Höchstnoten für eine historische Quali
Mit dem 3:0-Sieg gegen Liechtenstein ist am Montag eine wahrlich historische EM-Qualifikation für das ÖFB-Team zu Ende gegangen. Mit 28 von 30 möglichen Zählern schrammte das Team haarscharf an der Auszeichnung „summa cum laude“ vorbei. Die Perfektion verhinderte nur das 1:1-Auftaktremis gegen Schweden, danach folgten neun Pflichtspielsiege in Serie mit insgesamt 22 Toren bei nur fünf Gegentreffern.
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Der Schlüssel für diese eindrucksvolle Statistik war sicherlich auch die Kontinuität im Kader. In den letzten vier Spielen bot ÖFB-Teamchef Marcel Koller stets die gleiche Startelf auf. Das ihn sie gesetzte Vertrauen zahlten die Spieler ihrem Coach mit starken Leistungen zurück. Aber auch bei Verletzungen und Sperren konnte Koller, der in der EM-Quali insgesamt nur 20 Spieler einsetzte, auf eine starke und stets einsatzbereite Ersatzbank vertrauen.

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Für Teamchef Marcel Koller wurde die EM-Qualifikation zum Triumphzug
Obwohl sich ein Stamm gebildet hat, machte Koller klar, dass niemand eine Startgarantie in den nächsten Spielen oder auch bei der EM hat. „Denen, die jetzt meistens gespielt haben, habe ich mitgeteilt, dass es keinen Freibrief gibt“, erklärte der Schweizer. Jene Spieler, die in der EM-Quali dabei waren, haben aber natürlich einen Vorteil, legten sie doch eine echte Reifeprüfung ab, wie in der abschließenden Zeugnisverteilung von ORF.at ersichtlich wird.
Robert Almer: Gut
Almer hat sich mit einer nahezu fehlerfreien Qualifikation den Status als Nummer eins redlich verdient. Im Heimspiel gegen Montenegro rettete er in der 87. Minute mit einer Glanztat gegen Mirko Vucinic den Sieg. Auch in Schweden war Almer ein Vater des Erfolges. Dort endete aber nach 603 Pflichtspielminuten (ÖFB-Rekord) durch das 1:4 von Zlatan Ibrahimovic die Torsperre des 31-Jährigen, der in allen zehn Partien durchspielte und fünfmal ohne Gegentor blieb. Ein Sehr gut blieb aus, weil Almer oft chronisch unterbeschäftigt war.

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Goalie Robert Almer als sicherer Rückhalt auf der Linie und bei Flanken
Florian Klein: Gut
Die Baustelle auf der rechten Abwehrseite hat Klein endgültig geschlossen. Der Stuttgart-Legionär wurde einer der Dauerbrenner der EM-Qualifikation und spielte alle zehn Partien durch. Durch präzise Flanken, technische Versiertheit und Schnelligkeit hat der 28-Jährige hohes Offensivpotenzial. Klein profitiert auch von der guten Chemie mit seinem Clubkollegen Martin Harnik. Luft nach oben hat er noch in puncto Torgefahr (kein Assist) und Stellungsspiel gegen Topleute.
Aleksandar Dragovic: Sehr gut
Dass sich der 24-Jährige zu einem Innenverteidiger von Weltklasseformat entwickelt hat, daran gibt es keinen Zweifel mehr. Nach leichten Startschwierigkeiten mutierte der Kiew-Legionär zum Fels in der Brandung, wobei vor allem sein Tackling beim Auswärtsspiel in Schweden gegen Marcus Berg faszinierte. Dragovic beeindruckte bei seinen insgesamt 896 Einsatzminuten mit seinem Stellungsspiel, seiner Kopfball- und Zweikampfstärke sowie seiner Athletik. Einzig bei Offensivstandards fehlt noch der letzte Schritt.

