Krankenhaus statt Medaille
Bode Miller ist am Donnerstag beim Super-G zum tragischen Helden geworden. Der 37-jährige US-Amerikaner war bei seinem Renncomeback nach der Rückenoperation mit Bestzeit unterwegs, ehe ihn ein kapitaler Sturz aus allen Träumen riss. Statt mit einer Medaille bei der Siegerehrung endete sein Tag mit einer durchtrennten Muskelsehne im Unterschenkel. Miller wurde umgehend operiert, die WM ist für den US-Star vorbei.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Vor allem im oberen Teil lieferte der vierfache Weltmeister eine furiose Fahrt mit seinen unnachahmlichen Schwüngen ab. Bei der zweiten Zwischenzeit lag Miller 0,56 Sekunden vor dem zu diesem Zeitpunkt führenden Österreicher Georg Streitberger. „Der Miller ist oben perfekt gefahren - so muss man fahren, dachte ich mir, nur eben die Kompression besser“, sagte Weltmeister Hannes Reichelt, der den Lauf des US-Amerikaners im Startbereich beobachtet und daraus seine Schlüsse gezogen hatte.
Dieses Element ist nicht mehr verfügbar
Bei Bode Millers Sturz stockte den Fans der Atem
Durchschnittene Muskelsehne
Bei der Kompression vor dem Ziel wurde Miller aber das Risiko zum Verhängnis. Miller blieb mit dem linken Arm an einem Tor hängen, wurde ausgedreht und kam vor den Augen seiner Familie böse zu Sturz. Miller schlitterte die Piste hinunter, fuhr danach selbst ins Ziel, wo die Kameras eine tiefe Fleischwunde am rechten Bein unterhalb des rechten Knies einfingen. Noch im Zielraum wurde ein provisorischer Verband über den blutigen Skianzug angelegt.
Wie die spätere Diagnose im Spital ergab, war eine Muskelsehne im rechten Unterschenkel, unterhalb der rechten Kniekehle, bei dem Sturz durchgeschnitten worden. Miller wurde noch am Donnerstagabend (Ortszeit) im Vail Valley Medical Center operiert. Obwohl er gleich wieder entlassen wurde, kann der 37-Jährige an keinen weiteren Rennen mehr teilnehmen.
US-Amerikaner im Pech
„Schade. Bode war unsere heißeste Chance im Super-G. Das dauert jetzt wieder Monate“, bedauerte US-Herren-Chef Alexander Hödlmoser bei der Mannschaftsführersitzung den Ausfall Millers. Was das für die weitere Skikarriere bedeutet, wollte der Österreicher nicht beurteilen. Dass man trotz der fünf US-Starter im Super-G medaillenlos geblieben war, habe zudem für einen kleinen Knick gesorgt. „In der Abfahrt sind wir aber wieder dabei“, ist Hödlmoser sicher.
Vor Miller war bereits Travis Ganong ausgeschieden, nach ihm verspielte Andrew Weibrecht, der Super-G-Dritte in Vancouver 2010 und Sotschi 2014, seine Chancen mit einem schweren Fehler im oberen Teil. Titelverteidiger Ted Ligety und Steven Nyman waren ebenfalls chancenlos, womit der WM-Gastgeber USA damit trotz fünf Startern ohne Medaille blieb.

AP/Brennan Linsley
Die Fahrt von Bode Miller endete abrupt und schmerzvoll
Svindal bei Comeback Sechster
Der zweite Läufer, der neben Miller im Super-G sein Comeback gab, war Aksel Lund Svindal. Der Norweger lieferte dabei dreieinhalb Monate nach seinem Achillessehnenriss eine echte Sensationsfahrt ab und landete auf Platz sechs - nur eine Zehntelsekunde hinter Bronze und 0,37 Sekunden hinter Reichelt. Im oberen Teil hielt sich der 32-Jährige noch zurück, wurde aber immer schneller und übernahm mit Startnummer 14 die Zwischenführung. „Das ist der schönste sechste Platz aller Zeiten, wenn man bedenkt, dass man mir vor drei Monaten gesagt hat, dass ich in diesem Winter nur zuschauen würde“, schrieb Svindal auf Facebook.
Nach seiner Fahrt ließ sich Svindal mit ausgebreiteten Armen beglückt in den Schnee fallen und küsste danach innig seine Ski. Auch die Zuschauer auf der Tribüne tobten. Selbst der Schweizer Didier Cuche riss begeistert seine Arme in die Höhe. „Das ist die Sensation eigentlich. Er ist einfach ein außergewöhnlicher Typ. Das ist Wahnsinn, was er macht. Er ist nur 37 Hundertstelsekunden hinter Gold. So etwas ist normalerweise einfach nicht möglich“, war Ex-Skiläufer Kjetil Andre Aamodt fassungslos über die Vorstellung seines Landsmannes.
Christian Wagner, ORF.at
Links: