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7,61 Sekunden Rückstand in Beaver Creek

Marcel Hirscher hat am Mittwoch einen seiner raren Ausflüge in die Abfahrtsszene unspektakulär über die Bühne gebracht. Der Technikspezialist beendete den zweiten Trainingslauf auf der anspruchsvollen „Birds of Prey“-Piste als Vorletzter. Hirschers Rückstand auf den Trainingsschnellsten Franzosen Adrien Theaux betrug dabei 7,61 Sekunden. Langsamer als der Salzburger war nur der Kanadier Tyler Werry.

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Vorrangiges Ziel des dreifachen Gesamtweltcup-Siegers bei seinem „Schnupperkurs“ war, Erfahrungen für den Super-G am Samstag und die WM zu sammeln. Sämtliche Bewerbe im Februar finden auf der gleichen Piste statt, und Hirscher spekuliert mit einem Start in der Superkombi. Einer seiner potenziellen Hauptkonkurrenten, Ted Ligety, lag im Training allerdings auf Rang sieben und dabei 7,03 Sekunden vor dem Österreicher. Auch der Franzose Alexis Pinturault hatte einen Vorsprung von 4,14 Sekunden.

Marcel Hirscher im Abfahrtstraining

GEPA/Andreas Pranter

Marcel Hirscher baute bei seiner Abfahrt „echte Bremsschwünge“ ein

Für Hirscher war das aber nur nebensächlich. „Oida, i leb!“, gab sich der 25-Jährige nach dem Training humorvoll. Hirscher war fünf Jahre nach der WM-Kombi in Val d’Isere von seinem Abfahrtseinstand im Weltcup ausgerechnet auf einer der schwierigsten Abfahrten der Welt angetan. „Ich bin heuer im Urlaub mit Haien geschwommen und habe mich dort auch fast angemacht“, verglich Hirscher dieses Erlebnis mit seinem „Ritt“ auf der steilen Raubvogelpiste.

„Am liebsten würde ich gleich noch einmal rauf“

Der fiel aber ohnehin gemäßigt aus. „Ich bin überall mit 20 km/h weniger hingekommen, habe einige echte Bremsschwünge gemacht“, gestand der Salzburger. „Mein Plan war, nicht herzufallen. Denn sonst wäre jegliches Projekt für die nächsten Tage und die WM gescheitert“, so Hirscher. So aber stand der Slalom-Weltmeister entspannt im Ziel. „Am liebsten würde ich gleich nochmals rauf und den ganzen Tag immer wieder fahren, das wäre der Idealzustand. Denn dann wüsste auch ich, wie es geht“, gab sich Hirscher trotz allem euphorisch.

Prinzipiell sei es aber gefährlich, als Slalom-Fahrer zu glauben, mit den Abfahrern mitfahren zu können. Sein Servicemann Edi Unterberger habe vor dem Training förmlich den Staub von den Abfahrtsski wischen müssen. „Ein reiner Techniker wie ich hat auf dieser Abfahrt ohne Training nichts verloren.“ Das Abfahrerleben würde Hirscher aber schon gefallen. „Sie haben dünnere Anzüge, stehen später auf, fahren nur einmal runter und haben auch noch Spaß dabei.“ Eine eigene Abfahrtskarriere sei also durchaus reizvoll. „Aber eher erst, wenn es schon Richtung Karriereende geht.“

ÖSV-Spezialisten fahren hinterher

Während Hirschers 75. Platz nicht weiter ins Gewicht fällt, war die Vorstellung der ÖSV-Speed-Spezialisten auch im zweiten Testlauf nicht berauschend. Die „Schelte“ von Herren-Chef Andreas Puelacher nach dem ersten Training brachte am Mittwoch auf der Raubvogelpiste in Colorado keine wirklich kollektive Verbesserung. Kein Österreicher kam trotz der Forderung nach mehr Engagement in die Top Ten.

