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Derby mit Leidenschaft und Toren

Lange Zeit hat die Austria im 311. Wiener Derby wie der klare Sieger ausgesehen, weil sie mit Omer Damari den Mann des Spiels in ihren Reihen hatte und Rapid vor dem Tor zu harmlos war. Nach einem dramatischen Finish feierten die Violetten, die schon 3:0 geführt hatten, schließlich einen für sie enorm wichtigen 3:2-Erfolg über den Stadtrivalen und damit den ersten Derby-Sieg nach sechs vergeblichen Anläufen.

Damari mit einem Doppelpack vor der Pause und Daniel Royer schon in der Schlussviertelstunde brachten die Gäste vor 28.200 Zuschauern klar in Führung. Die Rapid-Angreifer Deni Alar und Robert Beric hätten in einer verrückten Schlussphase fast noch für die Wende gesorgt. Überschattet wurde ein unterhaltsamer Fußballnachmittag nur von Fanausschreitungen gegen Ende der ersten Spielhälfte.

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Auch nach dem 3:0 blieb es bis zur letzten Minute spannend

Violette mit besserem Start

Was das Wetter betraf, hätte der Derby-Herbsttag nicht prächtiger sein können. Strahlender Sonnenschein und milde Temperaturen begleiteten die Fans in den laubgefärbten Prater. Das Happel-Stadion war gut gefüllt, als Schiedsrichter Alexander Harkam das 311. Duell der großen Stadtrivalen anpfiff. Der eklatanten akustischen und zahlenmäßigen Unterlegenheit auf den Rängen zum Trotz erwischte die Austria auf dem Rasen den besseren Start. Die Baumgartner-Elf attackierte früh, kombinierte gefällig und stand hinten kompakt.

Als der israelische Stürmer Damari (7.) im Strafraum erstmals demonstrierte, dass er auch bei „Halbchancen“ ständig gefährlich ist, verzog Marco Meilinger im Nachschuss nur knapp. Nach einer Viertelstunde war auch Rapid in der Partie, was deren Attraktivität nur bedingt, der Spannung aber sehr wohl guttat. Just der wie immer als Aktivposten agierende Steffen Hofmann leitete dann aber mit einem schlechten Freistoß unfreiwillig das Führungstor der Austria ein.

Austria-Goalgetter macht den Unterschied

Mario Leitgeb schickte Damari mit einem herrlichen Steilpass aus dem Mittelfeld in den Strafraum. Der violette Goalgetter zog aus spitzem Winkel mit rechts ab und traf halbhoch in die linke lange Ecke zum 1:0 (23.), wobei der Ball durch die Hände von Rapid-Goalie Jan Novota ging. Vor allem Baumgartner war beim violetten Jubel über Damaris sechstes Saisontor anzusehen, wie sehr der Druck in den letzten Wochen an ihm genagt hatte. Rapid wiederum reagierte wütend, aber nicht schockiert. Als Florian Kainz (30.) knapp über das Austria-Tor schoss, hatte man sich schon einigermaßen erholt.

Auch bei einem Direktversuch von Dominik Wydra (34.) aus vollem Lauf fehlte nicht viel. Im Gegenzug streckte sich Novota vergeblich, als ein Weitschuss von Thomas Salamon (35.) um wenige Zentimeter an der rechten Stange vorbeipfiff. Es war in der ersten Hälfte kein großartiges, aber ein gutes Wiener Derby. Und es hatte mit Damari einen Spieler, der ihm seinen violetten Stempel aufdrückte. Eine halbhohe Hereingabe von rechts durch Jens Stryger Larsen nahm der Vollblutstürmer perfekt an, schoss aus der Drehung mit links und bezwang den diesmal chancenlosen Novota zum 2:0 (40.).

0:1 von Omar Damari (Austria)

GEPA/Christian Ort

Mit seinem sehenswerten zweiten Treffer legte Damari den Grundstein zum Sieg

Ausschreitungen knapp vor Halbzeit

Das für die Austria so erfreuliche Geschehen auf dem Spielfeld wurde in den letzten Minuten vor der Pause durch sinnlose, gemeingefährliche und an Dummheit nur schwer zu überbietende Aktionen im violetten Fansektor überschattet. Leuchtraketen und Böller flogen aus dem dritten Rang in Richtung Haupttribüne. Gut, dass Harkam zur Halbzeit pfiff und sich die Gemüter mit polizeilicher Unterstützung beruhigen konnten. Als die Mannschaften aus den Kabinen zurückkamen, deutete nichts mehr auf eine Fortsetzung der Ausschreitungen hin.

Dafür hatte sich die grün-weiße Elf offenbar vorgenommen, dem violetten Spielaufbau entschlossener entgegenzutreten. Der eingewechselte Alar sah für sein erstes Einsteigen gleich einmal die Gelbe Karte. Als Thanos Petsos (51.) nach Stanglpass von Kainz eine „Hundertprozentige“ vergab, lag der Anschlusstreffer schon in der Luft. Ein indirekter Freistoß für die Austria (54.), den Alexander Grünwald aus knapp 14 Metern Entfernung an die Innenstange setzte, hätte die endgültige Entscheidung bedeuten können.

