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Vom Amateur- zum Chefcoach

Die Wiener Austria hat nach der 0:1-Niederlage am Samstag gegen Ried die schon länger erwartete Konsequenz gezogen. Die „Veilchen“ beurlaubten am Sonntag Trainer Gerald Baumgartner. Auch Assistent Renato Gligoroski muss gehen. Clublegende und Amateure-Coach Andreas Ogris soll den kriselnden Club als vorläufiger Nachfolger Baumgartners bis Saisonende in die Erfolgsspur zurückbringen.

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Baumgartner hatte die Austria im vergangenen Sommer als Nachfolger von Interimscoach Herbert Gager übernommen. Der Club kam unter dem ehemaligen St. Pölten- und Pasching-Trainer - Letztgenannte coachte er vor zwei Jahren sensationell zum Cupsieg - aber nie richtig auf Touren. Trotz eines Derby-Siegs über Rapid entfernte sich die Austria in den vergangenen Wochen immer weiter vom gesteckten Saisonziel Europacup-Platz. Nach der Niederlage gegen Ried rangieren die Wiener nur auf Platz sieben.

Austrias  Ex-Coach Gerald Baumgartner

GEPA/Christian Ort

Gescheitert: Baumgartners Konzept mit der Austria ging nicht auf

„Wir haben nach dem Spiel eingehende Diskussionen geführt, sehen unsere sportlichen Mindestziele sehr gefährdet, müssen als Clubverantwortliche die aktuellen Entwicklungen sehen und Impulse setzen. Demnach habe ich dem Präsidium und Vorstand einen Vorschlag unterbreitet, der einstimmig angenommen wurde“, wird Sportdirektor Franz Wohlfahrt auf der Austria-Website zitiert. Auch AG-Vorstand Markus Kraetschmer sah keinen anderen Ausweg mehr: „Wir bedauern diesen Schritt, natürlich ist das keine schöne Situation für alle Beteiligten. Jetzt ist aber der Zeitpunkt, wo wir ein Zeichen setzen mussten, um die sportliche Talfahrt zu stoppen.“

Nur acht Siege in 26 Spielen

In 26 Bundesliga-Spielen unter Baumgartner feierte die Austria nur acht Siege, bei neun Remis und neun Niederlagen. Unter Nachfolger Ogris, der nach Saisonende laut Austria-Website wieder zu den Amateuren zurückwechseln wird, sollen die „Veilchen“ wieder in die Spur finden. Schon am Montagnachmittag wird der 50-jährige Ogris, der die UEFA-Pro-Lizenz besitzt, das Training der „Veilchen“ leiten, denen nach der Länderspielpause in zwei Wochen der schwere Gang zu Meister Salzburg bevorsteht.

Angesichts der tristen Tabellensituation - sechs Punkte fehlen auf den fünftplatzierten WAC - ist möglicherweise der Cup der letzte Rettungsanker im Hinblick auf einen internationalen Bewerb, den man schon zum zweiten Mal in Folge zu verpassen droht. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, aber die Ergebnisse der vergangenen Wochen, die Art und Weise, wie diese zustande kamen und vor allem die Situation zehn Spieltage vor Saisonende zwangen uns, aus Verantwortung dem Club gegenüber zu handeln“, erklärte Kraetschmer.

31. Trainer seit 1990

Einmal mehr wurde die Austria damit ihrem Ruf als „Trainerfriedhof“ gerecht. Nach Karl Daxbacher (bis Dezember 2011) standen bei der Austria mit Ivica Vastic (2012), Peter Stöger (2012/13), Nenad Bjelica (2013/14), Herbert Gager (2014) und nun Baumgartner zuletzt binnen etwas mehr als drei Jahren fünf Trainer an der Seitenlinie. Ogris ist beim 24-fachen Meister der 31. Übungsleiter seit 1990.

Der 50-jährige wechselt so wie im Jänner 2012 Vastic und im Februar 2014 Gager von den Amateuren während der Saison auf die Bank der Bundesliga-Mannschaft. Davor trainierte Ogris unter anderem Simmering und Schwadorf sowie die Jugendabteilungen der Austria. Als Aktiver absolvierte der Stürmer 276 Pflichtspiele für die Austria und erzielte 99 Tore. 1990/91 kickte Ogris auch in Spanien bei Espanyol Barcelona und traf dort in 29 Spielen viermal. Für die Nationalmannschaft war der 63-fache Teamspieler elfmal erfolgreich.

Baumgartner weit hinter Erwartungen

Während auf Ogris bei der Austria viel Arbeit wartet, endete für Baumgartner das erste Engagement im heimischen Oberhaus mit einer Bruchlandung. Am 8. März dürfte Baumgartner mit dem 2:1-Derby-Sieg über Rapid noch einmal den Kopf aus der Schlinge gezogen haben, nach dem 1:1 gegen die Admira und dem nunmehrigen 0:1 gegen Ried war aber Endstation - nach nicht einmal ganz zehn Monaten.

Baumgartner war im Mai 2014 nach Favoriten gekommen - und das eigentlich nur als dritte Wahl nach dem nunmehrigen Salzburg-Trainer Adi Hütter sowie Köln-Kotrainer Manfred Schmid. Von Baumgartner versprach sich die Austria-Führung eine Rückkehr zu alten Tugenden, aggressives Pressing sollte Einzug halten.

Davon war schließlich aber nur wenig zu sehen, die Umsetzung einer klaren Spielphilosophie nicht zu erkennen. Eine oft angespannte Kadersituation machte es Baumgartner dabei nicht unbedingt leichter. Zuletzt war es etwa der nicht adäquat nachbesetzte Abgang von Goalgetter Omer Damari, der die „Veilchen“ einer ihrer wenigen Qualitäten in dieser Saison beraubte.

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