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Große Enttäuschung statt Edelmetall

Eigentlich hätte es im Slalom am Sonntag der letzte Angriff auf eine Medaille bei einem Großereignis werden sollen. Geendet hat der abschließende WM-Bewerb in Vail/Beaver Creek für Mario Matt und Benjamin Raich mit einer Riesenenttäuschung. Die Olympiasieger und Weltmeister aus Tirol schieden bereits im ersten Durchgang aus und verabschiedeten sich damit von der WM-Bühne, auf der sie so große Erfolge feiern durften.

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Matt holte insgesamt fünf WM-Medaillen. Gold gab es im Slalom 2001 in St. Anton und 2007 in Aare, wo er auch den Titel mit dem Team feiern durfte. Hinzu kommen Kombi-Silber (2001) und Slalom-Bronze bei der Heim-WM in Schladming 2013. Raich hat für seine Sammlung überhaupt zehnmal Edelmetall von einer WM mitnehmen dürfen. Herausragend war für den 36-Jährigen dabei Bormio 2005, wo er mit Titeln in Slalom und Kombi insgesamt fünf Medaillen eroberte. Ihre Zukunftsplanung ließen beide offen, vor allem bei Matt dürften die Zeichen aber auf Abschied stehen.

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Mario Matts letzte Fahrt bei einer Weltmeisterschaft

Einen WM-Start in zwei Jahren in St. Moritz schloss Matt bereits „zu 100 Prozent“ aus. Für den 35-Jährigen endete damit seine WM-Laufbahn nach 25 Sekunden im ersten Durchgang. „Ich habe klassisch eingefädelt. Den langen Schwung bin ich im Endeffekt ein bisschen zu eng gefahren. Oben weg war es in Ordnung. Ich hatte nicht das beste Gefühl im Steilhang. Es hat mich gewundert, dass ich trotzdem dabei war. Im Flachen wäre ich gut ins Fahren gekommen. Von dem her wäre wohl einiges möglich gewesen“, haderte der Tiroler.

Matt-Ausfall als „Kopie des Winters“

Für Matt war der WM-Slalom „eine Kopie des Winters“. In Vail/Beaver Creek schied er zum sechsten Mal in dieser Saison aus, Rang zwölf in Kitzbühel bleibt damit das beste Ergebnis. „Es ist fast schon unglaublich, dass ich im Training wahnsinnig schnell bin, aber im Rennen einfach nie belohnt werde“, sagte der enttäuschte Flirscher. Die vor wenigen Tagen erlittene Knöchelverletzung wollte Matt nicht als Ausrede gelten lassen: „Der Knöchel war okay, das hab ich ausgeblendet. Das hat mich nicht behindert.“

Mario Matt (AUT)

APA/EPA/George Frey

Der Ausfall hinterließ beim meist „coolen“ Mario Matt seine Spuren

Auf die Frage nach seinen weiteren Skiplänen antwortete Matt: „Wie es weitergeht, das ist momentan sehr schwierig zu sagen. Die WM war noch einmal ein großes Ziel von mir, auf das ich mich gewissenhaft vorbereitet habe. Leider hat es nicht geklappt. Jetzt werde ich einmal eine Pause einlegen und dann entscheiden“, sagte Matt, der nach seinem Ausfall noch minutenlang am Pistenrand gestanden war. Der nächste Slalom wäre erst am 15. März in Kranjska Gora, danach folgt noch der Abschluss beim Weltcup-Finale in Meribel.

Raich will nicht in der „Emotion entscheiden“

Die Fahrt von Raich dauerte nur zwölf Sekunden länger als jene von Matt. Nach passabler Zwischenzeit verabschiedete sich Raich vor den Augen seiner Freundin Marlies Schild mit einer Pirouette. „Die Ski haben gegriffen, und ich konnte nicht mehr um die Kurve fahren. Das geht schnell, da kann man gar nichts mehr machen. Das muss man durch. Ich weiß schon, was ganz, ganz wichtig ist im Leben. Skifahren ist natürlich das Wichtigste für einen Sportler, aber man muss alles am Boden halten“, nahm es der Tiroler locker.

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Benjamin Raichs bitterer Ausfall im ersten Durchgang

Raich gestand, dass er vor allem nach seinem RTL-Ausfall am Freitag „schwerst enttäuscht“ war. „Denn da hatte ich eine große Chance.“ Ob er im kommenden Winter im Weltcup oder sogar 2017 bei der WM in St. Moritz noch dabei sein wird, ließ der Pitztaler offen. „Ich werde meine Entscheidung irgendwann im Sommer oder vielleicht auch erst im Herbst bekanntgeben. Ich möchte das nicht jetzt in der Emotion entscheiden. Du musst spüren, ob du noch eine Freude und eine Chance hast“, so Raich, der hinzufügte: „Man kann natürlich auch sagen, dass es genug ist. Alt genug wäre ich auf jeden Fall.“

Herbe Kritik an Kurssetzung

Nach zahlreichen Jahren im Weltcup und entsprechender Erfahrung nahmen sich aber sowohl Raich als auch Matt kein Blatt vor den Mund, was die äußerst eigenwillige Kurssetzung im ersten Durchgang des steirischen Norwegen-Trainers Christian Mitter betraf. „Mir persönlich ist der Lauf eigentlich sehr gut gelegen, aber zum Zuschauen ist es eine Katastrophe. Ich empfinde das fast als Frechheit“, fand Raich klare Worte für den drehenden Kurs.

Auch Matt war sauer: „Es hat nicht gut ausgesehen. Und ich weiß nicht, ob man auf der Höhe unbedingt 1:05 Minuten Slalom fahren muss.“ Auffällig sei laut Raich, dass die taktischen Manöver der eigenwilligen Kurssetzer meistens ohnehin nicht aufgehen. „Die schießen sich eh immer ins eigene Knie“, sagte Raich angesichts der Tatsache, dass nach dem ersten Lauf kein Norweger in den Top Acht lag.

Benjamin Raich (AUT)

GEPA/Christian Walgram

Benjamin Raich hatte für die Kursetzung einen letzten kritischen Blick

Der Tiroler verglich die Herren-Bilder mit jenen vom Damen-Slalom am Samstag. „Die Mädels sind da gestern super runtergezogen, und wir fahren da runter wie die ersten Menschen. Der Gewinner ist sicher ein würdiger Weltmeister, aber als Zuschauer muss ich mir das nicht unbedingt geben“, sagte der 36-Jährige. „Irgendwie schade, dass manche Trainer meinen, sie müssen immer etwas Spezielles machen“, meinte auch Matt.

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