Matthias Mayer im Abfahrtstraining

GEPA/Andreas Pranter

Olamypiasieger Mayer nahm im Vergleich zu Hirscher schon mehr Risiko

Olympiasieger Matthias Mayer war als Elfter wieder bester ÖSV-Fahrer für die am Freitag stattfindende zweite Saisonabfahrt. Mayer, Georg Streitberger (12.), Hannes Reichelt (15.) und Max Franz (16.) kassierten bemerkenswerterweise speziell im Steilhang den Großteil ihres jeweils über eine Sekunde betragenden Rückstandes.

„Wissen, dass wir noch Rückstand haben“

Die Vorzeichen, dass auf der „Birds of Prey“ die Schlappe von Lake Louise ausgemerzt wird, sind damit zumindest auf dem Papier nicht sehr gut. „Wir wissen, dass wir noch Rückstand haben“, erinnerte Kitz-Sieger Reichelt aber daran, dass man im Sommer und Herbst wetterbedingt nicht wie gehofft hatte trainieren können und auch das übliche Vorbereitungstraining in Colorado ausgefallen war.

Deshalb müsse man sich an den feinfühligen Nordamerikaschnee einfach noch gewöhnen, beruhigte etwa Franz. Ein dritter Trainingslauf wäre auch für einige Österreicher ideal gewesen. Dazu wird es aber nicht kommen, der Donnerstag ist frei. Mayer war das egal. „Ich hätte das dritte Training ohnehin ausgelassen“, sagte der Kärntner. „Ich musste einen Schwung abstechen“, berichtete Mayer nach dem zweiten Training. „Aber eine Sekunde habe ich deshalb nicht verloren“, gab er sich nachdenklich.

Hoffen auf den Renneffekt

Österreichs Abfahrer hoffen nun auf den Renneffekt. „Eine bissl eine Rennsau bin ich ja doch“, machte Reichelt klar, dass es auf der Raubvogelpiste erst am Freitag um alles geht. „Wenn es ans Limit geht, werden wir auch die Krallen ausfahren“, versprach der Salzburger und beruhigte, weil auch er am Mittwoch einen Fehler gemacht habe.

„Gestern habe ich fast eingefädelt und hatte Riesenglück, das hat mir etwas die Schneid abgekauft. Heute war ich im Steilen deshalb nicht am Limit“, berichtete der Kitzbühel-Sieger. „1,2 Sekunden Rückstand sollten im Rennen aufholbar sein.“ Joachim Puchner (34.) schnappte sich über die interne Qualifikation gegen Markus Dürager (36.) und Patrick Schweiger (61.) den letzten ÖSV-Startplatz.

Herren-Abfahrt in Beaver Creek

Zweites Training am Mittwoch:
1. Adrien Theaux FRA 1:40,30
2. Peter Fill ITA + 0,19
3. Dominik Paris ITA 0,32
4. Travis Ganong USA 0,37
5. Kjetil Jansrud NOR 0,39
6. Didier Defago SUI 0,51
7. Ted Ligety USA 0,58
8. Werner Heel ITA 0,62
9. Steven Nyman USA 0,93
10. Patrick Küng SUI 1,05
11. Matthias Mayer AUT 1,12
12. Georg Streitberger AUT 1,14
. Tobias Stechert GER 1,14
14. Jared Goldberg USA 1,16
15. Hannes Reichelt AUT 1,20
16. Max Franz AUT 1,30
17. Marc Gisin SUI 1,34
18. Guillermo Fayed FRA 1,35
19. David Poisson FRA 1,48
. Silvano Varettoni ITA 1,48
25. Florian Scheiber AUT 1,92
32. Romed Baumann AUT 2,16
34. Joachim Puchner AUT 2,38
36. Markus Dürager AUT 2,55
38. Otmar Striedinger AUT 2,63
43. Klaus Kröll AUT 2,80
61. Patrick Schweiger AUT 3,81
75. Marcel Hirscher AUT 7,61

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