am Ziel der Träume

Der österreichische Radprofi Matthias Brändle hat sich am Donnerstag weltweit einen Namen gemacht. Der Vorarlberger verbesserte in Aigle in der Schweiz den Stundenweltrekord auf der Bahn auf 51,852 Kilometer. „Ich werde noch ein paar Tage brauchen, um das Ganze zu realisieren. Das war aber definitiv einer der schönsten Tage in meinem Leben“, sagte Brändle.

Der 24-Jährige vom IAM-Cycling-Team überbot die bisherige Bestmarke des Deutschen Jens Voigt vom 18. September um 737 Meter und scheint nun auf einer Rekordliste mit Superstars wie dem Italiener Fausto Coppi (1942), dem Franzosen Jacques Anquetil (1956) oder dem Belgier Eddy Merckx (1972) auf.

„Ich bin sehr glücklich, dass ich es geschafft habe und nun auf derselben Liste wie viele große Champions vor mir stehe. Einen neuen UCI-Stundenweltrekord aufzustellen war in den letzten Monaten ein großer Traum. Es war kein einfacher Weg hier hin. Aber jetzt kann ich den Moment genießen“, freute sich Brändle.

Mit Krämpfen zu kämpfen

Brändle war erstmals wettkampfmäßig in einem Velodrome im Einsatz. Nach einer problemlosen ersten halben Stunde hatte er in der zweiten Hälfte zu kämpfen. „Auch wenn ich einen guten Start hatte und die ersten 35 Minuten planmäßig unterwegs war, musste ich danach ziemlich leiden und hatte auch mit Krämpfen in den Oberschenkeln zu kämpfen. Es war sehr heiß im Velodrome, und ich war nicht in der Lage zu trinken, was die Ausgangslage zusätzlich erschwerte. Ich geriet aber nie in Panik“, beschrieb er die harten 60 Minuten.

Matthias Brändle

GEPA/EQ Images/Pascal Muller

Die Rekordfahrt war für Matthias Brändle nicht schmerzlos

Nun will Brändle einmal entspannen, ehe er das Training für seine großen Ziele für nächstes Jahr startet. „Ich werde für zwei Wochen auf den Straßen in meiner Heimat mit meinem Motorrad unterwegs sein“, sagte der Hohenemser. „Danach beginne ich mit den Vorbereitungen für die Saison 2015, und ich hoffe, dass ich es ins Aufgebot für die Tour de Romandie und die Tour de France schaffen werde.“

Bei Michel Thetaz, Gründer des IAM-Cycling-Rennstalls, hat er jedenfalls viel Eindruck gemacht. „Ich war wie auf Nadeln während dieser Stunde. Schlussendlich kann ich sagen, dass die Mission ... dank der außergewöhnlichen Leistung von Matthias Brändle erfolgreich gelungen ist. Auch wenn er nicht in der Lage war, die 52-Kilometer-Marke zu knacken, hat Matthias seinen Namen für immer in die Liste der Träger dieses prestigeträchtigen Rekordes eingetragen. Und das wird auch für viele positive Folgen für IAM haben. Dieses Ereignis hat die Moral von vielen Fahrern auf die kommende Saison hin nochmals verstärkt“, wurde Thetaz in einer Presseaussendung des Teams zitiert.

Voigt nimmt Rekordverlust gelassen

Voigt erlebte den Verlust des Weltrekords daheim bei den Halloween-Vorbereitungen. So richtig schockieren konnte den 43-Jährigen die Fahrt des 19 Jahre jüngeren Brändle aber nicht. „Es schmerzt ein bisschen, den Rekord zu verlieren, aber das ist normal. Ich hatte niemals die Illusion, den Rekord für immer zu halten“, twitterte Voigt. Gleichzeitig gratulierte er dem Vorarlberger zur neuen Bestmarke: „Hut ab, Matthias. Das war eine starke Vorstellung.“

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