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Ob gegen Liechtenstein oder Russland - Aleksandar Dragovic war ein Bollwerk
Martin Hinteregger: Gut
Der Salzburger hat die letzten vier Spiele aufgrund einer Knieverletzung verpasst. Davor kam er in fünf Partien insgesamt 450 Minuten zum Einsatz und stellte dabei unter Beweis, dass er ein verlässlicher Innenverteidiger ist. Obwohl erst 23 Jahre alt spielt Hinteregger abgeklärt, mit viel Ruhe und kann im Zweikampf auf seine Robustheit vertrauen. Eine seiner größten Stärken ist die präzise Spieleröffnung, die manchmal aber auch eine Spur zu riskant ist.
Sebastian Prödl: Befriedigend
Prödl hat insgesamt fünfmal den verletzten Hinteregger ersetzt und sich als verlässlicher Backup für den Salzburger erwiesen. Beim Spiel in Moldawien verschuldete der 28-Jährige noch einen unnötigen Elfmeter. Der Wechsel in die Premier League, wo er bei Watford gesetzt ist, tat Prödl aber gut. Vor allem bei der Partie in Schweden zeigte er eine sehr starke Leistung. Ansonsten absolvierte Prödl seine 457 Einsatzminuten verteilt auf sieben Spiele sehr solide.
Christian Fuchs: Gut
Neben Almer und Klein ist der Kapitän der dritte ÖFB-Spieler, der in der EM-Qualifikation keine einzige Minute verpasst hat. Fuchs hat trotz Konkurrenz von Markus Suttner das unumschränkte Vertrauen von Koller und konnte dieses über weite Strecken zurückzahlen. Mit seinem Offensivpotenzial und Flankenstärke kann er im Verbund mit Marko Arnautovic viel Druck erzeugen. Defensiv gilt es weiter, den einen oder anderen Fehler abzustellen. Wichtig für Fuchs wäre auch, dass er in Zukunft auch bei Leicester City zum Stammpersonal zählt.
Julian Baumgartlinger: Gut
Der Mainz-Legionär ist das Herz der Mannschaft, das unaufhörlich schlägt. Baumgartlinger absolviert in jeder Partie ein immenses Laufpensum, erobert kompromisslos Bälle und bringt Ruhe ins Spiel. Der 27-Jährige war 791 Minuten im Einsatz und verpasste nur das Heimspiel gegen Russland, für das er beim Aufwärmen w. o. geben musste. Luft nach oben hat Baumgartlinger in der Offensive, da geht noch mehr. So vergab er etwa in Russland eine Topchance zum 2:0. Den einen oder anderen Fehlpass weniger und er wäre top.
David Alaba: Gut
Der Bayern-Legionär hat sich wieder als sicherer Elferschütze erwiesen - drei seiner vier Tore erzielte er vom Punkt. Alaba lieferte drei Assists und war in seinen 686 Einsatzminuten (gegen Russland fehlte er zweimal verletzt, Anm.) die gesuchte Anspielstation im Mittelfeld. Mit seiner Klasse kann der 23-Jährige stets für brenzlige Situationen sorgen und eine Partie entscheiden. Manchmal konnte er aber sein Potenzial nicht ausschöpfen, was vielleicht seinen unterschiedlichen Rollen im ÖFB-Team und bei den Bayern geschuldet ist.

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Normal verwandeln reicht nicht: David Alaba beim Elferschupfer in Schweden
Martin Harnik: Gut
Harnik ist und bleibt eine Wundertüte. Auf schlechte Spiele folgen immer wieder sehr gute. Auch innerhalb einer Partie liefert der 28-Jährige oft zwei gänzlich verschiedene Hälften ab. Fakt ist, dass Harnik jederzeit gefährlich werden kann. In 794 Einsatzminuten erzielte er drei Tore, wobei sein Doppelpack in Schweden herausragte. Mit vier Assists ist er auch der Vorlagenkönig im ÖFB-Team. Im Hinblick auf die EM wird wichtig sein, dass er bei Stuttgart regelmäßig spielt und im Abstiegskampf nicht zu viel Energie verbraucht.
Zlatko Junuzovic: Sehr gut
Er trickst, er passt, er rackert, er kreiert und verschafft sich mit viel Laufarbeit Platz: Junuzovic interpretierte seine Position als Zehner, so wie sich das der Fußballfan erhofft. Nicht jedes Spiel des 28-Jährigen war herausragend wie in Russland oder zu Hause gegen Moldawien. Über die gesamte EM-Qualifikation gesehen war Junuzovic in seinen zehn Einsätzen mit 841 Minuten vielleicht der Schlüsselspieler. Zwei Tore und zwei Assists standen am Ende zu Buche. Da gilt es für Junuzovic anzusetzen, damit noch mehr Gefahr von ihm ausgeht.
Marko Arnautovic: Gut
Im März gelang Arnautovic in Vaduz das erste Tor im Team seit Juni 2012. Er ließ Treffer in Montenegro und bei seiner Abschlussgala gegen Liechtenstein folgen. Überdies verbuchte er zwei Assists. Der 26-Jährige stand zehnmal in der Startelf und kam auf 860 Minuten. Die größte Entwicklung machte Arnautovic in puncto Persönlichkeit und Einstellung. Arnautovic hadert nicht mehr zu viel, geht Wege in der Defensive und stellt sich in den Dienst des Teams. Mit diesen Attributen und seinem Können ist er ein unverzichtbarer Bestandteil.

