Garantierte Siege und perfekte Saisonen
Das Levi’s Stadium in Santa Clara ist am 7. Februar Schauplatz einer schillernden Geburtstagsparty. Zum 50. Mal steigt mit dem Duell Denver Broncos gegen Carolina Panthers die Super Bowl, das Endspiel der National Football League (NFL). Was 1967 als Showdown zweier verfeindeter Ligen begann, ist heute das größte Einzelsportereignis der Welt.
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Am 15. Jänner 1967 war noch nicht zu erahnen, dass das finale Duell der etablierten NFL und der aufstrebenden, damals erst sieben Jahre alten American Football League (AFL) einst ein Straßenfeger sein würde. Das erste AFL-NFL World Championship Game zwischen den Green Bay Packers und den Kansas City Chiefs war noch weit vom aktuellen Spektakel entfernt. Das Memorial Coliseum von Los Angeles war nur zu zwei Dritteln gefüllt. Zur Pause traten keine Popstars, sondern die Marching Band der Universität von Arizona auf.
Sogar die TV-Aufzeichnung des ersten Spiels ging verloren. Erst heuer zum 50. Geburtstag wurde eine aus Fragmenten erstellte neue Version präsentiert. Es dauerte allerdings nicht lange, bis die Super Bowl, die erst seit der dritten Ausgabe 1969 so heißt, zum wichtigsten Ereignis im amerikanischen Sportkalender wurde. ORF.at hat sich aus einer Vielzahl zehn unvergessliche Momente aus 50 Jahren Super Bowl herausgepickt.
Die Garantie von „Broadway Joe“
„We’re going to win Sunday. I guarantee it“ - mit diesen Worten drei Tage vor der dritten Ausgabe der Super Bowl machte sich Joe Namath, der Quarterback der New York Jets, unsterblich. Der exzentrische Spielmacher mit dem Spitznamen „Broadway Joe“ garantierte einen Finalsieg seiner Mannschaft gegen den hoch favorisierten NFL-Vertreter Baltimore Colts und hielt mit einem unerwarteten 16:7-Sieg Wort.

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Namath (Nr. 12) ließ seinen Worten in der Super Bowl Taten folgen
Der Triumph der Jets läutete die Wende in der Wahrnehmung der AFL ein. Nachdem in den ersten beiden Endspielen mit den Green Bay Packers das NFL-Team mit dem AFL-Vertreter Schlitten gefahren war, drehte die jüngere der beiden Ligen nun erstmals den Spieß um. Ein Jahr später setzte sich mit den Kansas City Chiefs erneut der AFL-Vertreter durch. Ab der nächsten Saison waren die beiden konkurrierenden Ligen Geschichte, und es entstand die moderne NFL aus National und American Football Conference.
Lombardis triumphaler Abschied
Ein Jahr vor dem Sensationssieg der Jets endete in der Super Bowl die vielleicht erfolgreichste Trainerära der NFL-Geschichte. Der 33:14-Sieg der Green Bay Packers über die Oakland Raiders war das letzte Spiel des legendären Vince Lombardi als Coach der Packers. In seinen neun Jahren führte Lombardi Green Bay zu sechs NFL-Titeln - darunter von 1965 bis 1967 dreimal in Folge - und außerdem zu den ersten beiden Super-Bowl-Siegen.
Der damals 54-jährige Startrainer wurde von seinen Spielern auf den Schultern vom Platz getragen. Mit Lombardis Abschied, der gebürtige New Yorker coachte noch ein Jahr die Washington Redskins, ehe er 1970 an Krebs verstarb, endeten auch die goldenen Zeiten in Green Bay. Erst 29 Jahre nach Super Bowl II standen die Packers wieder in einem Endspiel und holten sich die nun nach ihrem legendären Coach benannte Vince-Lombardi-Trophy zum dritten Mal.
Das fehlende Yard
Oft entschieden im NFL-Finale nur wenige Meter über Sieg oder Niederlage. In Super Bowl XXXIV im Jahr 2000 war es genau ein Yard. So viel fehlte Kevin Dyson von den Tennessee Titans zur Endzone, um seine Mannschaft gegen die St. Louis Rams im Georgia Dome von Atlanta noch in die Verlängerung zu bringen. Doch Rams-Verteidiger Mike Jones war zur Stelle und sicherte den Rams den Titel.

