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Olympiasieger zieht Schlussstrich

Mit Mario Matt hat am Donnerstag einer der erfolgreichsten Slalom-Läufer aller Zeiten seine Karriere beendet. Der Weltmeister von 2001 und 2007 und Olympiasieger von 2014 zog nach über 15 Jahren im Weltcup einen Schlussstrich unter seine erfolgreiche Karriere, in der der 35-Jährige aus Flirsch am Arlberg auch 15 Weltcup-Siege gefeiert hatte.

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Matt, der seinen Entschluss bei einer Pressekonferenz in St. Anton verkündete, wird wegen seiner im WM-Vorfeld erlittenen Verletzung am Sonntag-Slalom in Kranjska Gora nicht mehr teilnehmen, für das Weltcup-Finale in Meribel wäre er nach aktuellem Stand ohnehin nicht qualifiziert gewesen. Wie neue Untersuchungen in Innsbruck ergeben haben, hat sich der Tiroler bei seinem Trainingssturz in Beaver Creek ein Knochenmarködem im Sprunggelenk zugezogen.

Pressekonferenz mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, Mario Matt und ÖSV-Sportdirektor Hans Pum

APA/Dietmar Stiplovsek

Flankiert von den ÖSV-Granden Schröcksnadel (l.) und Pum (r.) trat Matt zurück

Im Karl-Schranz-Zielstadion von St. Anton, wo er vor 14 Jahren erstmals Weltmeister geworden war, gab Matt seinen Entschluss bekannt. „Ich habe mich mit der Familie beraten. Ich habe erkannt, dass für mich Skifahren nicht mehr das Wichtigste ist. Wenn ich Touristen im Tiefschnee sehe, denke ich, das würde mir mehr Spaß machen“, sagte er auf dem Pressetermin.

Viele Höhen und Tiefen

Matt kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Im Dezember 1999 gab er in Kranjska Gora sein Weltcup-Debüt, 2000 feierte er in Kitzbühel seinen ersten Sieg. 2001 stellte sich mit dem Weltmeistertitel in St. Anton der erste große Höhepunkt ein. „Zu Hause Gold und Silber zu holen, das ist ganz wenigen Sportlern vergönnt. Das war schon etwas Besonderes“, erinnerte sich Matt, der auch Silber in der Kombination errungen hatte. 2007 in Aare holte der „Adler vom Arlberg“, wie er oft genannt wurde, seinen zweiten WM-Titel im Slalom, um im Vorjahr mit Olympiagold in Sotschi seine Karriere zu krönen.

„Aber auch die Verletzungen haben mich geprägt. Ich musste mich hart zurückkämpfen“, erinnerte Matt. Besonders hart war es 2002. Beim Start zum Slalom in Kitzbühel riss sich Matt die Bänder in der Schulter, trotzdem beendete er den ersten Lauf als Neunter. Danach ging es ins Spital, noch am Nachmittag wurde er operiert. Durch anhaltende Rückenschmerzen fiel Matt in der Weltrangliste 2010 weit zurück, kämpfte sich aber zurück.

Keine Gefahr von „Pensionsschock“

In seiner langen Zeit als Skirennläufer hat sich Matt auch schon eine Karriere nach der Karriere aufgebaut. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Andrea betreibt er in St. Anton die Apres-Ski-Bar „Krazy Kanguruh“, zudem züchtet er daheim in Flirsch seit 2001 erfolgreich Araber. Derzeit besitzt er 27 Pferde.

„Das macht mir viel Spaß, und ich verbringe gerne Zeit dort. Jetzt vielleicht mehr, darauf freue ich mich. Auch die Apres-Ski-Bar macht viel Arbeit. Mir wird also nicht so schnell langweilig“, versicherte Matt und bedankte sich zum Karriereende bei seinen Eltern, beim Skiverband, bei seinen Trainern und bei seinen Fans.

„Rennpferd“ verlässt den ÖSV-Stall

„Matt reißt in der Slalom-Truppe ein tiefes Loch, sowohl sportlich als auch menschlich. Er war das Zugpferd. Er war unser Rennpferd“, sagte ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher zum Abschied. Im ÖSV hofft man, dass Matts jüngster Bruder Michael (21) in die erfolgreichen Fußstapfen treten kann. Zudem ist Marios 32-jähriger Bruder Andreas als Skicrosser aktiv (Weltmeister 2009 und Olympiazweiter 2010).

