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Lobeshymnen geben Motivation

Auf den einen oder anderen arrivierten Mann ist Patrekur Johannesson nach dem Match gegen den Iran nicht gut zu sprechen gewesen. Diverse Nachlässigkeiten hatten den isländischen ÖHB-Teamchef geärgert. Mit dem 18-jährigen Nikola Bilyk, der in Doha als jüngster Spieler der WM seine erste Endrunde bestreitet, war Johannesson aber zufrieden.

Wie gegen Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Tunesien schenkte der Headcoach der ÖHB-Zukunftshoffnung sein Vertrauen. Bilyk gilt in Österreich seit längerem - international spätestens seit der Junioren-Heim-WM im Sommer 2014 - als Supertalent im Rückraum. In Katar spielt der 1,98 Meter große Youngster neben Kapitän Viktor Szilagyi auf der halblinken Seite. Langfristig soll Fivers-Margareten-Mann Bilyk den bald 37-jährigen Routinier im Nationalteam beerben.

„Noch viel Luft nach oben“

Ein schneller Antritt, der nötige Zug aufs Tor, Sprungkraft, Übersicht und ein harter Wurf zeichnen Bilyk aus - der Sohn des 44-jährigen Fivers-Torhüters Sergej Bylik hat sehr gute handballerische Voraussetzungen. Wenn es darum geht, Szilagyis Nachfolge auf der Mitteposition anzutreten, ist eine WM in so jungen Jahren ebenfalls Gold wert. „Gegen Kroatien war ich noch etwas nervös“, gestand der Junioren-WM-Torschützenkönig, dass er sich beim WM-Debüt selbst zu viel Druck gemacht hatte.

Nikola Bilyk

APA/EPA/Gjorgji Licovski

Zukunftshoffnung Nikola Bilyk sammelt bei der WM internationale Erfahrung

„Gegen Bosnien bin ich viel befreiter ins Spiel gegangen und habe auch gezeigt, was ich kann“, so Bilyk, der sein Können dann auch in den Duellen mit Tunesien und dem Iran aufblitzen ließ: „Aber es ist noch viel Luft nach oben. Ich hoffe, dass ich mein ganzes Potenzial im Laufe des Turniers zeigen kann.“ In der Analyse seiner Leistungen hilft ihm auch sein Vater, mit dem er auch aus Doha ein- bis zweimal täglich telefoniert. Gemeinsam mit Papa Sergej will Nikola im Trikot der Fivers auch ÖHB-Cup und Meistertitel holen.

Auf der Liste von Europas Topclubs

Bilyk verfolgt also noch große Ziele in Österreich, wo er in Margareten einen Vertrag bis 2017 hat. Spätestens dann ruft allerdings die große Handballwelt. Nach der Junioren-WM, bei der er auch zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt worden war, haben ihn Topclubs aus Deutschland schon auf ihre Liste gesetzt. Als Bilyk unmittelbar vor der WM im Test gegen Frankreich in Paris groß aufspielte, soll sich der französische TV-Kommentator vor Begeisterung über den jungen Österreicher förmlich überschlagen haben.

„So etwas macht mir keinen Druck“, sagte Bilyk, der wohl keine mentale Belastung durch die hohe Erwartungshaltung spürt. Der körperlich noch etwas „schlacksige“ Aufbau strahlt vielmehr Ruhe und vor allem großen Ehrgeiz aus: „Das gibt mir Motivation, weiter nach oben zu kommen.“

„Professionell und spielintelligent“

Als Dreijähriger war er von Kiew nach Österreich gekommen, geboren ist er in Tunis, wo sein Vater kurz gespielt hatte. Seine ukrainische Verwandtschaft lebt in der Krisenregion Donezk: „Die haben derzeit eine sehr schwere Zeit“, so Bilyk. Sein sportliches Dasein bei der WM genießt er unbeschwert. „Er kann eine Karriere wie Szilagyi machen“, sagt Junioren-Teamchef Roland Marouschek. „Er ist professionell in der Vorbereitung, hat ein gutes Entscheidungsverhalten und ist ein spielintelligenter Bursche, der sehr abgebrüht ist“, so Marouschek. Bis Johannesson den jungen Mann in Szilagyis Rolle stecken kann, wird noch Zeit vergehen - aber die Parallelen zu Szilagyi, der in jungen Jahren ebenfalls als Werfer im linken Rückraum begann, machen Hoffnung.

Harald Hofstetter, ORF.at, aus Doha

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