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Olympiasiegerin platzt der Kragen

Anna Fenninger ist der Kragen geplatzt. Stunden nachdem sie wegen ihrer Mercedes-Kampagne an den ÖSV-Pranger gekommen war, der ÖSV via Rechtsanwalt Herbert Hübel schwerste Geschütze auffuhr und sie selbst nur noch ein Spielball zwischen Verbandspräsident Peter Schröcksnadel und ihrem deutschen Manager Klaus Kärcher war, ging die gerade noch 25-jährige Salzburgerin, Olympiasiegerin und zweifache Weltcup-Gesamtsiegerin an die Öffentlichkeit.

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Die in heimischen Printmedien lancierte Werbekampagne Fenningers mit Mercedes, einem direkten Konkurrenten des langjährigen ÖSV-Sponsoring-Partners Audi, hatte am Dienstag die Wogen hochgehen lassen. Von Vertrauensbruch, Verhöhnung und einem schweren Foul (Sportdirektor Hans Pum) war die Rede, auch von Konsequenzen, die dieser Vertragsbruch laut ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel nach sich ziehen würde und müsse.

Fenninger hat „all diese Lügen satt“

Der Konflikt zwischen dem ÖSV und seinem Star Anna Fenninger ist eskaliert. Schuld ist eine Werbekampagne von Fenninger, die auf Facebook schreibt: „Ich habe all diese Lügen satt.“

Denn Werbung mit einem konkurrierenden Unternehmen ist den ÖSV-Athleten laut Vertrag jedenfalls strikt untersagt - ungeachtet in welcher Form, ob als Kopfsponsor oder in Form eines ganzseitigen Inserats, ob als Privatperson oder als Sportler. Nach Meinung des Verbands wurde Fenninger vertragsbrüchig, Sanktionen wären unabdingbar, falls Fenninger bzw. ihr Management nicht gewillt sei einzulenken. Dass der ÖSV über das Inserat nicht unterrichtet worden sei, laut eigenen Angaben nichts davon wusste und es schon gar nicht bewilligte, machte die Situation erst recht prekär.

„Jetzt ist alles wieder ganz anders“

Dann platzte Fenninger der Kragen. Davor hatten sich die Anwälte beider Seiten einen wüsten Schlagabtausch geliefert, Mercedes von seiner Kampagne - „sofern noch möglich" - Abstand genommen, als Fenninger am Dienstagabend via Facebook klarstellte: "Ich habe die Lügen satt.“ Sieben Stunden habe sie am vergangenen Dienstag am runden Tisch verbracht, über die Laureus-Kampagne mit Mercedes informiert („Die Herren zeigten sogar Verständnis“), aber wofür? „Jetzt ist alles wieder ganz anders.“ Jetzt verstehe Fenninger auch, warum neutrale Personen an diesem runden Tisch nicht erwünscht gewesen seien.

Werbung mit Anna Fenninger

ORF.at

Werbung „ausschließlich im Zusammenhang mit Fenningers sozialem Engagement“

Fenninger im Wortlaut: „Wenn man an einem Punkt angelangt ist und merkt, dass man Jahre lang hintergangen wird, versprechen nicht eingehalten worden sind, sich fügen ohne Argumentation täglich Brot ist, Wertschätzung gegenüber Frauen an frühere Zeiten erinnert, dass alle nach der Pfeife von nur einem einzigen tanzen müssen, ist man erfolgreich – muss man geben – man wird hin und her gereicht – und am ende des Tages? Das Ergebnis? Ein stolzer Tiroler, der die Hände nicht mehr runter bekommt“ - starker Tobak für Schröcksnadel.

Die Grundsatzfrage stellt sich

Jahrelang habe Fenninger versucht, demokratisch vorzugehen und gemeinsame Lösungen zu finden. Ohne Erfolg, wie sie schrieb, und so stellte sie sich die Grundsatzfrage: „Füge ich mich dem System? Sollte ich akzeptieren, dass ich als Frau immer zurückstecken muss? Ich bin immer schon meinen eigenen Weg gegangen. Ich habe auch außerhalb des Systems meine Entscheidungen getroffen. Anders wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Die Kombination macht es aus.“

„Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich für meine persönlichen Rechte kämpfen muss. Am Ende des Tages stehe ich mit Sicherheit mit reinem Gewissen da – denn Ehrlichkeit ist nie verkehrt. Leider können manche mit der Wahrheit nicht umgehen. Sie tun alles, um mich fertig zu machen und sind am besten weg dazu. Sind Wahrheit und Ehrlichkeit heute nichts mehr wert? Ist das doch nicht der richtige weg?“ Geld sei nicht die Triebfeder, sie sei, wie sie erklärte, ein bescheidener Mensch. Andernfalls wäre sie im Sport nicht so erfolgreich, wie sie ist. „Doch Ehrlichkeit hat hier keinen Platz - ich bin müde und kann nicht mehr.“

„Mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen“

Präsident Schröcksnadel berief am Dienstag nach Eskalation der Situation die Präsidentenkonferenz ein. Über die weitere Vorgehensweise in der Causa Fenninger und mögliche Sanktionen wolle er in den nächsten zwei Tagen informieren. Fenninger: „Was auch immer immer passiert, ich kann mir mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen.“ Ihren Prinzipien sei sie jedenfalls treu geblieben, will man ihr glauben - und nicht dem ÖSV.

Michael Fruhmann, ORF.at

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