Die Ausnahme von der Regel
Die Verantwortlichen der deutschen Bundesliga haben wohl tief durchgeatmet. RasenBallsport Leipzig verpasste heuer den angestrebten Aufstieg ins Oberhaus. Der Red-Bull-Konzern ist den Gralshütern der Vereinsstruktur schon lange ein Dorn im Auge. Dabei sind viele deutsche Vereine fest in der Hand von Konzernen. Allen voran Volkswagen, das kommende Saison ein Sechstel der Bundesliga-Clubs stellt.
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Neben der hundertprozentigen Konzernfiliale VfL Wolfsburg redet VW über seine Tochter Audi auch beim neuen Aufsteiger FC Ingolstadt und bei Bayern München in den Vorstandssitzungen mit. An Ingolstadt hält Audi 19,94 Prozent der Anteile, bei Bayern gehören 8,33 Prozent der VW-Tochter. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sitzt daher auch im Aufsichtsrat des Rekordmeisters aus München. Damit hat VW bei drei von 18 Vereinen seine Hand im Spiel.
Das Engagement von Audi bei Ingolstadt ist einer der Gründe für den Aufstieg. Denn gegründet wurde der Verein erst vor elf Jahren. Das Heimstadion - passenderweise Audi-Park genannt - wird an den Club nur vermietet und gehört zur Gänze dem Unternehmen. Ein Traditionsclub sieht anders aus. Deutsche Medien, allen voran die „Bild“-Zeitung, fragen sich bereits: Geht es den Traditionsvereinen an den Kragen?

Reuters/Michaela Rehle
Ingolstadt ist das neue Erstliga-Pferd im Stall des VW-Konzerns
Bestandsschutz für VW
Im März beschlossen die Ligaverantwortlichen zwar eine Beschränkung der Mehrfachbeteiligung von Unternehmen und Investoren, nahmen VW aber von dieser Regelung aus. „Für den Volkswagen-Konzern besteht ein Bestandsschutz“, sagte DFL-Chef Christian Seifert damals. Auch Bayer Leverkusen, zu 100 Prozent in der Hand des Bayer-Konzerns, ist eine Ausnahme.
Unternehmen dürfen nach der Satzungsänderung des Ligaverbandes künftig nur bei einem seiner drei Clubs mit zehn oder mehr Prozent beteiligt sein. Mehrheitsbeteiligungen sind aufgrund der 50+1-Regel (der „Mutterverein“ muss 50 Prozent zuzüglich eines weiteren Stimmanteils in der Versammlung der Anteilseigner innehaben, Anm.) weiterhin nur nach einer mehr als 20-jährigen ununterbrochenen Förderung möglich - wie etwa im Fall von Milliardär Dietmar Hopp bei 1899 Hoffenheim.
Zahlen sind geheim
Die Vormachtstellung von VW wird in der Liga zwar zähneknirschend, aber ohne großes Murren hingenommen. Denn würden dem Konzern bei seinem Fußballengagement Steine in den Weg gelegt werden, bekäme die Liga als Gesamtes ein Problem. Der Volkswagen-Konzern ist auch ein spendabler Sponsor, etwa für den DFB-Pokal und bei insgesamt 16 Clubs in den beiden höchsten deutschen Spielklassen.
Wie viel Geld aus der Konzernzentrale in den Fußball fließt, ist allerdings ein Geheimnis. Details zu den Summen sind tabu für die Öffentlichkeit. Die Bilanz des Profifußballs im VfL Wolfsburg verschwindet über die VW-Tochter Autovision in der großen Konzernbilanz. Die Reaktion auf Fragen danach fällt meist kurz angebunden aus. So schmeckte Ingolstadt-Vorstandschef Peter Jackwerth die Bezeichnung „Werksclub“ für sein Team gar nicht: „Wir sind ein Verein, deswegen weigere ich mich auch, über dieses Werksclub-Gelaber zu diskutieren.“
Nur leise Kritik
Auf den VfL Wolfsburg trifft die Bezeichnung „Werksclub“ dafür zu 100 Prozent zu. Nur dank der finanziellen Spritzen des Konzerns kann sich etwa Wolfsburg Spieler vom Kaliber eines Kevin de Bruyne oder Andre Schürrle leisten. Kritik an der Wettbewerbsverzerrung wird wenn nur leise vorgebracht. Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke warnte bereits vor den finanziellen Möglichkeiten der Wolfsburger: „Wenn VW das richtig ernst nimmt, werden alle Grenzen gesprengt.“ Allerdings profitiert auch Dortmund vom VW-Konzern. Sponsor MAN ist ebenfalls eine Tochterfirma des Autobauers.
Gespannt darf man auf die Duelle zwischen Bayern, Wolfsburg und Ingolstadt in der kommenden Saison sein. Skeptiker fürchten sich bereits vor Wettbewerbsverzerrung. Die Sorge sollte aber unbegründet sein. Denn die Bayern lassen auch, wie aktuell etwa beim 1:2 gegen Freiburg vorgeführt, ohne „Sponsorverwandtschaft“ etwas die Zügel schleifen, wenn es für sie um nichts mehr geht. Ein Umstand, der etwa von Klaus Allofs heftig kritisiert wurde - und der ist der aktuelle Sportdirektor beim VfL Wolfsburg.
In Österreich nicht möglich
Übrigens: In Österreich ist eine derartige Konstellation wie in Deutschland nicht möglich. Der FC Liefering zum Beispiel ist, obwohl lange Zeit Tabellenführer in der Ersten Liga, als Kooperationsclub von Red Bull Salzburg nicht berechtigt, in die Bundesliga aufzusteigen. Selbst im Cup tritt Liefering nicht mehr an, um eine schiefe Optik - wie etwa vor einigen Jahren beim Duell von Salzburg gegen die Red Bull Juniors - zu vermeiden.
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