„Entscheidung am grünen Rasen“
Vöcklabruck, Schwanenstadt, Salzburg, Grödig: So lauteten die Stationen der Herbergssuche von Erste-Liga-Aufsteiger Austria Salzburg. Benötigt wurde ein Ausweichstadion für die „Risikospiele“ gegen den LASK und Wacker Innsbruck. Fündig wurde der Vorletzte der Liga nun ausgerechnet im knapp 350 Kilometer entfernten Wien - bei Schlusslicht FAC.
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Weil die Salzburger aufgrund von Sicherheitsbestimmungen keine „Risikospiele“ gegen Teams wie den LASK und Wacker Innsbruck im heimischen Maxglan bestreiten durften, mussten sie sich zu Saisonbeginn auf eine Herbergssuche begeben, die den Verein beinahe in den Ruin zu treiben drohte.
Bei Schlusslicht FAC wurden die Salzburger nun fündig. Vorbehaltlich der Zustimmung des Senats 5 der Bundesliga - eine Entscheidung soll am Dienstag fallen - , können die Violetten die drei betroffenen Begegnungen auf dem FAC-Platz als Heimteam austragen - beginnend mit dem Schlager gegen den LASK am 24. November.
Aus Relegationsduell wurde Freundschaft
Die Beziehung zum FAC ist eine Geschichte für Fußballromantiker: Im Frühjahr 2014 trafen die damaligen Meister der Regionalligen West (Austria Salzburg) und Ost (FAC) in der Relegation aufeinander und machten sich untereinander den Aufsteiger in die Erste Liga aus. Die Wiener setzten sich durch, im Jahr darauf folgten die Mozartstädter als neuerlicher Westliga-Champion den Hauptstädtern ins Profigeschäft. Knapp eineinhalb Jahre später belegen die beiden Teams das Ende der Erste-Liga-Tabelle und schmieden eine wohl einzigartige Allianz, weil rund um die Relegationsspiele freundschaftliche Bande geknüpft worden waren.

GEPA/Christian Ort
Der Anhang der Salzburger Austria - hier noch im Auswärtssektor beim FAC - soll gegen den LASK und Innsbruck den FAC-Platz als Heimstätte nutzen
„Wir sind in Salzburg immer gut aufgenommen worden. Nach der Relegation ist der Kontakt nie abgerissen“, erklärte FAC-Manager Mathias Slezak das unübliche Angebot der Wiener an die Ligakonkurrenten. Nicht zuletzt die aktive Fanszene in Salzburg beeindruckte die Floridsdorfer. „Obwohl wir damals in der Relegation aufgestiegen sind, gab es Standing Ovations von den Anhängern.“
Auch deshalb habe man sich vereinsintern eindeutig für ein Angebot an die Austrianer ausgesprochen. Gleichzeitig entschieden sich die Wiener dagegen, von etwaigen Strafverifizierungen gegen den sportlichen Konkurrenten zu profitieren. „Wir wollten, dass die Entscheidung auf dem grünen Rasen fällt und nicht am grünen Tisch“, so Slezak.
Stationen einer Stadionsuche
Die Suche nach einer Heimstätte war für die Salzburger zuletzt zu einem Spießrutenlauf verkommen. Aus dem eigentlich zum Ausweichquartier erkorenen Stadion Vöcklabruck flogen die Austrianer noch vor dem Aufstiegsjahr wegen eines Cupeklats gegen Sturm Graz.
In Schwanenstadt trug man das erste Westderby der heurigen Saison gegen Wacker Innsbruck in der Folge vor einer Geisterkulisse aus. Weitere „Risikospiele“ in der oberösterreichischen Stadt wurden an weitreichende bauliche Veränderungen geknüpft - zu teuer für die finanziell ohnehin klamme Austria.
In Grödig trägt neben dem Bundesligisten auch Red-Bull-Zweitclub Liefering seine Heimspiele aus. Zudem sind die Austria-Salzburg-Fans im Festspielort nicht allzu gerne gesehen, heißt es. Im EM-Stadion selbst, eigentlich im Besitz des Landes Salzburg, scheiterten die Austrianer am Veto von Meister Red Bull Salzburg.
„Bedanken uns für die Gastfreundschaft“
Bei den Austrianern atmet man nach dem Happy End in der Stadionfrage vorerst auf. „Wir bedanken uns sehr herzlich für die Gastfreundschaft der Floridsdorfer sowie bei den zuständigen Wiener Behörden“, wurde via Clubmitteilung verbreitet - inklusive einer verbalen Spitze in Richtung Land Salzburg.
Die dortige Landesregierung hätte nämlich - vertraglich zugesichert - ein Anrecht auf mehrere Eigenveranstaltungen im in der Bundesliga als Red-Bull-Arena geführten EM-Stadion Salzburg. Bis zuletzt hatte man versucht, die Landespolitiker davon zu überzeugen, die Austrianer ins Stadion des Lokalrivalen auswandern zu lassen - vergeblich, wie Clubsprecher Alexander Hütter bestätigte: „Es ist vom Land nichts mehr gekommen.“
Ganz überstanden ist die Stadionfrage für Austria Salzburg mit dem vorübergehenden Umzug nach Wien dennoch nicht: Sollte es erneut zu Problemen mit der Anhängerschaft kommen, drohen Geldstrafen, Strafverifizierungen und Punktabzüge - und keine der Maßnahmen können sich die Aufsteiger aus Salzburg derzeit leisten.
Mario Wally, ORF.at
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