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„Das sieht man nicht so oft“

Cornelia Hütter hätte fast ein perfektes WM-Debüt hingelegt. Aber auch als Vierte durfte die als „Vollgas-Conny“ bekannte Steirerin am Dienstag nach dem Super-G zufrieden sein, war es doch der größte Erfolg in ihrer bisherigen Karriere - nur elf Hundertstelsekunden schneller, und sie wäre bei der WM zum zweiten Mal in ihrer Karriere auf ein Podest gefahren.

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Mit Startnummer 15 hatte sie ihrem ersten WM-Rennen eine neue Richtzeit in den Schnee gezaubert und die bis dahin führende Viktoria Rebensburg klar hinter sich gelassen, eben wie die Schweizerin Lara Gut, die unmittelbar danach als Mitfavoritin an Hütters Zeit deutlich scheiterte. Das Podest war greifbar, selbst nachdem Vonn sich an die Spitze gesetzt hatte, dann zog auch Tina Maze vorbei.

Erst ein Podestplatz

Ob Hütter bei der Fahrt von Fenninger, die als Letzte der Topgruppe ins Rennen gestartet war, dann eher an sich und die mögliche Medaille gedacht oder Fenninger kompromisslos den Erfolg gewünscht habe, wollte sie danach niemand fragen. Hütter gab sich diplomatisch, wenngleich sie enttäuscht wirkte. „Ich habe mich natürlich anfangs sehr gefreut. Aber auch irgendwie schon geahnt, dass das wieder der Vierte wird. Die Topgruppe mit Lindsey und Tina Maze war ja noch oben, und mit Anna musste man einfach immer rechnen“, sagte die 22-Jährige.

Cornelia Hütter bei der Siegerehrung auf Platz 4

APA/EXPA/Johann Groder

Noch musste Hütter (Dritte von rechts) rechts vom Podium stehen

Ein vierter Platz im Super-G von Cortina d’Ampezzo war auch das bisher beste Saisonergebnis Hütters, in St. Moritz war sie unmittelbar vor der WM im Super-G Fünfte geworden. Den Sprung auf das Weltcup-Podest hat die Streirerin in 32 Versuchen erst einmal geschafft, vor zwei Jahren als Abfahrtsdritte in Val d’Isere. Dass es nicht schon viel mehr sind, ist offenbar ihrer riskanten Fahrweise geschuldet.

ÖSV-Damen-Cheftrainer Jürgen Kriechbaum gegenüber ORF.at über Hütters Stil: „Sie sucht in allen Belangen die Geschwindigkeit. Sie fährt eher zu viel in der Hocke als zu wenig. Das ist eigentlich die große Stärke von ihr. Kurvengeschwindigkeiten von über 120 km/h machen Conny nichts aus. Unsicherheitsfaktoren waren bis dato die Sprünge. In diesem Bereich hat sie sich heuer aber stark gesteigert, jetzt kann sie auch in die Abfahrtshocke hineinlanden. Und sie hat einen Hang zur riskanten, direkten Linie. Zu rundes und zu hohes Fahren wird man bei ihr kaum sehen. Dadurch hat sie auch den einen oder anderen Top-Drei-Platz verspielt.“

Siegerehrung „war voll cool“

„Anna hat mir gesagt, dass sie bei ihrer ersten WM auch Vierte (Super-G, Val d’Isere 2009) geworden ist. Vielleicht ist das ja ein gutes Omen“, sagte Hütter, die damit zumindest ihren Startplatz in der WM-Abfahrt am Freitag (19.00 Uhr, live in ORF eins) mehr als rechtfertigte und sich dabei für Sotschi revanchieren könnte, wo sie bei ihrem Olympiadebüt in der Abfahrt über Platz 24 nicht hinausgekommen war.

Als WM-Vierte durfte sie am Abend immerhin zur Siegerehrung der besten sechs auf der Solaris Plaza in Vail, sogar eine Trophäe wurde ihr überreicht. Da war der Ärger über das verpasste Podest längst vergessen. „Im Ziel habe ich mich noch geärgert. Aber jetzt, das war voll cool. Es war sehr schön, diese Stimmung mitzuerleben“, freute sich Hütter. Auf Facebook schrieb sie: „Habe gerade meine Medaille bekommen. Vielen Dank für die Blecherne!“

Die Gedanken an das Rennen waren immer noch präsent. „Insgesamt war das skifahrerisch fast perfekt“, so Hütter, sie habe einmal mehr alles riskiert und sogar auf neue Ski zurückgegriffen. Vollgas oder gar nicht - ihrem Ruf wurde Hütter auf dem von ihrem Trainer Roland Assinger gesetzten Kurs auch auf der neuen und anspruchsvollen „Raptor“-Piste in Beaver Creek einmal mehr gerecht.

„Das sieht man nicht so oft“

Kriechbaum schwärmt von Hütter und ihrer Fahrweise, die auf die Teamkolleginnen abfärbt. „Sie verkörpert die pure Angriffslust“, sagte er. Zu ihren Fans zählt aber auch Hütters steirische Landsfrau, die frühere Speed-Queen Renate Götschl, die 1999 in Vail Weltmeisterin in der Abfahrt geworden und dabei ähnlich kompromisslos ans Werk gegangen war. Über Hütter sagte sie: „Eine coole Frau. Sie denkt sich nicht viel und ist endlich wieder eine, die Gas gibt und nicht zurücksteckt, egal was kommt. Das taugt mir, das sieht man nicht so oft.“

Ihrem Stil hatte Hütter schon öfter Tribut gezollt. Vor fünf Jahren, kurz nachdem sie mit Bronze in Abfahrt und Super-G bei der Junioren-WM ihre ersten internationalen Erfolge gefeiert hatte, zog sie sich bei einem Europacup-Super-G eine Knieverletzung und einen Nasenbeinbruch und musste monatelang pausieren. Auch im Dezember davor war sie verletzungsbedingt mehrere Wochen außer Gefecht gewesen. Ihr Weltcup-Debüt gab sie ein Jahr später im Dezember 2011 mit den Rängen 43 und 37 in den Abfahrten von Lake Louise. Zehnte und damit erstmals in den Top Ten war sie ein Jahr später in St. Anton (Abfahrt). Bis dato sind es ein Podest und acht weitere Top-Ten-Plätze geworden.

Michael Fruhmann, ORF.at, aus Vail/Beaver Creek

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