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Der Traum, der gar keiner war

Als Bub darf man in Österreich schon lange von einer Karriere als Eishockeyprofi träumen, sogar der Sprung in die National Hockey League (NHL) ist möglich. Für Mädchen aber war eine Laufbahn als Profi bisher kein Thema. Doch die Zeiten ändern sich: Janine Weber ist Österreichs erste professionelle Spielerin. Die Tirolerin lebt in Nordamerika nun einen Traum, den sie nie bewusst verfolgt hat.

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Seit 11. Juni 2015 hat die 24-Jährige ihren Platz in der österreichischen Sportgeschichte sicher. Denn an diesem Tag unterschrieb Weber ihren Vertrag bei den New York Riveters, eines von vier Teams der neu gegründeten National Women’s Hockey League (NWHL).

Ihre Unterschrift war auch aus Sicht der neuen Liga historisch: Weber war die erste Spielerin, die von einem der vier Teams unter Vertrag genommen wurde. Für die Tirolerin noch immer ein wenig unwirklich. „Dass ich einmal professionell Eishockey spielen werde, hätte ich mir nie gedacht“, sagt Weber im Gespräch mit ORF.at.

Janine Weber

Troy Parla

Weber (l.) geht seit heuer bei den Riveters aus New York auf Torjagd

Kampf mit Vorurteilen

Eishockey und Frauen - das sind in der österreichischen Wahrnehmung immer noch zwei Paar Schuhe, die nicht zusammen passen. Daher verschwendete Weber nie einen Gedanken daran, dass man als Eishockeyspielerin auch Geld verdienen kann. „Wo ich aufgewachsen bin, hat es keine Möglichkeit gegeben für Frauen, professionell Eishockey zu spielen. Daher war es nie ein Traum“, so die in Innsbruck geborene Stürmerin.

Für die junge Janine wurde Eishockey aber trotzdem zur großen Leidenschaft. Als Kind entdeckte sie in der Eislaufschule des HC Innsbruck ihre Liebe zum Spiel. „Da bin ich dabei geblieben und habe in der U8 angefangen“, sagt Weber, die mit klassischen Vorurteilen zu kämpfen hatte: „Es haben schon viele Leute gesagt: Willst du nicht lieber Eiskunstlauf oder Eisschnelllauf oder was anderes wie Ballett machen? Aber ich habe da gar nicht mit mir reden lassen, es hat mir zu viel Spaß gemacht.“

Das Zusammenspiel mit ihren männlichen Teamkollegen war hingegen kein Problem. „In meinen Mannschaften haben mich meine Teamkollegen immer verteidigt, wenn Gegner blöd geredet haben. Und eishockeytechnisch lernt man schon viel, wenn man gegen Burschen spielt“, so Weber. Als Frau in einem „Männersport“ bestehen zu können, sei auch eine wichtige Lebenserfahrung gewesen. „Man lernt aber vor allem mental viel. Man lernt nicht aufzugeben und gewisse Dinge wegzustecken“, sagt die 24-Jährige.

Ein Stock in der „Hall of Fame“

Doch Eishockey aufzugeben war für Weber nie ein Thema, auch wenn es die Perspektive Profi nicht gab. 2013 erfüllte sich die Teamspielerin - in bisher 90 Spielen erzielte sie 43 Tore - ihren großen Traum: einmal an einem US-College zu studieren und Eishockey zu spielen. Eine amerikanische Teamkollegin und Mitbewohnerin während Webers Zeit bei den Vienna Sabres in Wien legte der Tirolerin die „Rutsch’n“ nach Nordamerika ans Providence College.

Janine Weber

Janine Weber

Im Dress von Boston Blade feierte Weber ihren bisher größten Triumph

Dort machte Weber auch ihren Master in Education sprich Pädagogik und spielte ein Jahr für die Friars. 2014 holten die Boston Blades die Tirolerin in die semiprofessionelle Canadien Women’s Hockey League (CWHL). Dort schoss Weber Boston im Finale in der Overtime zum Clarkson Cup - vergleichbar mit dem Stanley Cup der NHL. Das war noch keiner Europäerin gelungen. Kein Wunder, dass die „Hall of Fame“ bei Weber anklopfte und um den Stock, mit dem das Siegestor erzielt wurde, bat. Gerne gab ihn die Tirolerin aber nicht her. Schließlich hatte sie nur zwei aus eigener Tasche bezahlte - und einer davon war kaputt.

