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Die neue Qualität im Team

So macht die Heimreise von einem Auswärtsspiel Spaß. Im Flugzeug von Moskau nach Wien herrschte noch tief in der Nacht von Sonntag auf Montag bei der ÖFB-Delegation gelöste Stimmung wie auf einer Maturareise. Kein Wunder, hatte das Nationalteam doch einen 1:0-Sieg gegen Russland mit im Gepäck und soeben eine Reifeprüfung bestanden, an der man 2013 gegen Schweden noch gescheitert war.

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Vor 35.000 Zuschauern in der Otkrytije-Arena von Spartak Moskau gewann die Elf von Trainer Marcel Koller durch einen Fallrückzieher von Marc Janko in der 33. Minute. Österreich führt damit in der EM-Qualifikation die Gruppe G nach sechs Spielen weiter ungeschlagen an. Acht Punkte beträgt nach fünf Siegen und einem Remis bereits der Vorsprung auf den Dritten Russland. Der zweite Platz, der auch fix ein Ticket für die Reise nach Frankreich 2016 bringt, scheint damit abgesichert.

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Janko schießt Österreich zum Sieg

Nach Hereingabe von Martin Harnik kam der Ball via Zlatko Junuzovic und russische Unterstützung zu Marc Janko, der mit einem Fallrückzieher in der 33. Minute das 1:0 für Österreich erzielte.

Vier Punkte aus vier Spielen sind dafür notwendig. Im Herbst folgen noch das direkte Duell Russland gegen Schweden (5. September) sowie die ÖFB-Heimspiele gegen Moldawien (5. September) und Liechtenstein (12. Oktober), in denen sechs Zähler in der momentanen Verfassung der rot-weiß-roten Kicker alles andere als unwahrscheinlich sind. Denn Österreich hat am Sonntag wieder einmal seine aktuelle Entwicklung hin zu einem Klasseteam bewiesen - wie derzeit auch der 20. Platz im FIFA-Ranking unterstreicht.

Applaus, Applaus

Auf dem Heimflug wurde unter Anleitung von Marko Arnautovic viel gesungen und geklatscht, für Teamchef Koller gab es bereits bei der Pressekonferenz nach dem Spiel sogar kurzen Applaus von den russischen Journalisten. Im Gegensatz zu Russlands Fabio Capello, der sich mit Rücktrittsaufforderungen konfrontiert sah. Da hatte der 54-jährige Schweizer schon leichteres Spiel. Sein Team hatte die gestellte Aufgabe gegen alles in allem glanzlose Russen gemeistert und seine neue Reife bewiesen.

EM-Qualifikation, sechster Spieltag

Auch wenn Koller nicht mit allem zu 100 Prozent einverstanden war und sehr sachlich blieb. „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, wo wir das russische Spiel fast neutralisiert haben. Wir haben aber durch Eigenfehler auch Chancen zugelassen“, meinte „Klassenvorstand“ Koller streng. Das Match an diesem schwülen Abend in Moskau war eine Art „Matura“ für die heimischen Teamkicker. „Wir haben gut gespielt, sind defensiv gut gestanden und haben nach vorne versucht, Chancen zu kreieren.“

Jubel von ÖFB-Teamchef Marcel Koller und Aleksandar Dragovic

APA/Robert Jäger

Teamchef Koller (li.) freute sich zu Recht mit seinen Spielern (Dragovic)

Weiter als in Stockholm

Als Julian Baumgartlinger nur kurz nach Jankos akrobatischem 1:0 alleine auf Russlands-Goalie Igor Akinfejew zog, den Ball aber knapp neben das Tor setzte, fühlten sich manche schon an eine Wiederholung des WM-Quali-Spiels 2013 gegen Schweden erinnert. Damals hatte der diesmal verletzt fehlende David Alaba auch die große Chance auf das 2:0 für Österreich, ehe Schweden in der zweiten Hälfte aufdrehte und Österreich stark zurückfiel. Aber das Team von Moskau ist weiter als jenes von Stockholm, wie auch Koller befand.

„Wir sind fußballerisch weiter als vor zwei Jahren in Stockholm, wir haben auch mehr Erfahrung, und die Bälle werden nicht mehr einfach hoch nach vorne geschlagen. Das hat man dann in den letzten zehn Minuten gesehen, als wir das Spiel wieder kontrollieren konnten“ so der Schweizer.

Über die Drangperiode der Russen in der zweiten Halbzeit meinte er: „Natürlich wollten wir in der zweiten Hälfte so weiterspielen, hatten aber nicht mehr die Kraft, das Spiel nach vorne so zu gestalten, wie wir wollten. Russland hatte dann mehr Möglichkeiten. Schlussendlich denke ich, dass das ein verdienter Sieg ist, und wir sind überglücklich über die drei Punkte.“

Koller hält den Ball weiter flach

Während viele Fans sicher bereits die Reisepläne nach Frankreich studieren, wollte Koller bezüglich der EM-Qualifikation nach wie vor nicht den Tag vor dem Abend loben: „Ich zähle nur die Punkte zusammen, ich rechne nicht“, meinte Koller verschmitzt und erklärte staubtrocken: „Wir konnten den Abstand auf den Gruppenfavoriten vergrößern, und das ist natürlich schon ein schöner Polster.“

Schön war auch der Siegestreffer von Janko, der nach seinem Jahr in Australien, wo er erst vor Kurzem zum Spieler des Jahres gewählt worden war, derzeit vereinslos ist und mit der Austria in Verbindung gebracht wird. Für Koller hat die Ästhetik beim Toreschießen jedoch keinen Vorrang. „Es ist mir egal, wie der Ball reingeht, Hauptsache drinnen. So ein Fallrückzieher ist natürlich schöner und ist auch nicht alltäglich.“

Österreicher stärker und schneller

Jankos Treffer war die Krönung einer Partie, in der die Österreicher taktisch äußerst diszipliniert auftraten, sich mit verschiedenen Systemen dem Gegner anpassten, nie nervös wurden. Auch Russlands Coach Capello lobte die Österreicher. „Die erste Hälfte kamen wir nicht ins Spiel, weil wir unter dem Pressing der Österreicher standen. Sie waren physisch stärker als wir und konnten auch schneller spielen. In der zweiten Hälfte waren wir besser, hatten aber nicht das Glück auf unserer Seite.“

Russlands Teamchef Fabio Capello gestikuliert an der Seitenlinie

APA/EPA/Yuri Kochetkov

Für Russland-Coach Fabio Capello verlief der Abend so gar nicht nach Wunsch

Für den Italiener, der sich von russischen Journalisten die Frage gefallen lassen musste, ob er die „Sbornaja“ nicht in eine „Sackgasse“ führe, hatte die Unterlegenheit seines Teams auch noch einen weiteren Grund. Kein russischer Spieler spielt derzeit im Ausland. Für Capello ist das nicht die richtige Entwicklung. Stehen doch etwa bei Österreich fast nur Legionäre im Aufgebot.

„Es ist kein Zufall, dass Österreich Tabellenführer ist. Leider sind unsere Spieler nicht an so ein Tempo gewöhnt, in der russischen Liga wird langsamer gespielt. Auf dem europäischen Niveau geht es anders zu.“ Das haben auch die ÖFB-Kicker in den letzten Jahren gelernt. Denn für Koller, der das Team drei Jahre lang nach seinen Vorstellungen geformt hat, gibt es drei Qualitäten, die ein Teamspieler haben muss: „Teamgeist, Respekt untereinander und natürlich Können, um auf diesem Niveau spielen zu können.“

Martin Wagner, ORF.at, aus Moskau

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