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Nächste große Feier „zum 100er“

Der Fußball ist neben der Familie seine große Liebe. Für Herbert Prohaska sind die Zeiten als Spieler (Austria, Roma, Inter) und Trainer (Austria, ÖFB-Team) vorbei, dafür genießt er seine Tätigkeit als ORF-Analytiker und Kolumnist. In Pension zu gehen ist für Österreichs Jahrhundertfußballer (2004 von Fachjury und Fans gewählt) kein Thema - am Samstag trat er dem „60er-Club“ bei.

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Prohaska brachte als bisher letzter ÖFB-Teamchef das Kunststück zustande, die Mannschaft auf sportlichem Weg zu einer Endrunde zu führen. Bei der WM 1998 in Frankreich kam nach der Gruppenphase das Aus. 18 Jahre danach dürfte die lange Durststrecke zu Ende gehen und Österreich sich für die EM 2016 in Frankreich qualifizieren.

Anton Polster, Herbert Prohaska, Dieter Ramusch (1997)

GEPA

Herbert Prohaska führte Toni Polster, Dieter Ramusch und Co. zur WM 1998

„Wir haben einen Trainer, der die Mannschaft weiterentwickelt hat. Sie spielt einen guten Fußball und ist mittlerweile so weit, dass sie die Spiele, die sie gewinnen muss, auch gewinnt“, analysiert Prohaska. Die Euphorie im Land sei Bestätigung für gute Arbeit. „Wenn gegen Moldawien und Liechtenstein das Happel-Stadion ausverkauft ist, sagt das alles. Die Fans sind begeistert, das ist schön“, so der Ex-Teamchef.

ORF-Analytiker sieht rosige Zukunft für ÖFB-Team

Parallelen zwischen dem Team von 1998 und jetzt gebe es durchaus. Auch damals spielten mit Michael Konsel, Wolfgang Feiersinger, Andreas Herzog, Dietmar Kühbauer, Heimo Pfeifenberger und Toni Polster Legionäre in tragenden Rollen. „Wir haben eigentlich immer gute Nationalmannschaften gehabt, wenn viele Legionäre dabei waren“, merkte Prohaska an.

Die aktuelle ÖFB-Auswahl steht mit Platz 14 so weit vorne in der FIFA-Weltrangliste wie noch nie. Für Prohaska ist ein weiterer Vorstoß möglich. „Ich traue der Mannschaft zu, dass sie in der laufenden EM-Qualifikation überhaupt kein Spiel mehr verliert“, ist der Wiener optimistisch. Was bei der folgenden Endrunde möglich ist, sei aber nicht abzuschätzen, hänge von der Auslosung ab.

Eine Legende feiert rundes Jubiläum

Er ist Österreichs Jahrhundert-Fußballer, Austria-Ikone und seit 15 Jahren Fußball-Experte im ORF. Am Samstag feierte Herbert Prohaska seinen 60. Geburtstag.

Zu erwarten sei jedenfalls eine rosige Zukunft. „Wir haben eine Mannschaft, wo nicht alles von einzelnen Spielern abhängt. Vom Altersschnitt kann sie noch einige Jahre auf hohem Niveau spielen, der Zenit ist noch nicht erreicht“, strahlt Prohaska Optimismus aus.

Kein Comeback als Trainer

Als Trainer wird man den Familienmenschen nicht mehr sehen. „Es ist nicht so, dass ich daran denke, dass ich gerne Trainer wäre, ich würde aber gerne noch spielen. Für einen Trainer spricht nur das Resultat, als Spieler kannst du selbst zeigen, wie gut du bist“, vermisst Prohaska die Zeit als aktiver Kicker. „Immer wenn ich einen schönen Rasen sehe, denke ich daran, dass ich gerne spielen würde“, ergänzte der Ex-ÖFB-Teamchef.

An die Vergangenheit erinnert er sich gerne zurück. „Ich wollte immer Profifußballer und Profitrainer sein und Titel gewinnen. Das ist mir zur Genüge gelungen. Ich bin dem Fußball sehr dankbar“, sagte Prohaska. Gewisse Erfolge sind ihm verwehrt geblieben. „Was ich gerne gewonnen hätte, wäre die Champions League oder Weltmeisterschaft. Das war aber nicht möglich“, so die Austria-Ikone.

Herbert Prohaska (1988)

Bill Lorenz/APA-Archiv/picturedesk.com

In glorreichen Austria-Zeiten stand Clublegende Herbert Prohaska im Mittelfeld für Kreativität, Technik und Übersicht

Mittlerweile ist der seit 41 Jahren verheiratete Prohaska eine fixe Größe als TV-Analytiker des ORF. Abnützungserscheinungen gibt es nach 15 Jahren nicht. „Ich mache das, wie wenn heute der erste Tag wäre. Es macht Spaß, und ich werde auch nicht freiwillig in Pension gehen.“ Durch diese Tätigkeit und jene als Kolumnist der „Kronen Zeitung“ beschäftigt er sich genau mit dem heimischen Fußball. Besonders schaut er dabei auf seinen Herzensclub Austria, der unter Thorsten Fink im Aufwind ist.

Bekanntheitsgrad ungebrochen

„Man muss froh sein, wenn man einen Trainer hat, der mit Basel auch internationale Erfolge gefeiert hat“, sagte Prohaska. Trotz sechs Punkten aus zwei Spielen sei es aber zu früh, eine Prognose abzugeben. „Mein Eindruck ist, dass sie viele gute Spieler geholt haben.“ Interessiert blickt der Wiener auch in Richtung Erste Liga, die attraktiver als je zuvor ist. Als Schirmherr fungiert Prohaska nach langjähriger Tätigkeit nicht mehr, da die Clubs nicht mehr gewillt sind, seine Aufwandsentschädigung zu zahlen.

Prohaskas Bekanntheitsgrad ist gegenüber früher kaum gesunken. „Früher bin ich um Autogramme gebeten worden, heute ist es ein Foto oder ein Selfie. Die Leute erkennen mich, das ist aber schön, nicht störend“, genießt der stets auf dem Boden gebliebene Ex-Italien-Legionär seine Prominenz. Anlässlich des 60. Geburtstags wird es keine ganz große Feier geben. „Eher enge Freunde und größerer Familienkreis, so wie jedes Jahr“, verriet Prohaska.

Ein Jubiläum werde so schnell nicht mehr in großem Rahmen gefeiert. „Ich habe zum 50er eine große Feier gemacht, zum 100er mache ich das dann noch einmal so“, kündigte der aufgrund seiner früheren Frisur „Schneckerl“ genannte Prohaska an. Die Austria wird ihre Ikone am 13. August in der Generali-Arena im Rahmen einer Feier hochleben lassen. Bereits tags zuvor wird im Austria-Museum die Sonderausstellung „60 Jahre Herbert Prohaska - Ein Leben voller Höhepunkte“ eröffnet.

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