Themenüberblick

CL-Teilnahme kein Muss mehr

Das hat nicht mehr zusammengepasst. Red Bull Salzburg verkauft seine besten Leute oder gibt sie an RB Leipzig ab und wird zunehmend zum Ausbildungsverein. Der bisherige Coach Adi Hütter will aber kein „Ausbildungstrainer“ sein und verlässt den Club. Der Meister ist im Umbruch.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

„Ich sehe mich nicht in Zukunft als Ausbildungstrainer“, begründete Hütter in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag seinen Abschied. Die zahlreichen namhaften Abgänge - acht alleine in dieser Transferperiode - hätten seine Arbeit nicht leichter gemacht.

Im Laufe des Jahres wurden mit Sadio Mane, Alan und Kevin Kampl drei Leistungsträger sowie Innenverteidiger Rodnei abgegeben. Am Ende der Saison verließen auch noch Goalie Peter Gulacsi, Verteidiger Andre Ramalho und ÖFB-Teamspieler Stefan Ilsanker den Verein. Dazu ist die Zukunft von Marcel Sabitzer offen.

Die Besten verlassen Salzburg

„Es wird auch in Zukunft so sein, dass die besten Spieler den Verein verlassen werden“, meinte Hütter. „Der Weg ist vorprogrammiert. Diesen Weg möchte ich auch nicht mitgehen, weil ich meine persönlichen Ziele ein bisschen anders sehe.“ Am Wochenende gab es intensive Gespräche mit dem neuen General Manager Jochen Sauer und Sportchef Christoph Freund. Begonnen hätten die Diskussionen aber bereits nach dem Europa-League-Aus Ende Februar gegen Villarreal. Hütter: „Jetzt sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir einen Schlussstrich ziehen werden.“

Archivbild von Kevin Kampl, Sadio mane und Alan (damals alle RBS)

GEPA/Felix Roittner

Der Abgang von Kampl, Mane und Alan ließ die Qualität merklich sinken

Sein Vertrag wäre eigentlich noch ein Jahr gelaufen. Einen anderen Job hat Hütter laut eigenen Angaben noch nicht in Aussicht. „Ich habe mich bis zum heutigen Tag ausschließlich mit Red Bull Salzburg beschäftigt“, betonte der Vorarlberger. „Wenn nicht gleich etwas kommen sollte, habe ich genug Zeit, mich neu zu orientieren. Ich habe jetzt nicht die große Eile.“

„Bullen“ auf Trainersuche

Ganz im Gegensatz zu den Salzburgern, die bis zum Trainingsauftakt am 27. Juni einen neuen Chefcoach präsentieren wollen. Übung in der Suche hat der Meister schon, denn in Sachen Trainerverschleiß wandeln die „Bullen“ seit dem Einstieg des Getränkekonzerns bald auf den Spuren der Wiener Austria: Kurt Jara, Giovanni Trapattoni, Co Adriaanse, Huub Stevens, Ricardo Moniz, Roger Schmidt und zuletzt eben Hütter blieben - aus unterschiedlichen Gründen - maximal zwei Saisonen in Salzburg.

„Das Profil des Trainers muss natürlich zu unserer Vereinsstrategie passen“, erläuterte Sauer. Das enge den Kandidatenkreis bereits ein. „Es ist klar, dass wir da nicht nur in Österreich schauen können, sondern uns auch auf dem europäischen Trainermarkt umschauen“, sagte der Manager.

Namen, darunter der des in spanischen Medien kolportierten früheren Barcelona-Stürmers Oscar Garcia, wollte Sauer nicht kommentieren. Eine interne Variante mit Peter Zeidler vom Zweitligisten FC Liefering schloss der Manager nicht aus. „Es geht um die beste Lösung“, erklärte Sauer. „Da kommen alle Möglichkeiten in Betracht.“

Zielsetzung leicht verändert

Die sportliche Zielsetzung für die kommende Saison soll die gleiche bleiben, sagte Sauer: „Es wäre unglaubwürdig zu sagen, wir sind mit dem Vizemeistertitel zufrieden.“ Die Ausgangslage habe sich im Vergleich zum Vorjahr aber leicht geändert, ergänzte Freund. „Da wollten wir mit aller Macht in die Champions League rein“, erinnerte der Sportliche Leiter. Diesen Rucksack wolle man sich heuer nicht aufbürden.

RBS-Manager Jochen Sauer und RBS-Sportchef Christoph Freund

GEPA/Felix Roittner

Unter Jochen Sauer (li.) und Christoph Freund ändert sich in Salzburg einiges

Die Teilnahme an der Königsklasse gelang in den letzten Jahren trotz einiger Stars nicht. Umso schwieriger ist die Aufgabe mit einer jungen Truppe. „Wir werden den Kader noch verstärken“, sagte Freund. „Wir haben namhafte Abgänge, vor allem auch in der Defensive. Wir werden der Mannschaft noch Qualität hinzufügen.“ Martin Hinteregger hatte seinen Verbleib bei Salzburg etwa damit begründet, dass ihm der Vorstand versichert hätte, „für nächste Saison eine Champions-League-reife Mannschaft zusammenzustellen“. Bis Trainingsstart sollten alle Personalien abgeschlossen sein. Sobald ein Trainer feststehe, solle auch dieser in die Kaderplanung eingebunden werden.

Jugend und Angriff sind Trumpf

Vorerst steht die Vereinsphilosophie mit dynamischem Angriffsfußball und der Entwicklung junger Talente über allem. Hütter hätte sich auf dem Spielersektor eine geringere Fluktuation gewünscht. „Kein Trainer der Welt verliert gerne gute Spieler. Es wird aber nicht jedes Jahr so sein, dass acht Spieler den Verein verlassen“, versicherte Sauer. „Schlimm wäre es, wenn der Verein seine Strategie von Jahr zu Jahr ändert.“

Die Salzburger setzen seit drei Jahren auf ihr Konzept. In den vergangenen zwei Saisonen gab es zweimal das Double. Der Trainer verabschiedete sich danach aber jeweils, Hütters Vorgänger Schmidt im Vorjahr zu Bayer Leverkusen. Auch Hütter zog die Konsequenzen. „Ich bin kein Trainer, der mit dem Strom schwimmt“, sagte der Ex-Nationalspieler.

Auch mit Sportdirektor Ralf Rangnick, mittlerweile beim deutschen Zweitligisten RB Leipzig selbst Trainer und Sportchef in Personalunion, sei daher nicht immer alles rund gelaufen. „Wenn sich zwei Persönlichkeiten aneinander reiben, funkt es vielleicht manchmal“, erklärte Hütter. „Aber das Wichtigste ist, dass man erfolgreich ist.“ Er war es. Nachsatz: „Wir trennen uns im Guten. Ich denke, das sieht man.“

Links: