Chance zum Aufstieg lebt
Rapid Wien hat mit einem Kraftakt die Chance zum Einzug ins Play-off der Champions League am Leben erhalten. Die Hütteldorfer erkämpften sich am Mittwoch im Hinspiel der dritten Runde der Qualifikation gegen Ajax Amsterdam nach 0:2-Pausenrückstand noch ein 2:2-Remis. Und das, obwohl man in der zweiten Hälfte 30 Minuten mit einem Mann weniger auskommen musste.
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Kapitän Davy Klaassen sorgte vor 43.200 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion mit einem Doppelpack bereits in den ersten 45 Minuten für die vermeintliche Vorentscheidung zugunsten der Gäste aus den Niederlanden. Rapid gelang zwar dank Florian Kainz nur drei Minuten nach Wiederbeginn der Anschlusstreffer, ein Ausschluss von Stefan Schwab (58.) schien die Partie aber bereits entschieden zu haben. Genau zu Beginn der Rapid-Viertelstunde gelang den Hütteldorfern dank Robert Beric (76.) jedoch der Ausgleich - er hielt die Chance für Rapid am Leben. Das Rückspiel steigt am Dienstag in Amsterdam.
Beric gelingt Ausgleich in Unterzahl
Zu Beginn der Rapid-Viertelstunde durften die grün-weißen Fans erneut jubeln: Nach Vorlage des eingewechselten Louis Schaub glich Robert Beric in Unterzahl zum 2:2 aus.
Ajax bremst Rapids Schwung
Rapid-Coach Zoran Barisic veränderte seine Mannschaft im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen die SV Ried nur auf einer Position - und das nicht freiwillig. Aber mit einem Kreuzbandriss war für Thomas Schrammel das Duell gegen Ajax kein Thema. Für den verletzten Verteidiger rutschte Stefan Stangl - der hatte Schrammel schon gegen Ried ersetzt - in die Startelf.
Die Zuversicht vor der Partie war groß gewesen - immerhin war der Saisonstart in Cup und Bundesliga aus Rapid-Sicht mehr als geglückt. Dass Ajax Amsterdam aber vielleicht doch eine Kategorie weiter oben anzusiedeln ist als Weiz oder Ried, schien egal zu sein. Und weil Selbstvertrauen etwas Feines ist, versuchten die Hütteldorfer gleich von Beginn an, das Spiel an sich zu reißen. Zählbares kam aber dabei nicht raus. Ajax hatte hingegen keinen Stress. Der niederländische Rekordmeister wartete einmal ab und bremste mit Ballstafetten den Schwung der Hausherren.
Gäste schlagen eiskalt zu
Ajax war dennoch der erste Torschuss vergönnt. Ein Freistoßversuch von Nemanja Gudelj aus rund 30 Metern landete jedoch in der Mauer (14.). Dann die erste Rapid-Chance: Thanos Petsos setzte Hofmann ideal ein, der Schuss des Kapitäns aus 18 Metern ging aber knapp drüber (19.). Immerhin war wieder Leben in der Partie. Nur eine Minute später musste Jasper Cillessen - der stand bei der WM 2014 bei den Niederländern außer im Elfmeterschießen im Tor - bei einem Schuss von Stangl aus spitzem Winkel eingreifen (20.).

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Ajax-Kapitän Davy Klaassen ließ sich die Chance auf das 1:0 nicht nehmen
Fünf Minuten später rächte es sich, dass Stangl den Ball nicht besser getroffen hatte, denn Ajax ging mit 1:0 in Führung. Daley Sinkgraven ließ Stefan Auer mit einem Haken auf die Nase fallen, spielte ab zu Klaassen, und der Kapitän der Gäste schob trocken ein (25.). Jan Novota im Tor war chancenlos. Nicht nur die Zuschauer, auch die Spieler konnten den Rückstand nicht fassen - und hatten nur eine Minute später Riesenglück. Anwar El Ghazi kam frei zum Schuss, setzte das Leder aber knapp am langen Eck vorbei (26.).
Kalte Dusche vor der Pause
Zumindest fingen sich die Hütteldorfer schnell wieder. Fast wäre dann auch relativ schnell der Ausgleich gelungen, doch Beric erwischte einen Stanglpass von Florian Kainz im Fünfmeterraum nicht (33.). Im Gegenzug vergab aber Ajax den nächsten Sitzer in Form von Gudelj, der den Ball aus kurzer Distanz rechts vorbeischob (34.). Davor hatte sich El Ghazi durch die Rapid-Abwehr getanzt. Überhaupt wurde die technische Finesse der Gäste immer mehr zum Problem für die Rapid-Abwehr - besonders für die Außenverteidiger.