Fans-Ausschreitungen und Polizisten

GEPA/Christian Ort

Die Polizei hatte wieder einmal alle Hände voll zu tun

Torreiche Schlussphase lässt Austria noch zittern

So wurde es noch ein packendes Finish. Rapid drückte mit dem Mut der Verzweiflung nach vorne, die Austria beschränkte sich auf Konter. Ernsthaft geprüft wurden dabei aber weder Austria-Keeper Heinz Lindner auf der einen noch Novota auf der anderen Seite. Mehrmals tauchten die Hütteldorfer gefährlich vor Lindner auf, scheiterten dabei aber entweder am eigenen Unvermögen oder an der beherzt kämpfenden Austria-Abwehr. Rapid fehlte, was die Austria in Damari hatte: ein eiskalter Vollstrecker im Strafraum.

So blieb es für die Derby-Gastgeber das oft zitierte „Stückwerk“, das die Austria nicht wirklich in Gefahr brachte, den Vorsprung noch aus der Hand zu geben. Als sich Beric (71.) in zwei Austria-Verteidiger fallen ließ, verweigerte ihm Referee Harkam zu Recht den vehement geforderten Elfmeterpfiff. Ein schön gezirkelter Freistoß von Petsos (75.) strich an der linken Kreuzecke vorbei.

In der 78. Minute sorgte der eben erst eingewechselte Royer dafür, dass Rapid die Hoffnungen auf eine Wende vermeintlich begraben musste. Vom Sechzehner zog er ansatzlos mit rechts ab und versenkte den Ball zum 3:0 in der linken Kreuzecke. In den Schlussminuten überschlugen sich dann aber noch einmal die Ereignisse. Zunächst erzielte Alar das (83.) 1:3 - viele hielten es für das Ehrentor. Doch Beric (92.) setzte in der Nachspielzeit nach einem schweren Missverständnis in der violetten Defensive zum 2:3 nach - mit viel Zittern und Bauchweh schaffte es die Austria schließlich doch bis zum Schlusspfiff.

Harald Hofstetter, ORF.at, aus Wien

Stimmen zum Spiel:

Gerald Baumgartner (Austria-Trainer): „Wir hatten einen guten Matchplan und eine gute Taktik, waren kompakt und haben drei schöne Tore geschossen. Zum Schluss ist es noch einmal spannend geworden, auch weil wir bei den Gegentoren nicht gut verteidigt haben. Wenn man ein Spiel in der 78. Minute eigentlich gewonnen hat und dann fast noch aus der Hand gibt, bekommt man fast einen Herzinfarkt. Der Schlüssel zum Erfolg war, dass wir etwas tiefer gestanden sind und auf Konter ausgerichtet waren.“

Zoran Barisic (Rapid-Trainer): „Wir haben die ersten 20 Minuten verschlafen, da waren wir nicht präsent in den Zweikämpfen und haben uns die Schneid abkaufen lassen. Dann sind wir besser ins Spiel gekommen, hatten vor dem 0:2 die Chance auf den Ausgleich. In der zweiten Hälfte haben wir alles auf eine Karte gesetzt, am Schluss ist es noch einmal spannend geworden. Ich hätte mir aber gewünscht, dass uns früher das Anschlusstor gelingt. Wir haben zum ungünstigsten Zeitpunkt die Tore bekommen.“

Omer Damari (Austria-Doppel-Torschütze): „Bei meinem ersten Tor habe ich niemand im Zentrum gesehen, deswegen habe ich es einfach probiert. Wir haben vor allem in der ersten Hälfte eine sehr gute Leistung geboten, jetzt müssen wir schauen, dass unsere Schwankungen aufhören.“

Jan Novota (Rapid-Tormann): „Das erste Tor war mein Fehler. Ich habe zwar mit einem Schuss gerechnet, aber der Ball ist mir durch die Finger gerutscht. Dadurch habe ich der Mannschaft geschadet.“

Tipico-Bundesliga, 15. Runde

Sonntag:

Rapid - Austria 2:3 (0:2)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 28.200 Zuschauer, SR Harkam

Torfolge:
0:1 Damari (23.)
0:2 Damari (40.)
0:3 Royer (78.)
1:3 Alar (83.)
2:3 Beric (92.)

Rapid: Novota - Pavelic, Dibon, Stangl, Schrammel - Petsos, Wydra (46./Alar) - Schaub (72./Schobesberger), St. Hofmann, F. Kainz (85./Starkl) - Beric

Austria: Lindner - Larsen (77./F. Koch), Sikov, Rotpuller, T. Salamon - M. Leitgeb, Holland - Gorgon, A. Grünwald, Meilinger (77./Royer) - Damari (86./Serbest)

Gelbe Karten: Petsos, Alar, Dibon bzw. Salamon, Larsen, Rotpuller, Sikov

Die Besten: Alar, Hofmann bzw. Damari, Meilinger, Gorgon

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