Kapitulation ausgeschlossen
Die dramatischen Ereignisse in Paris während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland haben die Verwundbarkeit des Sports aufgezeigt, aber auch den Kampfgeist wachgerüttelt. Eine Absage der EM-Endrunde von 10. Juni bis 10. Juli 2016 in neun französischen Städten ist für die UEFA trotz Terrorgefahr deshalb keine Option. Der europäische Verband will Frankreich unterstützen, aber nicht kapitulieren.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Dabei war es nur großem Glück und den Ordnern zu verdanken, dass am Freitag nicht mehr passierte, wollten sich die Attentäter doch Zutritt zum Stadion verschaffen. Etwa fünf Minuten nach dem Anpfiff soll laut Informationen der französischen Sportzeitung „L’Equipe“ einer der Attentäter im Sektor Ost, der andere im Sektor Nord vergeblich versucht haben, ins Stadion zu kommen. Laut L’Equipe sollen sie - entgegen anderslautenden Berichten vom Samstag - aber keine Eintrittskarte gehabt haben.
Das „Wall Street Journal“ hatte davor berichtet, dass zumindest ein Attentäter ein Ticket gehabt habe. Er sei von einem Ordner beim Sicherheitscheck wegen des Sprengstoffgürtels aber aufgehalten worden, berichtete die Zeitung am Samstag und berief sich dabei auf einen anderen Ordner und einen Polizisten. Beim Fluchtversuch habe der Mann den Sprengstoff zur Explosion gebracht und eine Person mit in den Tod gerissen.
Sicherheit als Herausforderung
„Wenn man die EM jetzt infrage stellt, würde man sich den Regeln der Terroristen beugen“, sagte Turnier-Cheforganisator Jacques Lambert französischen Medien. In dieser Haltung wird er auch von zahlreichen internationalen Spitzenfunktionären unterstützt. „Wenn man die EM jetzt absagen würde, dann käme dies einer Kapitulation vor den Verbrechern gleich. Das darf nicht passieren“, sagte etwa Alfons Hörmann, Chef des deutschen Olympischen Sportbundes.
„Wir werden die notwendigen Entscheidungen treffen, damit die EM 2016 mit den bestmöglichen Sicherheitsmaßnahmen stattfinden wird“, sagte Lambert. Das ist angesichts der Dramatik in St. Denis mit drei Detonationen direkt vor dem Stade de France eine immense Herausforderung.

APA/AFP/Fabrice Coffrini
OK-Chef Lambert will sich den Terroristen nicht beugen
„Welt muss Kampf aufnehmen“
Andere Möglichkeiten haben die EM-Macher derzeit offenbar nicht. Klar ist: Die EM wird zu einer der größten Sicherheitsoperationen in der Sportgeschichte werden, vielleicht zu einer noch größeren als die Olympischen Hochsicherheitswinterspiele 2014 im russischen Sotschi, die von Militär geprägt waren. „Europa, die Welt muss zusammenstehen und den Kampf aufnehmen, so wie es Frankreichs Staatspräsident Hollande gesagt hat“, betonte DOSB-Chef Hörmann.
Die Europäische Fußballunion beschränkte sich zunächst auf eine knappe schriftliche Mitteilung. „Die UEFA ist tief schockiert und traurig über die tragischen Ereignisse und möchte Frankreich und denjenigen, die von diesen schrecklichen Akten betroffen sind, ihre Unterstützung und Solidarität ausdrücken“, teilte sie mit. Für alle anstehenden Länderspiele wurden Schweigeminuten und Trauerflor für alle Spieler angeordnet.
Nervosität vor Auslosung in Paris
Für die UEFA ist die Anschlagserie an mehreren Orten in Paris mit 129 Toten ein Alptraum. Am 12. Dezember sollen in Paris die sechs EM-Vorrundengruppen ausgelost werden. Die Show im Le Palais de Congres an der Porte de Maillot im Westen der Stadt ist ein Meilenstein auf dem Weg zum größten Kontinentalturnier mit erstmals 24 Mannschaften und 51 Spielen. Die Auslosung wird zu einer absoluten Hochsicherheitsveranstaltung.
Die Anschläge vom Freitag brachten aber auch positive Erkenntnisse. „Die Sicherheit in den Stadien funktioniert gut“, sagte Lambert. Weil es den Ordnern vor der Arena zu verdanken war, dass die Attentäter nicht hinein und ihren perfiden Plan so nicht ausführen konnten.
Link: