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Eindeutige Favoritenrolle

Am Sonntag (9.00 Uhr, live in ORF2) erfolgt für Tausende Laufbegeisterte auf der Wagramer Straße vor der UNO-City der Start zum 32. Vienna City Marathon (VCM). Insgesamt haben für alle Bewerbe (Marathon, Halbmarathon, Staffel und Kinderläufe) mehr als 42.000 Läufer genannt, davon über 9.000 für die klassische 42,195-km-Distanz.

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Passiert keine Überraschung, so könnte etwa um 11.05 Uhr Getu Feleke als Erster die Ziellinie auf dem Heldenplatz überqueren. Der 28-jährige Äthiopier geht als Favorit ins Rennen und peilt eine noch bessere Zeit als bei seinem Vorjahressieg an, als er in 2:05:41 Stunden den Streckenrekord um über eine Minute unterboten hat.

Grafik der Marathonstrecke

APA/ORF.at

Auch heuer laufen wieder Tausende Marathoni 42,195 km durch Wien

Schnellster Marathon im Jahr 2015?

Diese Marke war 2014 die siebentschnellste Marathon-Siegerzeit weltweit, diesmal scheint sogar eine Jahresweltbestzeit möglich. Dafür müsste Feleke, dessen Bestzeit seit seinem zweiten Platz in Rotterdam 2012 bei 2:04:50 steht, die von seinem Landsmann Lemi Berhanu im Jänner in Dubai aufgestellten 2:05:28 knacken. „Wenn das Wetter mitspielt, ist das möglich. Und auch die persönliche Bestzeit. Wenn nicht, dann will ich wieder einen Streckenrekord“, kündigte er am Freitag bei der Pressekonferenz der Topläufer an.

Teilnehmerrekord bei Marathon

Der Countdown für das größte Laufspektakel Österreichs, für den Vienna City Marathon läuft. 42.742 Teilnehmer, darunter rund 9.000 über die volle Distanz, sorgen für eine neuen Rekord.

Nach seinem VCM-Sieg im Vorjahr hatte Feleke im Herbst den Start beim Frankfurt-Marathon verletzungsbedingt absagen müssen, inzwischen ist er aber wieder topfit und hat im Februar bei einem Halbmarathon in Barcelona mit der guten Zeit von 60:45 Minuten aufgezeigt. „Ich bin in guter Form. Wenn ich hier Bestzeit laufe, werde ich vielleicht für die WM im August in Peking nominiert.“

Absagen dezimieren Elitefeld

Das Elitefeld der Herren wurde durch fünf kurzfristige Absagen stark dezimiert, insgesamt haben nur fünf Läufer eine Bestzeit unter 2:09 Stunden vorzuweisen. Als erste Herausforderer Felekes gelten der Äthiopier Sisay Lemma (PB 2:07:06) und der Kenianer Duncan Koech (2:07:53), Anwärter auf einen Podestplatz sind außerdem Beraki Beyene aus Eritrea (2:08:27) und Siraj Gena aus Äthiopien (2:08:31). Der 24-jährige Lemma hat als Dubai-Fünfter erst Ende Jänner seine bisherige Bestmarke um fast zwei Minuten unterboten, der 34-jährige Koech will bei seinem bereits 22. Marathon erneut seine als VCM-Vierter im Vorjahr knapp verpasste Bestzeit angreifen.

Sisay Lemma, Getu Feleke und Duncan Koech

GEPA/Christian Ort

Feleke (Mi.) mit seinen Herausforderern Lemma (li.) und Koech (re.)

VCM-Rennleiter Mark Milde ist sich bewusst, dass im Elitefeld hinter Feleke eine Lücke klafft. „Wir sind nicht so breit aufgestellt, aber das Feld hat trotzdem die Klasse für schnelle Zeiten. Es ist aber zugespitzt auf Feleke.“ Seine Wiederverpflichtung habe einen großen Teil des Budgets in Anspruch genommen. Nach den Absagen sei zwar wieder Startgeld frei geworden, so kurzfristig seien aber nur noch schwer Läufer zu bekommen, erklärte Milde.

Die Pacemaker sollen am Sonntag Gruppen mit Zielzeiten um 2:05 und um 2:09 anführen. Nach Vorgesprächen mit den Managern geht Milde davon aus, dass einige Läufer versuchen werden, in der ersten Gruppe mitzulaufen. Wie im Vorjahr haben die Veranstalter keine Versicherung für einen eventuellen Streckenrekord abgeschlossen, die Prämie beträgt erneut 15.000 Euro.

Pflügl geht auf WM-Limit los

Bester Österreicher könnte wie im Vorjahr (Elfter in 2:18:00) Christian Pflügl sein. Der 36-jährige Oberösterreicher hat sich für seinen zehnten Marathon hohe Ziele gesteckt. „Ich war zur Vorbereitung vier Wochen lang in Kenia. Ich habe alles für dieses Rennen gemacht. Ich gebe 120 Prozent“, sagte der dreifache Vater, der mit einer persönlichen Bestzeit (2:15:58) oder sogar dem WM-Limit (2:15:00) liebäugelt und mit drei Pacemakern laufen wird. Als Traumziel nannte Pflügl die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. „Ich will das noch einmal probieren. Ich werde die 2:14 im Herbst in Berlin oder Frankfurt versuchen.“

Christian Pfluegl

GEPA/Christian Ort

Christian Pflügl verspricht, am Sonntag „120 Prozent“ zu geben

Zeiten unter 2:25 sind auch dem Kärntner Roman Tramoy-Weger und dem Tiroler Simon Lechleitner zuzutrauen. Der 40-jährige Tramoy-Weger, beim VCM viermal bester Österreicher und 2014 in 2:21:23 Stunden 13., hat seine Ansprüche altersbedingt heruntergeschraubt und wäre bereits mit einer 2:24er-Zeit zufrieden. Der 35-jährige Lechleitner, bisher vor allem als Bergläufer erfolgreich, will seine Bestzeit von 2:25:42 hingegen deutlich unterbieten und wenn möglich die „Schallmauer“ von 2:20 angreifen.

Prominentester Marathon-Debütant ist am Sonntag der ehemalige Biathlet Christoph Sumann. Der vielfache Medaillengewinner bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften hatte seine Karriere vor einem Jahr beendet, im abgelaufenen Winter war der 39-jährige Steirer unter anderem als TV-Experte für den ORF tätig.

Rudolf Srb, ORF.at

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