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66 Jahre Weitenjagd

Auf der Kulm-Schanze bei Bad Mitterndorf/Tauplitz gehen von Donnerstag bis Sonntag zum fünften Mal nach 1975, 1986, 1996 und 2006 Skiflug-Weltmeisterschaften in Szene. In den 66 Jahren seit der Errichtung haben Skispringer auf dem Monsterbakken, der nach seinem Umbau 2014 zu den zwei größten der Welt aufgeschlossen hat, Triumph und Freude, aber auch Angst und Schmerz erlebt.

Der Kulm ist eine von weltweit fünf Skiflug-Schanzen (neben Planica, Oberstdorf, Vikersund und Harrachov) und wurde auf Initiative des Salzkammergut-Skiverbandes errichtet. Dieser damals zehnte Landesverband des ÖSV löste sich allerdings 1951 nach 40-jährigem Bestehen auf. Den Premierensprung tat im Februar 1950 ein Bursche namens Hubert Neuper, der Vater des jetzigen WM-Organisators. Hubert Neuper junior, der Olympiazweite 1980, hat selbst 1982 zweimal triumphiert, unter anderem vor dem Finnen Matti Nykänen.

Skiflugschanze auf dem Kulm

GEPA/Markus Oberlaender

Dreimal erlebten die Zuschauer auf dem Kulm schon einen Weltrekordsprung

Dreimal wurde auf dem Bakken, dessen K-Punkt sich durch zahlreiche Umbauten von 100 Meter über 185 auf mittlerweile 200 Meter verschoben hat, Weltrekord geflogen. Durch den Deutschen Peter Lesser 1962 (141 m) und 1965 (145 m) sowie durch den Tiroler Andreas Felder 1986 (191,0 m). Bei der ersten Kulm-WM 1975 setzte sich Karel Kodejska (CSSR) durch, Karl Schnabl holte als Dritter das erste ÖSV-Edelmetall bei Titelkämpfen im Skifliegen.

Letzter ÖSV-Triumph durch Schlierenzauer

Andreas Felder triumphierte 1986 vor Franz Neuländtner, und zehn Jahre später erreichte Andreas Goldberger im steirischen Salzkammergut einen Karrierehöhepunkt. Betreut vom damaligen ÖSV-Trainer Felder wurde der als Favorit gehandelte Innviertler der enormen Erwartungshaltung gerecht und kürte sich als dritter Österreicher (der erste war Armin Kogler 1979) zum Skiflug-Champion. Gregor Schlierenzauer avancierte 2008 in Oberstdorf bei seinem WM-Debüt zum vierten und bisher letzten ÖSV-Weltmeister auf einer der größten Schanzen.

Andreas Goldberger jubelt mit Fahne nach WM-Sieg auf dem Kulm 1996

GEPA/Maurice Shourot

1996 flog Goldberger als letzter ÖSV-Adler auf dem Kulm zum WM-Titel

Neben den vier Weltmeisterschaften war der Kulm auch Schauplatz von bisher 14 Weltcup-Veranstaltungen, in denen sich die Österreicher Hubert Neuper jun. (zweimal 1982), Stefan Horngacher (1991), Florian Liegl (2003), Andreas Widhölzl (2005) und der damals „mit der Luft spielende“ Schlierenzauer (2009 und 2010 insgesamt dreimal) in die Siegerliste eintrugen. Die Adler wurden von Zehntausenden Fans bejubelt, doch der Kulm war auch Schauplatz von Tragödien.

Gefahr als ständiger Begleiter

Der Finne Pekka Salo blieb nach seinem Sturz und Wirbelbrüchen 1962 gelähmt. Der Steirer Reinhold Bachler erlitt bei der WM 1975 Prellungen am ganzen Körper, beim WM-Titelgewinn Felders zog sich Ulf Findeisen (DDR) ein Schädel-Hirn-Trauma zu, der Japaner Masahiro Akimoto, der Norweger Rolf Berg und der Slowene Gregor Peljkan mussten mit Brüchen bzw. Bänderrissen ebenfalls ins Spital.

Abtransport von Thomas Morgenstern nach seinem Sturz auf dem Kulm 2014

GEPA/Markus Oberlaender

Vor zwei Jahren erlitt Morgenstern im Training schwere Verletzungen

Dass das Risiko auch auf einer modernen Schanze nie ausgeschaltet und Stürze auch einen Superstar treffen können, wurde im Jänner 2014 am Beispiel von Thomas Morgenstern drastisch vor Augen geführt. Der dreifache Olympiasieger erlitt bei seinem Sturz im Training eine schwere Kopfverletzung mit Einblutungen und eine Lungenquetschung. Dank gutem Verlauf kehrte der Kärntner schon drei Wochen später auf eine Schanze zurück und holte im Februar mit dem ÖSV-Team sogar Olympiasilber, aber aufgrund dieses Sturzes beendete Morgenstern im September darauf seine Karriere.

Weiten von bis zu 250 Metern möglich

Der Kulm wurde laufend an die Entwicklungen des Sprungsports angepasst. Nach dem Umbau für die WM 1996 sowie weiteren Zubauten für 2005 wie die Errichtung eines Liftes und des modernen Starthauses galt die damalige Naturschanze als modernste Skifluganlage der Welt. Die größte war Planica, ehe Vikersund 2011 gleichzog und den slowenischen Bakken dank günstigerer Flugkurve als Weltrekordschanze ablöste.

Der Kulm hat durch den 2014 vollzogenen und mehr als vier Millionen Euro teuren Umbau zumindest von den Maßen (Hillsize 225 m, K-Punkt 200 m) her gleichgezogen. Durch Rückversetzung des Anlaufs, der nun dank Kühlung mit einer Eisspur ausgestattet ist, und Neugestaltung des Aufsprunghügels sollen laut Neuper nun Flüge bis zu 250 Metern möglich sein. Der Weltrekord liegt mittlerweile bei 251,5 Metern (Anders Fannemel 2015 in Vikersund), den Kulm-Rekord hält ebenfalls seit dem Vorjahr der deutsche WM-Titelverteidiger Severin Freund mit 237,5 Metern.

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