Immer wieder ließ ein Ajax-Spieler einen Wiener mit einem oder gleich mehreren Haken ins Leere fahren. Daley Sinkgraven tauchte als nächster Niederländer nach einem Solo alleine vor Novota auf, doch wieder ging der Ball vorbei (37.). Drei Minuten vor dem Pausenpfiff lag das Leder aber wieder im Rapid-Tor. Klaassen war nach einer Flanke von Arek Milik per Kopf zur Stelle. Stangl hatte es dem Niederländer aber auch einfach gemacht: Der Rapid-Verteidiger war nicht hochgesprungen (43.).
Rapid-Blitzstart und Schwab-Black-out
Für Rapid ging es nun darum, den Traum von der Champions League nicht schon ins Reich der Fantasie abgleiten zu lassen. Stadionsprecher Andy Marek bemühte sogar das Spiel gegen Salzburg in der vergangenen Saison, als Rapid einen 0:3-Rückstand zur Pause noch in ein 3:3 verwandelt hatte. Es waren keine drei Minuten gespielt und das Happel-Stadion brodelte. Kainz war nach einem Stanglpass von Beric einen Schritt schneller als Kenny Tete am Ball und schoss zum umjubelten Anschlusstreffer (48.) ein.
Die Rapidler hatten wieder Mut geschöpft. Abermals prüfte Kainz Cillessen, doch diesmal passte der Ajax-Keepter auf (56.). Aufpassen mussten aber auch die Hütteldorfer Abwehrspieler, denn die Niederländer blieben im Konter brandgefährlich. Mitten in der stärksten Phase der Rapidler gingen mit Stefan Schwab die Pferde durch. Der 24-Jährige rutschte Jairo Riedewald mit gestreckten Beinen brutal in die Oberschenkel. Für den schottischen Schiedsrichter William Collum war die Sache klar: Schwab musste mit Rot unter die Dusche (58.).
Ausgleich zur Rapid-Viertelstunde
Trainer Barisic reagierte und brachte Srdjan Grahovac als Ersatz für den defensiven Schwab. Steffen Hofmann musste dafür vom Feld - eine Entscheidung, die dem Rapid-Kapitän sichtlich nicht schmeckte. Immerhin gab sich Rapid mit einem Mann weniger nicht geschlagen und versuchte weiter den Ball Richtung Ajax-Tor zu befördern. Die Gäste hatten die Partie aber im Griff. Riechedly Bazoer bekam sogar die Chance auf das 3:1, doch Novota war nach einem langen Pass schneller am Ball (66.).
Wirklich viel taten die Niederländer für die Partie nicht mehr - und ließen Rapid daher am Leben. In der 72. Minute drehte Cillessen einen Weitschuss von Stangl noch um den Pfosten, drei Minuten später hüpfte der Goalie aber wie Rumpelstilzchen durch den Strafraum. Die Abwehr hatte Beric komplett vergessen und der schob einen Pass des eingewechselten Louis Schaub zum Ausgleich ein (76.). Rechtzeitig mit Beginn der Rapid-Viertelstunde hatten die Wiener die Partie fast auf den Kopf gestellt.

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Der Ausgleich von Beric hält die Aufstiegschancen von Rapid am Leben
In der Schlussphase wurde es noch einmal hektisch. Ajax wollte Wien nun doch mit einem Sieg verlassen und drückte noch einmal auf das Tempo. Die Rapidler rannten sich die Lungen aus den Leibern, um die Niederländer vom eigenen Tor fernzuhalten und selbst noch die Chance auf den Siegestreffer zu haben. Die hatte allerdings Ajax. Bei einem Schuss von Bazoer flog Novota gerade noch in die richtige Ecke (88.). Und dann retteten noch die Querlatte und einmal mehr Novota gegen Sinkgraven in der Nachspielzeit Rapid das verdiente Remis.
Karl Huber, ORF.at, aus dem Ernst-Happel-Stadion
CL-Quali, dritte Runde, Hinspiel
Mittwoch:
Rapid Wien - Ajax Amsterdam 2:2 (0:2)
Ernst-Happel-Stadion, 43.200 Zuschauer, SR Collum (SCO)
Torfolge:
0:1 Klaassen (25.)
0:2 Klaassen (43.)
1:2 Kainz (48.)
2:2 Beric (76.)
Rapid: Novota - Auer, Sonnleitner, M. Hofmann, Stangl - Petsos, Schwab - Schobesberger (69./Schaub), S. Hofmann (61./Grahovac), F. Kainz (84./Huspek) - Beric
Ajax: Cillessen - Tete, Veltman, Riedewald, Dijks - Bazoer, Klaassen, Gudelj - El Ghazi (74./Fischer), Milik (84./Sanogo), Sinkgraven
Rote Karte: Schwab (58./Foul)
Gelbe Karten: Petsos bzw. Klaassen, Veltman
Rückspiel am 4. August
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