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Nur ein Yard fehlten 2000 zur ersten Verlängerung der Finalgeschichte
Das Bild, in dem sich der Titans-Receiver nach dem Pass von Quarterback Steve McNair vergeblich Richtung Linie streckt, gehört zu den bekanntesten der jüngeren Super-Bowl-Geschichte. Super Bowl XXXIV hatte auch ohne den Schnappschuss genug Geschichten zu bieten. So gewann mit Kurt Warner ein Quarterback den Titel, der wenige Jahre zuvor noch im Supermarkt Regale eingeschlichtet hatte.
Vinatieri läutet Ära ein
Am 3. Februar 2002, nur wenige Monate nach den Terroranschlägen des 11. September, hielten die Zuschauer im Superdome von New Orleans den Atem an. Adam Vinatieri machte sich bereit, sieben Sekunden vor Schluss die New England Patriots aus 48 Yards Entfernung zum Titel zu kicken. Die Übung gelang, die Patriots besiegten den Favoriten St. Louis Rams mit 20:17, und eine Dynastie war geboren.
Der im dritten Versuch erste Super-Bowl-Titel New Englands war der Startschuss zur erfolgreichsten Ära der jüngeren NFL-Geschichte. Die Patriots feierten in den kommenden drei Jahren zwei weitere Titel und legten 2015 den vierten nach. Übrigens: Vinatieri war auch beim zweiten Titel der große Held. 2004 versenkte der Kicker gegen die Carolina Panthers vier Sekunden vor Schluss das entscheidende Fieldgoal zum 32:29 - diesmal aus 41 Yards.
Elways erlösender „Helicopter“
Niederlagen in einer Super Bowl kannte John Elway zur Genüge. Der legendäre Quarterback der Denver Broncos bekam im Endspiel viermal eine auf den Deckel, ehe er 1998 endlich die Lombardi-Trophy stemmen durfte. Elway, einer der besten Spielmacher aller Zeiten, erlöste sich und die Broncos-Fans in San Diego mit einem spektakulären 31:24-Sieg über Green Bay.

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Elway riskierte auf dem Weg zum ersten Titel alles, auch seine Knochen
Obwohl Runningback Terrell Davis mit drei Touchdowns der Mann des Spiels war, blieb ein Lauf von Elway als die Szene des Spiels in Erinnerung. In der zweiten Hälfte nahm der damals 37-Jährige bei einem dritten Versuch knapp vor der Endzone des Gegners sein Herz in die Hand und hechtete sich Richtung First Down. Weil ihn zwei Packers-Verteidiger in der Luft in die Zange nahmen, landete Elway nach einem „Helicopter“ hart, aber zu einer neuen Angriffsserie auf dem Boden.
Der falsche Spielzug
Auch der vierte Titel New Englands im vergangenen Jahr bescherte den Fans einen unvergesslichen Moment. Diesmal war es allerdings nicht ein Fieldgoal, sondern eine Interception von Malcolm Butler. Der Verteidiger fing 26 Sekunden vor Schluss den vermeintlichen Touchdown-Pass von Seahawks-Spielmacher Russell Wilson ein Yard vor der Goal-Line ab und brachte damit den 28:24-Sieg der Patriots unter Dach und Fach.
Gesprächsthema Nummer eins war danach allerdings nicht Butlers Aktion, sondern die Auswahl des Spielzugs durch Seattles Cheftrainer Pete Carroll. Denn obwohl nur noch ein Yard zur Endzone fehlte, die Seahawks die Spieluhr klar auf ihrer Seite hatten und mit Marshawn Lynch der damals beste Runningback zur Verfügung stand, entschied sich Carroll für einen Pass. Das Risiko machte sich nicht bezahlt, die Seahawks mussten New England beim Jubeln zusehen.
Der verrückteste Catch aller Zeiten
New England hatte im Endspiel bei Pässen des Gegners aber auch nicht immer das Glück auf seiner Seite. In Super Bowl XLII gegen die New York Giants wurde eine akrobatische Einlage von David Tyree zur entscheidenden Szene. Der Wide Receiver, sonst meist nur vierte Wahl, klemmte kurz vor Schluss beim Stand von 10:14 aus Giants-Sicht einen Verzweiflungspass von Quarterback Eli Manning im Fallen an seinem Helm fest und leitete die Wende zugunsten des Außenseiters ein.

