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Nur fünf sehen heuer das Ziel

Die 21. Auflage des Extrem-Enduro-Bewerbs „Red Bull Hare Scramble“ beim Erzbergrodeo hat am Sonntag gleich vier Sieger gebracht. Der britische Titelverteidiger Jonny Walker, sein Landsmann Graham Jarvis, Alfredo Gomez aus Spanien und der Deutsche Andreas Lettenbichler schafften es nur gemeinsam, die neue Passage „Downtown“ zu bewältigen, und entschlossen sich daher zur gemeinsamen Zieldurchfahrt.

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Das Quartett benötigte 3:58:25 Stunden (schlechteste Siegerzeit) für das härteste Enduro-Eintagesrennen der Welt und blieb damit gerade noch im erlaubten Zeitlimit von vier Stunden, allerdings nur, weil eine Passage von der Rennleitung gestrichen worden war. Am Ende gab es fünf „Finisher“, denn auch noch der Spanier Mario Roman Serrano kämpfte sich nach 35 Kilometern mit fast senkrechten Steilauffahrten, riesigen Geröllfeldern, extrem rutschigen Waldpassagen und anderen Schindereien mit 31 Sekunden Rückstand auf die vier Sieger tapfer ins Ziel.

„Berg hat seine Muskeln gezeigt“

„Der Berg hat heute seine Muskeln gezeigt“, meinte Erzbergrodeo-Mastermind Karl Katoch in einem ersten Interview mit ServusTV unmittelbar nach Rennende angesichts der Tatsache, dass diesmal sogar noch weniger Fahrer als 2012 (sieben) ins Ziel kamen. Damals hatte das Rennen jedoch wegen Nebels und schlechter Sicht 30 Minuten vor dem offiziellen Zeitlimit beendet werden müssen. Katoch versprach den Teilnehmern, dass das auch „die grüne Hölle“ genannte Waldstück „Downtown“ im nächsten Jahr nicht mehr zur Strecke gehören wird.

Erzbergrodeo

GEPA/Christian Walgram

Probiert haben es viele, das Ziel sahen bei der 21. Auflage aber nur fünf Fahrer

„Es gab diesen einen Abschnitt, der war einfach unmöglich. Wir haben uns gegenseitig geholfen und gesagt, jetzt fahren wir alle zusammen ins Ziel. Das war das Beste, was wir machen können. Wir haben es geschafft, ich bin glücklich“, lautete der erste Kommentar von KTM-Fahrer Lettenbichler im Ziel. „Das war eine neue Erfahrung für uns heute. Wir haben gesagt, jetzt helfen wir zusammen“, so Husqvarna-Fahrer Jarvis, der schon 2013 das „Hare Scramble“ gewonnen hatte.

Walker feiert seinen dritten Erfolg

Für den Briten Walker war es nach 2012 und 2014 bereits sein dritter Erfolg. "Es war ein bisschen anders als normal, aber es war ein Superrennen. Es war ein bisschen eine Schande, dass wir uns da (bei „Downtown", Anm.) raufziehen mussten, aber anders wäre es nicht gegangen. So hart war es noch nie“, betonte der KTM-Pilot, der bereits am Vortag den Generali Iron Road Prolog für sich entschieden hatte.

Alfredo Gomez beim Erzbergrodeo

GEPA/Andreas Pranter

Gomez war einer der Wenigen, die sich nicht aus dem Sattel werfen ließen

Der Pole Tadeusz Blazusiak, mit fünf Erfolgen en suite von 2007 bis 2011 der Hare-Scramble-Rekordsieger, kollidierte bei seinem Comeback wenige Sekunden nach dem Start mit Walker und schied aus. Für Husqvarna-Pilot Gomez war es wie für Lettenbichler sein Premierenerfolg. „Ich bin richtig glücklich. Schade, dass wir es nicht wie ein normales Rennen zu Ende bringen konnten“, sagte der Spanier.

Neben der schweren Streckenführung setzte den Teilnehmern auch die große Hitze von 30 Grad zu. So wurde etwa der Österreicher Lars Enöckl (KTM) wie auch ein paar andere Spitzenfahrer disqualifiziert, weil er in der langsamen Passage „Carl’s Dinner“, wo Felsbrocken den Fahrern den Weg versperren, verbotenerweise den Helm abgenommen hatte.

Ungarischer Zuschauer tödlich verunglückt

Wie am Sonntagabend bekanntwurde, ist ein 29-jähriger Mann aus Ungarn während des Rennens tödlich verunglückt. Der Mann wurde nach Angaben der Landespolizeidirektion Steiermark von einem 1,40 Meter mal 0,50 Meter großen Steinbrocken überrollt. Der Ungar befand sich mit einigen weiteren Personen in einem steilen Waldstück, um die Rennteilnehmer mittels Seil zu unterstützen.

Plötzlich löste sich etwa 300 Meter höher aus bisher ungeklärter Ursache ein riesiger Steinbrocken und rollte direkt auf die Helfer zu. Einige Personen schrien laute Warnungen und sprangen zur Seite. Der Ungar, der gerade einem Rennteilnehmer half, sah den Stein nicht kommen und wurde von hinten überrollt. Dabei erlitt er so schwere Verletzungen, dass er noch an der Unfallstelle starb.

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