In der Frauen-Eishockeyszene war der Name Weber damit über Nacht bekannt - und begehrt. „Es ist schon anders, wenn die Leute auf einen zukommen und Autogramme oder Fotos wollen. In Österreich ist mir so was noch nie passiert“, erinnert sich Weber. Ihr satter Schuss im CWHL-Finale ebnete der Teamspielerin schließlich auch den Weg in die von den ehemaligen Spielerinnen Dani Rylan und Angela Ruggiero gegründete NWHL. Mit der von 1999 bis 2007 existierenden Liga gleichen Namens hat die neue Frauen-NHL aber nichts gemein.

„Es ist voll cool“

Denn in der NWHL werden die Spielerinnen, anders als in der CWHL, erstmals bezahlt. Zwischen 10.000 und 25.000 Dollar beträgt ein Jahresgehalt. Eine neue Situation für Weber. „Es ist ganz angenehm, weil ich jetzt nicht mehr Vollzeit arbeiten muss und dann am Abend nach der Arbeit zum Training fahren muss“, so die Tirolerin, die neben ihrem Job als Lehrerin zum Training pendeln musste. „Da kommt man erst spät um Mitternacht wieder heim, muss dann aber wieder früh aufstehen“, erzählt Weber. Jetzt steht Eishockey im Mittelpunkt. Die Spielerinnen können jenes Umfeld genießen, das die Männer schon seit Jahrzehnten voraussetzen. „Man muss sich keine Sorgen mehr machen, wenn man neue Schuhe oder Schläger braucht“, so Weber.

Janine Weber

Troy Parla

Die Tirolerin kann sich erstmals voll auf ihren Sport konzentrieren

Die Liga ist auch keine Randerscheinung. „Es wird sehr viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht, auch in Zeitungen wie ‚New York Times‘ oder ‚Wall Street Journal‘. Da wird immer wieder berichtet“, erzählt Weber. Der Bekanntheitsgrad der Liga, die sich derzeit nur im Nordosten der USA abspielt, ist überraschend hoch. „Es ist voll cool. Sehr viele Leute haben schon davon gehört“, so Weber, die selbst in einem Sportgeschäft darauf angesprochen wurde. Das hat, so die Tirolerin, auch mit dem Stellenwert von Frauensport in Nordamerika zu tun: „Frauensport ist in Amerika schon voll entwickelt.“ Erfolge wie jene der US-Fußballerinnen tragen laut Weber viel dazu bei.

Vorreiterin als Motivation

Österreichs erster weiblicher Profi sieht ihr Engagement in New York auch als Chance, Frauen-Eishockey zwischen Donau und Arlberg populärer zu machen. Weber arbeitet auch aktiv daran, jungen Spielerinnen als Vorbild zu dienen. „Ich versuche schon Kontakte zwischen Spielerinnen in Österreich und Leuten in Amerika, die ich kenne, herzustellen“, so Weber, „ich möchte, dass viele die Chance haben, so wie ich hier zu spielen.“

Weber darf zurecht als weibliche Version von Thomas Vanek bezeichnet werden - nicht nur, weil ihre Stärken so wie die von Österreichs erfolgreichstem NHL-Export im Toreschießen liegen. Vergleiche mit dem Stürmer der Minnesota Wild stören Weber nicht, auch sie verfolgte Vaneks Karriere mit Begeisterung: „Es war sicher für jeden Sportler und speziell Eishockeyspieler in Österreich eine Motivation, wenn man sieht, dass man es aus einem Land, wo der Sport nicht jeden interessiert, in die beste Liga der Welt schaffen kann.“

Großes Ziel Olympia

Auch mit dem Nationalteam will es Weber in den Kreis der besten der Welt schaffen. Heuer fehlte bei der WM der Division I zum Aufstieg in die A-Gruppe nicht viel. Einzig die Tschechinnen waren für Weber und Co. zu stark. „Wir sind knapp dran, dass wir in der besten Gruppe mitspielen. Wir haben eine gute Mannschaft, und es kommen viele gute junge Spielerinnen nach“, so Weber. Ihr großes Ziel heißt aber Olympia 2018. Dazu muss Österreich, derzeit auf Rang 13 der Weltrangliste, allerdings zwei Phasen überstehen, um einen der zwei freien Plätze für Pyeongchang zu ergattern.

Weber ist jedenfalls guter Dinge, dass sich Österreichs Frauen in der Olympiaqualifikation gut verkaufen werden. „Das Potenzial dazu haben wir. Ich glaube, wir haben eine Chance, dabei zu sein. Das wäre ein Traum“, so die 24-Jährige. Und vielleicht öffnet sich so noch für weitere Spielerinnen aus Österreich das Tor in die nordamerikanische Profiliga. Denn jetzt haben junge Frauen in Österreich auch im Eishockey diese Perspektive. Frag nach bei Janine Weber.

Karl Huber, ORF.at

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