Im ORF-Interview ließ Mario Matt anschließend seine größten Erfolge noch einmal Revue passieren: „Ich glaube nicht, dass viele das Glück haben, zweimal Weltmeister und einmal Olympiasieger zu werden. Diese drei Erfolge machen mich stolz. Nach Verletzungen muss man kühlen Kopf bewahren, das ist mir gelungen, ich hatte dabei auch ein gutes Umfeld. Es war auch eine große Motivation, sich mit hohen Startnummern wieder nach vorne zu kämpfen.“

Der richtige Zeitpunkt

„Die Entscheidung, nach Olympia weiterzumachen, war richtig“, unterstrich Matt. „Ich glaube, dass ich alles richtig gemacht habe, auch wenn ich jetzt gespürt habe, dass Rennen fahren nicht mehr das Wichtigste ist. Letztes Jahr hatte ich das Gefühl noch nicht.“

Ausfall von Mario Matt bei der WM in Beaver Creek

GEPA/Christian Walgram

Matts letztes Rennen bei der WM in den USA endete mit einem Einfädler

" Obwohl die Resultate heuer nicht auf dem Papier stehen, weiß ich, dass ich noch mit den Schnellsten mitfahren könnte. Es ist daher ein bisschen schade, dass ich so gut drauf war und dann so wie in Madonna das Podium um drei Tore nicht erreicht habe", meinte der 35-Jährige. „Obwohl es mit den vielen Ausfällen nicht leicht war, habe ich bis zur WM alles versucht. Aber das war früher auch so, dass ich Jahre hatte, in denen nicht alles geklappt hat. Dennoch kann ich zufrieden sein.“

„Dass ich im hohen sportlichen Alter noch den Olympiasieg geschafft habe, war etwas ganz Besonderes“, fügte der älteste Olympionike der alpinen Skigeschichte hinzu. „Es ist viel harte Arbeit, das sieht man im Fernsehen nicht. Was ich nicht vermissen werde, ist die tägliche Arbeit mit dem Material, das Testen. Die schönen Zeiten, wenn man Läufe ins Ziel bringt und dann auf dem Podium ganz oben steht, darum macht man das. Diese Zufriedenheit gibt einem unheimlich viel.“

Schröcksnadel und Pum sagen Danke

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zollte Matt zum Abschied großes Lob: „Es hören leider immer wieder Skifahrer auf, leider. Die Frage ist, was sie uns gebracht haben. Mario, du hast uns sehr viel gebracht. Für den Skiverband ist es schade, dass du aufhörst. Aber für uns ist wichtig, was er uns gegeben hat. Der WM-Titel in St. Anton war wunderbar, der Olympiasieg zum Abschluss war der größte, danke.“

Auch ÖSV-Sportdirektor Hans Pum richtete bei der PK das Wort an Matt: „Ich möchte mich für die gemeinsame Zeit und die schönen Augenblicke, die du uns geschenkt hast, bedanken. Es gibt drei herausragende Dinge: Die ruhige Art mit dem trockenen Schmäh, zweitens die Skitechnik mit dem Carven, und drittens war er der Athlet, der die neue Technik eingeführt hat. Die ganze Welt hat zu ihm aufgeschaut. Was mich auch sehr beeindruckt hat, war sein Kämpferherz. Danke!“

ÖSV-Superstar Marcel Hirscher postete auf Facebook ein Bild der Olympischen Spiele in Sotschi, das Matt mit der Goldmedaille und ihn mit Silber zeigt. „Ein ganz, ganz Großer (nicht nur körperlich) geht. Mario, alles Gute!!!“, schrieb der Salzburger.

Steckbrief von Mario Matt

  • Geboren am 9. April 1979 in Flirsch am Arlberg
  • Wohnort: Flirsch/Tirol
  • Größe/Gewicht: 1,90 m/90 kg
  • Familienstand: ledig, Freundin Andrea
  • Ski: Blizzard
  • Verein: Skiclub St. Anton
  • Hobbys: Reiten, Motorradfahren, Wandern

Größte Erfolge:

  • Olympia: Gold im Slalom 2014, Teilnahmen 2006 und 2014
  • WM: Gold im Slalom 2001 und 2007, Gold im Teambewerb 2007, Silber in der Kombination 2001, Bronze im Slalom 2013, Teilnahmen 2001, 2003, 2005, 2007, 2009, 2011, 2013 und 2015
  • Weltcup: 15 Siege (14 Slalom, 1 Kombination), Zweiter im Slalom-Weltcup 2006/07, Dritter im Slalom-Weltcup 2000/01
  • Europacup: Slalom-Gesamtsieger 1999/2000
  • Junioren-WM: Silber im Slalom 1998 und in der Kombination 1999

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