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Zwischen Bleiben und Abschied nehmen

Das EM-Qualifikationsspiel gegen Russland am Sonntag in Moskau (18.00 Uhr live in ORF eins und im Livestream) ist für die österreichischen Teamkicker der letzte Kraftakt einer anstrengenden Saison. Das Nationalteam lenkt einige Akteure aber auch von den Zukunftsfragen ab. Und die sind recht unterschiedlich, wie die Beispiele von Martin Hinteregger, Martin Harnik und György Garics zeigen.

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Die Bilanzen der abgelaufenen Saison sind bei den drei Teamkickern wie Tag und Nacht. Während Hinteregger mit Red Bull Salzburg den heimischen Fußball dominierte und das Double holte, kämpfte Harnik mit dem VfB Stuttgart in der deutschen Bundesliga bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg. Und Garics hätte sich schon gefreut, beim FC Bologna in der italienischen Serie B überhaupt seine Schuhe schnüren zu dürfen. Denn der 31-Jährige stand beim Aufsteiger in die Serie A seit Jänner auf dem Abstellgleis. Dementsprechend differenziert sieht bei den drei Akteuren die Zukunftsplanung aus.

Garics fühlt sich benutzt

Es verwundert nicht, dass Garics seine Zelte in Bologna so schnell wie möglich abbrechen will. Im September noch knapp vor der vorzeitigen Vertragsverlängerung, fand sich der gebürtige Ungar im Frühjahr im Abseits wieder. Bezeichnend: Am Dienstag schaffte Bologna die Rückkehr in die Serie A, Garics war da schon über eine Woche beim ÖFB-Team. Das Kapitel in der Emilia Romagna ist für den Verteidiger damit abgeschlossen. „Ich möchte zu einem Verein, der mich wirklich will und nicht nur einen weiteren Verteidiger braucht“, so Garics.

György Garics

GEPA/Christian Ort

Garics wurde von Bologna zum Nichtstun verurteilt

Und der darf gerne wieder aus Italien kommen. Auch wenn die Transferpolitik der italienischen Vereinsbosse dem Teamspieler gar nicht behagt. Und ihn einen deftigen Vergleich ziehen lässt. „Als Spieler bist Du wie ein Kondom. Du wirst verwendet und dann weggeworfen“, sagte Garics. Im Team muss der Verteidiger aufgrund mangelnder Spielpraxis zwar mittlerweile auch Florian Klein den Vortritt lassen. Trotzdem fühlt sich Garics im ÖFB-Nest gut aufgehoben. „Das ist ein Verdienst des Teamchefs. Er hat immer an allen festgehalten“, so Garics, „das hat uns zusammengeschweißt.“

Von seiner Saison zum Vergessen lässt sich der Wiener aber nicht entmutigen. „Es gibt im Fußball einfach oben und unten. Aber man lernt aus negativen Situationen mehr als aus positiven“, so Garics der passend zum Medientermin im noblen Cafe Landtmann aber nichts von Kaffeesudlesen hält: „Ich habe zwar auch keine magische Glaskugel, aber es kann ja nur besser werden als vergangenes Jahr.“ Nur eines schließt Garics im Moment noch aus: eine Rückkehr nach Österreich.

Hinteregger braucht internationales Flair

Keinen Grund, den Verein zu wechseln, hat hingegen Hinteregger. Der 22-jährige Kärntner ist nicht nur bei Salzburg in der Innenverteidigung unverzichtbar, sondern auch unter Teamchef Marcel Koller gesetzt. Wenig überraschend haben ausländische Clubs Hinteregger bereits auf dem Radar. Doch der Verteidiger hat kein Interesse an einen Wechsel. Auch nicht zur Red-Bull-Filiale nach Leipzig. „Ich bin ein Spieler, der sich wohlfühlen muss, damit er seine Leistung bringt. Und das ist bei Salzburg der Fall“, sagte der Kärntner, „zu Leipzig kann ich immer gehen.“

Martin Hinteregger

GEPA/Felix Roittner

Hinteregger (Mi.) sieht keinen Grund, den Double-Gewinner zu verlassen

Oberste Priorität haben für den 22-Jährigen Auftritte im Europacup. „Für mich ist es wichtig, bei einem Verein zu sein, der international spielt. 34 Meisterschaftsspiele und zwei im Cup wären mir zu wenig“, so Hinteregger. Ein Wechsel etwa zum deutschen Aufsteiger Darmstadt oder selbst ein Transfer zu einem Mittelständler in der englischen Premier League ist damit kein Thema. „Der Ruf ist vielleicht besser, aber ob es fußballerisch auch so ist, weiß ich nicht“, so der Verteidiger.

Denn die österreichische Liga ist laut Hinteregger besser als ihr Ruf. „In der Premier League spielt man auch gegen hintere Clubs, und ich weiß nicht, ob die so viel besser sind als zum Beispiel Rapid“, sagte der Kärntner, „ich bin optimistisch, was die Liga angeht. Es gibt vier Clubs, die um den Titel mitspielen können.“ Dazu kommt, dass man ihm in die Hand versprochen habe, kommende Saison endlich auch den Sprung in die „Königsklasse“ schaffen zu können. „Der Vorstand hat mir versichert, für nächste Saison eine Champions-League-reife Mannschaft zusammenzustellen“, so Hinteregger.

Harnik hält sich Optionen offen

Internationale Spiele wird Harnik mit dem VfB Stuttgart nur im Fernsehen verfolgen können. Die Schwaben schafften vergangene Saison mit Ach und Krach den Verbleib im deutschen Oberhaus. Zum wiederholten Mal steht in Stuttgart nun ein Neuanfang und Umbruch an, diesmal unter Trainer Alexander Zorniger. Harnik hat zwar noch ein Jahr Vertrag bei den Stuttgartern, doch ein Wechsel im Sommer ist nicht ausgeschlossen. „Dass es Gerüchte gibt, ist normal und liegt in meiner Situation auf der Hand“, so der 28-Jährige. So sollen etwa der Hamburger SV, Hannover und Schalke bereits Angebote bei Harnik deponiert haben.

Martin Harnik

APA/AP/Matthias Schrader

Wo er sich künftig zum Affen macht, lässt Harnik trotz Vertrages offen

Der gebürtige Hamburger hat aber keinen Stress. „Dadurch, dass ich in einer komfortablen Situation bin, weil ich noch Vertrag habe, kann ich alles auf mich zukommen lassen“, so der Stürmer, „ich habe als Spieler aber noch nie jemandem auf ewig die Treue geschworen, das sage ich ganz offen.“ Auch einen Wechsel in ein anderes Land schließt Harnik nicht aus: „Mittlerweile bin ich in einem Alter, wo ich schon mal weiter weg von zu Hause wohnen kann.“

Unter welchem Vertrag seine Unterschrift landet, will sich Harnik, der am Mittwoch Geburtstag feierte, laut eigener Aussage gut überlegen. Denn es wird möglicherweise die letzte sein. „Es wäre schön, wenn ich noch sechs, sieben Jahre spielen könnte. Aber realistisch ist ein Karriereende mit 32, 33“, so der 50-fache Teamspieler. Vorerst will Harnik nach dem anstrengenden Abstiegskampf noch einmal alle Kräfte für das Nationalteam mobilisieren. „Jetzt konzentriere ich mich auf Moskau und dann auf den Urlaub“, so der Stürmer.

Karl Huber, ORF.at

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