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Tyrees Catch ist Sinnbild für eine der größten Finalüberraschungen
Die Giants gingen in der Folge nach einem Touchdown-Pass auf Plaxico Burress 35 Sekunden vor Schluss mit 17:14 in Führung und gaben diese nicht mehr her. Für New England platzte damit ein historischer Traum. Denn bis zum Finale waren die Patriots in dieser Saison ungeschlagen gewesen, ausgerechnet das 19. und wichtigste Spiel ging verloren. Tyrees verrückter Catch wird auf ewig als Symbol für eine verpasste Chance stehen bleiben.
Miamis perfekter Abschluss
Dem Coup der New York Giants ist es auch zu verdanken, dass die Miami Dolphins der Saison 1972/73 weiter das einzige perfekte Team der Geschichte sind. Am 14. Jänner 1973 gelang der Mannschaft aus Florida mit einem 14:7-Finalsieg über die Washington Redskins der perfekte Abschluss einer noch immer einzigartigen Saison mit 17 Siegen in 17 Spielen.
Nur ein Jahr nachdem man in Super Bowl VI den Dallas Cowboys klar mit 3:24 unterlegen war, hatte Miamis Defense die Redskins sicher im Griff. Nur ein Fehler von Kicker Garo Yepremian in der Schlussphase der Partie verhinderte einen zur 17:0-Bilanz passenden, fast schon kitschigen 17:0-Sieg. Yepremian versuchte nach einem geblockten Fieldgoal einen Pass. Der wurde jedoch von Washingtons Mike Bass abgefangen und zum Ehrentouchdown in die Endzone getragen.
„Wide right“
„Wide right“, zwei einfache Worte, auf Deutsch rechts vorbei, verfolgen Scott Norwood noch heute. Der damalige Kicker der Buffalo Bills hatte in Super Bowl XXV 1991 die Chance, die Buffalo Bills gegen die New York Giants zum Titel zu treten. Doch der Versuch Norwoods aus 47 Yards segelte rechts am Pfosten vorbei und rettete den Giants einen 20:19-Sieg und damit ihren zweiten Super-Bowl-Triumph.

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Norwood wurde in Super Bowl XXV zur tragischen Figur
Kommentator Al Michaels machte Norwoods Versagen mit seiner simplen Aussage unvergessen. Für Buffalo war der vergebene Kick der Auftakt zu einer noch immer einzigartigen Niederlagenserie in Finalspielen. Zwar schafften es die Bills auch die nächsten drei Jahre in die Super Bowl, so nahe wie am 27. Jänner 1991 in Tampa kam Buffalo dem Titel aber nie mehr. Norwoods vergebener Kick inspirierte Hollywood außerdem zur Handlung der Komödie „Ace Ventura“.
Williams schreibt Geschichte
Die 22. Ausgabe der Super Bowl 1988 in San Diego war ein historisches Endspiel in jeder Hinsicht. Mit Doug Williams führte erstmals ein Afroamerikaner als Quarterback sein Team zum Sieg. Schon dass der damals 32-Jährige, der nur als Ersatzmann in die Saison gestartet war, als Spielmacher in einem NFL-Finale auf dem Platz stand, war eine Premiere. Dabei galten gerade die Washington Redskins als Symbol der Rassentrennung im Football. Der langjährige Teambesitzer George Preston Marshall wehrte sich lange gegen die Verpflichtung schwarzer Spieler.
Super Bowl XXII gegen die Denver Broncos stand aber nicht nur im Zeichen von Williams Hautfarbe. Die Redskins brachen gleich mehrere Rekorde. Nach 0:10-Rückstand im ersten Viertel drehte Washington im zweiten Viertel auf und zog auf 35:10 davon. Mehr Punkte und fünf Touchdowns hatte in einer Super Bowl noch kein Team in einem Viertel geschafft, auch Williams gelang mit vier Touchdown-Pässen in einem Viertel ein Rekord. Und auch dass ein Team nach zehn Punkten Rückstand noch den Titel holte, gab es in einer Super Bowl vorher und nachher nie.
Karl Huber, ORF.at
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