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Enttäuschung nach Schweiz-Niederlage

Österreichs Nationalmannschaft steht weiter auf Kriegsfuß mit dem letzten Länderspiel eines Jahres. Von den letzten acht Saisonabschlusspartien gingen sieben verloren. War es am 18. November 2014 Brasilien, schickte am Dienstag die Schweiz das ÖFB-Team ebenfalls mit einer 1:2-Niederlage in die Winterpause. Die Koller-Elf verpasste damit auch das Ziel, ein Länderspieljahr erstmals seit 1996 ungeschlagen zu beenden.

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Entsprechend enttäuscht waren die Spieler, die sich vorgenommen hatten, den diesmal nicht ganz so zahlreich erschienenen Fans für ihre perfekte Unterstützung während der EM-Qualifikation noch einmal einen Sieg zu schenken. „Ärgerlich“, „bitter“ und „schade“ waren nach der Partie, die am meisten gebrauchten Wörter. „Wir wollten das Jahr schön abschließen, das ist uns leider nicht gelungen“, sagte David Alaba, der mit seinem schweren Fehler vor dem 0:1 und dem Ausgleich selbst durch ein Wechselbad der Gefühle ging.

Schweiz beendet ÖFB-Erfolgsserie

Mit der 1:2-Niederlage gegen die Schweiz am Dienstagabend in Wien verfehlte das ÖFB-Nationalteam das erklärte Ziel, erstmals seit 1996 eine Saison ungeschlagen zu überstehen.

Auch für Teamchef Marcel Koller war es ein ungewohntes Gefühl, gegen sein Heimatland anzutreten. „Dieses Spiel war ihm nicht unwichtig. Das hat man im Vorfeld auch gemerkt. Wir wollten genauso gewinnen wie er“, versicherte Julian Baumgartlinger. Der Schweizer selbst war über die Niederlage nicht sonderlich erbaut. „Aber wenn es gegen die Schweiz ist, ist das noch am besten“, sagte Koller, der einen kleinen Trost in der Tatsache fand, dass das Spiel gegen seine Landsleute verloren ging.

„Besser heute als bei der EM“

Für Koller war es eine gute Partie, die von Kleinigkeiten entschieden wurde. Im ÖFB-Team waren das in erster Linie Missverständnisse vor den Gegentoren und Konzentrationsmängel sowie mangelnde Chancenauswertung. Auch „ein paar Abspielfehler zu viel“ missfielen dem Teamchef. „Besser heute als nächstes Jahr bei der EM“, sah Koller eine guten Zeitpunkt für die durchwachsene Vorstellung. „So können wir dieses Gefühl mal wieder spüren, zu verlieren. Es ist auch wichtig, dass man wieder runterkommt“, so Koller.

Die Spieler nahmen die Niederlage nicht auf die leichte Schulter. Die Freude über die souverän geschaffte EM-Qualifikation wollten sie sich aber nicht trüben lassen. „Wir brauchen uns für dieses heutige Spiel nicht zu verstecken. 2015 war trotzdem ein super erfolgreiches Jahr“, sagte Kapitän Christian Fuchs. Dragovic meinte: „Jede Niederlage schmerzt, aber es war ein Freundschaftsspiel.“ „Man kann nicht alles gewinnen. Wir haben uns ohne Niederlage für die EM qualifiziert, das zählt“, wollte Marko Arnautovic festgehalten wissen.

ÖFB-Spieler Marko Arnautovic im Match gegen die Schweiz

ORF.at/Dominique Hammer

Der Ärger über die Niederlage war auch bei Marko Arnautovic nicht allzu groß

Wichtige Erfahrung für Ersatzleute

Außerdem lernt man aus Niederlagen bekanntlich am meisten. „Wenn wir jedes Spiel gewinnen würden, wäre es vielleicht auch nicht gut, denn unsere Entwicklung ist noch nicht zu Ende“, konstatierte Baumgartlinger. Größte Erkenntnis war wohl, dass die Ausfälle mehrerer Schlüsselspieler zum Problem wurden. Mit Robert Almer, Martin Harnik, Zlatko Junuzovic und Marc Janko fehlten vier Leistungsträger. Vor allem in der Offensive hatte das ÖFB-Team ein komplett neues Gesicht. Hinzu kam die frühe Verletzung von Innenverteidiger Sebastian Prödl.

Für Koller ergab sich die Möglichkeit, Jakob Jantscher, Marcel Sabitzer und Rubin Okotie unter Wettkampfbedingungen zu sehen. Für den Schweizer war es wichtig, dass auch diese Backups weiter Erfahrungen sammeln. Für die restlichen Stammspieler waren die Wechsel „keine große Umstellung“, wie Baumgartlinger betonte. „Die Niederlage darf man nicht an den neuen Spielern festmachen. Das Eingespielte, das letzte Prozent, kann natürlich nicht da sein. Aber das müssen wir hinkriegen“, erklärte der Mainz-Legionär.

Strafe für fehlende Kaltschnäuzigkeit

Hinbekommen haben die Spieler auch das zweite Tor nicht, was dem Tenor nach aber verdient gewesen wäre. Fehler in der Defensive und fehlende Konsequenz vor dem gegnerischen Tor verhinderten ein Remis. „Wir waren das Team, das das Spiel machen wollte und sich Chancen erarbeitet hat. Die Kaltschnäuzigkeit hat aber gefehlt. Wir haben gesehen, dass das auf diesem Niveau sehr schnell bestraft wird“, erklärte Alaba. „Wir haben es probiert und probiert, aber es ist nichts reingegangen“, haderte Arnautovic.

„Mit breiter Brust ins nächste Jahr“

Aleksandar Dragovic sprach von einem „guten Test“ gegen eine „spielerisch sehr starke Mannschaft“ und einem Auftrag, weiter an der Entwicklung zu arbeiten. Die junge Mannschaft habe viel Potenzial. „Aber wir müssen weiterarbeiten mit 100 Prozent. 90 Prozent reichen nicht. Hinten haben wir uns die Tore selber geschossen und vorne die Chancen nicht verwertet, aber besser jetzt als bei der EM. Es sind noch sieben Monate. Wir sind hungrig und werden uns sehr gut vorbereiten“, so Dragovic.

Laut Alaba besteht die wichtigste Aufgabe darin, aus solchen Niederlagen die entsprechenden Lehren zu ziehen. „Wir müssen das Positive aus dem Spiel mitnehmen und aus dem Negativen lernen“, resümierte der Bayern-Legionär. Vom eingeschlagenen Weg will man sich auf keinen Fall abbringen lassen. Daran kann auch die Niederlage gegen die Schweiz nichts ändern. „Wir gehen trotzdem mit breiter Brust ins nächste Jahr“, fand Stefan Ilsanker passende Schlussworte für 2015.

Christian Wagner, ORF.at

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