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„Verlauf ist sehr zufriedenstellend“

Sechs Wochen ist es her, seit ein schwerer Sturz beim Skifliegen auf dem Kulm das Leben von Lukas Müller für immer verändert hat. Der Kärntner, der bei seinem Unfall in Bad Mitterndorf Halswirbelbrüche und eine inkomplette Querschnittlähmung erlitt, darf jedoch zuversichtlich in die Zukunft blicken. Denn nach eineinhalb Monaten zeigt der Heilungsverlauf bei Müller deutliche Fortschritte.

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Der 23-Jährige wird am Mittwoch, sechs Wochen nach seinem schweren Sturz auf der Skiflugschanze auf dem Kulm, das LKH Graz verlassen und sein Rehaprogramm im Rehabilitationszentrum Bad Häring in Tirol beginnen. Durch einen „experimentellen Heilversuch“ mit einer sogenannten hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) machte Müller deutliche Fortschritte und kann wieder eine Zehe selbst bewegen.

Lukas Müller spricht über seine Querschnittlähmung

Lukas Müller trat gemeinsam mit seinen Ärzten vor die Kamera. Er sprach zum ersten Mal über seine Querschnittlähmung.

Zum Pressegespräch am Dienstag im Universitätsklinikum rollte der Kärntner Sportler selbst mit dem Rollstuhl vor die Presse und berichtete von seinen bisherigen Therapien in der Druckkammer: Der Trainingseffekt in dieser sei besonders wertvoll. Von Tag zu Tag schaffe er mehr. Mittlerweile kann er sich selbst aufsetzen und sich in den Rollstuhl hieven. Schon nach drei Wochen habe er die Muskeln in einer seiner Zehen wider gespürt und es mit Willenskraft und Training geschafft, diese leicht zu bewegen.

Komplette Erinnerung an Sturz

Wieder von einer Schanze zu springen sei seiner Ansicht nach momentan noch „utopisch“, aber: „Wenn ich je wieder die Möglichkeit hätte zu springen, würde ich es machen“, zeigte sich Müller überzeugt. In erster Linie wolle er aber wieder auf die Beine kommen. Er sei nun sechs Wochen nach dem Sturz noch zuversichtlicher als nach der OP und freue sich auf die Reha. Einzig seine Krämpfe, die ihn jeden Tag plagen, würden ihn etwas hemmen.

Von seinem Sturz wisse Müller noch alles: „Ich schlug auf und wusste sofort, die Füße sind weg.“ Er sei nicht bewusstlos gewesen, auch wenn es so ausgesehen hat, und die Luft blieb ihm nicht wie bei früheren Stürzen weg: „Da wusste ich, dass die Kraft des Aufschlags woanders hin ist, nämlich in die Wirbelsäule.“ Bezüglich seiner Schuhe meinte er, dass sie für eine Flugschanze zu locker gebunden waren. Von der Skiflug-WM auf dem Kulm habe er nach dem Sturz nur wenig wahrgenommen, weil er von den Medikamenten benebelt war.

Lukas Müller mit Primar Franz Josef Seibert

GEPA/Daniel Götzhaber

Mit Hilfe seiner Ärzte zeigt Müller (l.) schon jetzt große Fortschritte

Beim Einzel-Springen am Samstag habe er aber sehr wohl gemerkt, wie viele Menschen an ihn dachten: „Ich hatte das Gefühl, ich bin nicht allein.“ Vor allem die Genesungswünsche von seinem Kollegen Stefan Kraft, die er über das Fernsehen mitgeteilt bekam, hätten ihn sehr berührt. Vor den österreichischen Springern, die trotz des schweren Sturzes im Team-Bewerb Bronze geholt haben, ziehe er den Hut: „Das sind schon coole Hund’.“ Der Österreichische Skiverband (ÖSV) hat für Müller auf Staystronglukas.com ein Spendenkonto eingerichtet.

Erfolgreiches Experiment

Müllers Fortschritte in der Therapie erklärten die Ärzte mit mehreren Faktoren, die zusammenspielten: perfekte Erstversorgung, schnelle Operation und rascher Beginn der HBO-Therapie. Außerdem sei Müller ein „toller Partner als Patient“ gewesen, meinte Gernot Brunner, ärztlicher Direktor des LKH Graz. Müller selbst bedankte sich bei Ärzten und Pflegepersonal. Er verlasse das LKH mit einem „weinenden Auge“, weil er die Leute lieb gewonnen habe. „Ich bin gerne da, auch wenn der Grund nicht schön ist. Die Schwestern hier sind zu Freundinnen geworden“, lobte Müller sein Umfeld.

Schon in der ersten Nacht nach der Operation wurde bei Müller mit der Sauerstofftherapie in der Druckkammer begonnen: Dabei atmet der Patient unter Überdruck reinen Sauerstoff ein, schilderte Medizinerin Freyja Smolle-Jüttner. Der Sauerstoff wirke in so hoher Konzentration wie ein Medikament im Körper, lindert Verletzungsfolgen und beschleunigt die Regeneration.

„Der Verlauf ist sehr zufriedenstellend“, sagte Smolle-Jüttner. Da es sich aber um ein experimentelles Verfahren handelt, das österreichweit derzeit nur am Klinikum Graz möglich ist, müsste vor weiteren Behandlungen bei anderen Patienten erst eine klinische Studie erstellt werden. „Das Verfahren ist noch nicht beim Menschen erforscht. Es freut uns, dass es bei Lukas so gut hingehauen hat, aber wir wissen nicht, ob es das auch weiterhin hätte“, sagte die Ärztin.

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