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Marko Arnautovic agierte als „Edelzangler“ mit Sinn für die Defensive
Marc Janko: Sehr gut
Aufgrund seiner Rot-Sperre gegen Montenegro kam Janko neunmal zum Einsatz, wurde achtmal ausgewechselt und absolvierte 677 Minuten. In dieser Zeit gelangen dem 32-Jährige sieben Tore und zwei Assists - eine Topbilanz. Mit den Siegestoren in Moldawien sowie per Fallrückzieher in Russland und dem Treffer zum 3:0 in Schweden hatte Janko einen wichtigen Anteil am Erfolg. Seine Beurteilung hängt stark von Toren ab - und die machte er auch. Bleibt er verletzungsfrei und bei Basel in Form, ist er die gesetzte Solospitze.
Marcel Sabitzer: Gut
Der Leipzig-Legionär ist wohl jener Spieler, der dem Sprung in die Startelf am nächsten ist. „Wenn in der Offensive wer gebraucht wird, dann schmeißen wir den rein“, sieht Koller beim 21-Jährigen viel Potenzial. Einmal stand Sabitzer in der Startelf, konnte in Moldawien aber nicht überzeugen. In 134 Einsatzminuten gab er sechsmal den „Joker“ und erzielte in Montenegro das Siegestor.
Rubin Okotie: Sehr gut
Der 1860-Stürmer erfüllte die Rolle als Back-up für Janko und sechsmal eingewechselter „Joker“ über Gebühr. Im Heimspiel gegen Montenegro stand er in der Startformation und erzielte prompt das Siegestor. Gegen Russland gelang ihm nur 14 Minuten nach seiner Einwechslung der entscheidende Treffer. Okotie sorgte bei nur 189 Einsatzminuten somit für sechs wichtige Punkte.

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Rubin Okotie ließ sich für sein Siegestor im Heimspiel gegen Montenegro feiern
Stefan Ilsanker: Befriedigend
Der defensive Mittelfeldspieler wurde in dieser Qualifikation zum Russland-Spezialisten. In Wien und in Moskau ersetzte er einmal Baumgartlinger und einmal Alaba. Insgesamt war Ilsanker in sieben Spielen mit 222 Minuten dabei, in denen er unter Beweis stellte, dass er jederzeit eingesetzt werden kann.
Christoph Leitgeb: Befriedigend
Im Heimspiel gegen Russland ersetzte der 30-Jährige in seinem 41. Länderspiel den verletzten Alaba. Davor waren es Kurzeinsätze gegen Schweden und Moldawien (insgesamt 114 Minuten). Eine Knieblessur setzt Leitgeb schon länger außer Gefecht. Angesichts der Konkurrenz durch Veli Kavlak und Yasin Pehlivan, die ebenfalls rekonvaleszent sind, ist sein EM-Platz nicht gerade abgesichert.
Jakob Jantscher: zu kurz eingesetzt
Nach knapp zweijähriger Pause stand der Luzern-Legionär erstmals für das Auswärtsmatch in Russland wieder im Kader. Danach kam er zu Kurzeinsätzen mit insgesamt 24 Minuten gegen Moldawien, Schweden und Montenegro, wobei er in Stockholm die Vorarbeit zum 4:0 leistete. Von seiner Dynamik her ist Jantscher eine Option.
Lukas Hinterseer: zu kurz eingesetzt
Der Ingolstadt-Legionär wurde gegen Montengro und in Liechtenstein eingewechselt und kam auf 35 Einsatzminuten. In den letzten fünf Spielen saß er auf der Bank.
Marco Djuricin: zu kurz eingesetzt
Bei seinem einzigen Einsatz in Liechtenstein durfte der Stürmer die letzten 13 Minuten ran. Danach stand er nicht mehr im ÖFB-Kader.
Valentino Lazaro: zu kurz eingesetzt
Lazaros Einsätze beschränkten sich auf elf Minuten zu Beginn der Qualifikation gegen Schweden und Montenegro. Der 19-Jährige, der aktuell verletzt ist, bleibt aber eine Zukunftshoffnung und ist vorerst für das U21-Team vorgesehen.
Christian Wagner, ORF.at
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